Stolzer Familienvater statt Filou

„Man kann Spaß machen – wenn die Leistung stimmt“

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Marko Arnautovic macht sich Gedanken – über die Familie, Tattoos und seine Rolle bei Werder.

Donaueschingen · Marko Arnautovic fläzt sich im braunen Ledersessel – mal ganz entspannt zurückgelehnt, mal in einer Art Schneidersitz. Der 23-jährige Wiener wirkt ein bisschen wie eben jener Filou, der bei Werder Bremen schon in einige Fettnäpfchen getapst ist.

Doch diese Zeiten sollen endgültig der Vergangenheit angehören. Der Österreicher scheint tatsächlich gereift. Er präsentiert sich im Gespräch als fürsorglicher, stolzer Familienvater und ehrgeiziger Fußballer, der Konkurrenz nicht scheut und gewillt ist, sich weiter zu verbessern.

Ihre Tochter Emilia ist jetzt gut drei Wochen alt. Wie darf man sich die Aufgabenverteilung im Hause Arnautovic vorstellen?

Marko Arnautovic:Ich kann nicht stillen, aber Windeln wechseln – und das mache ich auch. Meine Frau und ich wechseln uns ab. Damit kann ich ihr ein bisschen Last abnehmen. Und ich stehe nachts oft auf und schaue, ob das Kind sich bewegt und atmet. So bin ich eben.

Bekommen Sie da noch genug Schlaf?

Arnautovic:Genug, um meine Leistung zu bringen.

Wie fühlen Sie sich als junger Vater, wie hat die neue Rolle Sie verändert?

Arnautovic:Ich bin im Moment überglücklich. Das Wichtigste ist, dass es meiner Tochter sehr gut geht. Sie ist einen Monat zu früh geboren, hat aber sehr viel Kraft und wurde schon nach drei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Jeder Moment, in dem ich mein Kind im Arm halte oder es neben mir liegt, ist unglaublich. Es ist ein ganz anderes Gefühl im Leben. Zum Beispiel, wenn ich mit meiner Frau spazierengehe – jetzt eben mit einem Kinderwagen in der Hand. Ich fühle mich erwachsener, nehme die Vaterpflichten an und versuche auch, so viel wie möglich von meinen Eltern zu lernen.

Haben Sie sich als Tattoo-Fan schon einen Platz ausgeguckt, wo Sie Emilia verewigen?

Arnautovic: Noch nicht, es gibt da noch viele freie Stellen.

Aber es wird eines geben?

Arnautovic:Zu Einhunderttausend-Millionen Prozent. Während der Saison dürfen wir uns nicht tätowieren lassen, aber ich werde das in der Winterpause machen. Einen guten Satz mit dem Namen dazu – da werde ich mir etwas Schönes überlegen.

Wem sieht Ihre Tochter ähnlicher: Ihrer Frau oder Ihnen?

Arnautovic:Das ist ganz schwierig zu sagen. Wir gucken schon jeden Tag und überlegen, aber man sieht es noch nicht. Auf jeden Fall ist sie aber ein sehr hübsches Mädchen, das höre ich von allen Seiten.

Es klingt, als könnten Sie total entspannt in Ihre dritte Saison bei Werder gehen.

Arnautovic:Nicht ganz. Das Training ist schon sehr anstrengend. Aber wir arbeiten gut, haben ein gutes Team, gute Laune und viel Spaß. Das überträgt sich auch aufs Spiel. Wir halten zusammen. So soll es weitergehen.

Vergangene Saison war die Stimmung oft gedrückt, jetzt ist sie fast immer heiter. Wie kommt das?

Arnautovic:Wenn die Leistung stimmt, kann man Spaß machen. Wenn nicht, dann nicht. Außerdem gibt der Trainer uns ein sehr gutes Gefühl, seit dem ersten Tag. Er hat uns viel verdeutlicht und klar gesagt, was wir verändern und verbessern können. Und durch die vielen Zugänge haben wir jetzt einen neuen, jungen Schwung. Ich freue mich sehr auf die Saison.

Wie sind Ihre Erwartungen?

Arnautovic:Ich habe ein gutes Gefühl, aber das hat man am Anfang einer Saison doch immer. Wir dürfen deshalb nichts auf die leichte Schulter nehmen, müssen in jedem Spiel 120 Prozent geben. Ob es dann besser wird als im Vorjahr, wird sich zeigen.

Werder spielt nun mit zwei offensiven Außen. In den Tests meistens Eljero Elia links, Sie rechts  – wie früher bei Twente Enschede. Ein perfektes System für Sie?

Arnautovic:Wir haben es mittlerweile oft gespielt, es hat gut geklappt – etwa gegen Bayern oder Dortmund. Ich fühle mich rechts sehr wohl, man hat mehr Freiheiten, es ist nicht so eng wie in der Mitte. Aber dort kann ich auch spielen, oder links.

Trainer Thomas Schaaf bescheinigt Ihnen eine „positive Entwicklung“, sagt aber auch: „Marko ist bei weitem noch nicht auf dem Stand, auf dem wir ihn haben wollen.“ Stimmen Sie zu?

Arnautovic:Natürlich ist noch Luft noch oben. Ich arbeite darauf hin, spätestens beim ersten Spiel mein Top-Niveau zu haben.

In Kevin De Bruyne ist ein Neuer dazugekommen, der auch Ihre Position spielen kann. Ist er eine Bedrohung, bangen Sie um Ihren anvisierten Stammplatz?

Arnautovic:Was heißt Bedrohung oder Angst? Kevin ist ein gutes Spieler, der hergekommen ist, um uns zu helfen – und nicht, um irgendjemanden herauszuschießen. Es wird sich zeigen, wo er spielt – und wo ich spiele. Ich werde jedenfalls in jedem Training Vollgas geben.

Sehen die Fans gerade den neuen Arnautovic?

Arnautovic:(lacht) In den Sommerferien heißt es: der neue Arnautovic. In den Winterferien: der neue Arnautovic. Fakt ist: Ich habe hier in meinem ersten Jahr alles gegeben, aber es ist wenig herausgekommen. Das zweite war dann nicht so schlecht, aber durch die Rote Karte und die Verletzung hatte ich leider lange Auszeiten. Jetzt will ich gute Leistungen zeigen und vor allem gesund bleiben.

Ihre Knieverletzung haben Sie sich beim Spielen im Garten mit Schäferhund Santos zugezogen. Haben Sie ihn noch?

Arnautovic:Nein, er ist nicht mehr bei mir. Wir leben jetzt in einer Wohnung und haben zwei andere, kleinere Hunde.

Und da besteht keine Verletzungsgefahr mehr?

Arnautovic:Nein. Wir haben Parkettboden – und da kann man nicht hängenbleiben . . . · mr

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