Das Märchen vom kleinen Per und großen Mertesacker

Mit dem Wechsel zu Arsenal hat sich der Ex-Bremer einen Jugendtraum erfüllt.

Bremen - Tante Ute ist schuld! Wie, Sie haben keine Tante Ute und kennen auch keine? Per Mertesacker schon. Als er noch ein kleiner Pöks war, reiste er oft mit Eltern und Bruder zu jener in England lebenden Tante.

Und weil Mertesacker schon in der Zeit aufwuchs, als Fußball-Trikots zur Pflichtausstattung bei heranwachsenden Fußball-Verrückten wurden, mussten natürlich auch Mini-Merte I und Mini-Merte II so ein Dress von der Insel exportieren. Der Bruder griff sich ein Trikot von Manchester United, Per selbst – „und ich weiß gar nicht, warum“ – schnappte sich eines des FC Arsenal. Damit begann eine Geschichte, die sich nun zu einem gelebten Fußball-Märchen entwickelt.

Denn der ehemals kleine Per bekommt wieder ein Arsenal-Trikot geschenkt – diesmal jedoch nicht von Eltern oder Tante, sondern vom Club selbst. Und dafür, dass er es trägt, wird er mit 4,7 Millionen Euro jährlich auch noch fürstlich bezahlt. Wenn das keine Story ist!

Per Mertesacker hat sie gestern auf der DFB-Pressekonferenz vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich selbst erzählt. Für ihn, sagte der Kurzzeit-Werder-Kapitän, schließe sich mit dem Wechsel ein Kreis. Die frühe Schwärmerei für die „Gunners“ hat bei ihm nämlich die Pubertät und den Einstieg in den Profi-Fußball überlebt. Er nennt es „eine emotionale Bindung, die ich schon lange pflege“. Mit anderen Worten: Der Hannoveraner, der die letzten fünf Jahre in Bremen und bereits 75 Mal für Deutschland gespielt hat, ist schlicht und einfach ein Arsenal-Fan.

Bei seinem Heimatverein TSV Pattensen ist er als Jugendlicher bereits im Arsenal-Outfit über den Platz getobt. Er habe für den Club „geschwärmt“ und immer „in die Premier League geschielt. Ich hätte damals aber nicht gedacht, dass ich einmal für diesen Club spielen werde. Dass das jetzt Wirklichkeit ist, ist faszinierend.“

Am Donnerstag tritt Mertesacker seinen Dienst in der englischen Hauptstadt an. Am Mittwoch wird er noch einmal nach Bremen kommen, um sich von Trainer, Mannschaft und Management zu verabschieden. „Das wird sicher nicht ohne Emotionen abgehen“, ahnt Mertesacker, „ich habe Bremen viel zu verdanken. Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich zu jeder Zeit vom ganzen Club und seinen Fans unterstützt wurde. Das hat wirklich sehr gut geklappt.“

Er wäre auch ohne Murren in Bremen geblieben, sagt er. Innerlich war er sogar darauf eingestellt, seinen bis 2012 laufenden Vertrag bei Werder zu erfüllen. Weil die Londoner, zu denen Mertesacker in einem Jahr wohl ohnehin (und dann ablösefrei) gegangen wäre, sich lange nicht rührten. „Ich dachte schon, dass nichts mehr passiert“, berichtet der Innenverteidiger. Doch dann wurde das „Hintertürchen, das ich mir immer offen gehalten hatte“, mit einem Ruck weit aufgerissen. Arsenal-Kontakt zu Berater Roman Pletz am Freitag, ein Elf-Millionen-Euro-Angebot an Werder am Montag, Medizincheck am Dienstag, Vollzug am Mittwoch. Ein Hochgeschwindigkeitstransfer, der auch Mertesacker aus der Puste brachte: „Es ging alles viel zu schnell, um es wirklich zu realisieren.“

Werder war über seine Arsenal-Sympathie und den Plan, wenn möglich irgendwann dorthin zu wechseln, stets informiert. „Ich wollte ehrlich sein und habe gesagt: Wenn dieser Verein kommen sollte, dann werde ich das auch tun.“

Jetzt hat er es gemacht und wartet mit Spannung auf die ersten Trainingseinheiten unter Arsene Wenger. Seit 1996, der kleine Per war damals gerade zwölf Jahre alt, ist er der Coach der „Gunners“ – und natürlich auch ein Grund, weshalb Mertesackers Schwärmerei nie aufgehört hat: „Wenger ist eine Trainerpersönlichkeit. Ich bin überzeugt, dass er mich in meiner Entwicklung weiter nach vorne bringen wird.“ · csa

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