Vom Märchen zum Alptraum

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Zufrieden sieht anders aus: Thomas Schaaf.

Bremen - Von Malte Rehnert - Der Fußball schreibt so tolle Geschichten, aber eben auch so grausame. Werder Bremen steuerte gestern auf einen immens wichtigen Heimsieg gegen den FC Augsburg zu.

Das bis dahin einzige Tor der Partie (61.) hatte ausgerechnet Niclas Füllkrug bei seiner Startelf-Premiere in der Bundesliga erzielt. Doch mit der letzten Aktion des Spiels kamen die Gäste in der dritten Minute der Nachspielzeit noch zum 1:1 (0:0)-Ausgleich durch Kapitän Paul Verhaegh. Direkt danach war Schluss. Bei Werder herrschte Frust, weil es wie im Hinspiel nur ein 1:1 gegen den Aufsteiger gegeben hatte und zwei sicher geglaubte Punkte im knüppelharten Kampf um die internationalen Plätze plötzlich weg waren. „Die Europa League ist in großer Gefahr“, warnte Innenverteidiger Sokratis, der zuvor aus dem Heimspiel-Doppelpack gegen Augsburg und Mainz die maximale Ausbeute von sechs Zählern gefordert hatte.

Zu der großen Enttäuschung kam noch eine gehörige Portion Wut auf Schiedsrichter Markus Wingenbach (Diez), der die Bremer nach deren Meinung in der hektischen Schlussphase benachteiligt hatte. „Der Schiri war eine unglückliche Person“, meinte Linksverteidiger Florian Hartherz. Die Szene, die die Bremer Gemüter besonders erregte, war ein Zweikampf zwischen Werders Aleksandar Ignjovski und Augsburgs aufgerücktem Keeper Simon Jentzsch. Der baumlange Keeper fiel und bekam einen Freistoß, der schließlich zum Last-Minute-Ausgleich führte. Für Jentzsch war der Pfiff berechtigt, für Werder nicht. „Ich denke, er wird da nicht gefoult“, meinte Klaus Allofs. Der Werder-Sportchef war mächtig angefressen, ließ sich aber nicht zu einer Attacke auf Wingenbach hinreißen, sondern monierte recht sachlich: „Er hat am Ende ein bisschen den Überblick verloren – und das war leider entscheidend.“

Enttäuschung in der Nachspielzeit

Enttäuschung in der Nachspielzeit: Werder nur 1:1

Ohne den verhängnisvollen Freistoß hätte das durch zwölf Ausfälle dezimierte Werder gewonnen – mit der jüngsten Anfangsformation der Vereinsgeschichte. 22,7 Jahre, das toppte sogar noch den Altersrekord aus der Vorwoche in Dortmund (0:1). Und mit dieser extrem unerfahrenen Truppe sollten die Fans im mit 40 208 Zuschauern ausverkauften Weserstadion Geduld haben. „Darum bitte ich – auch im Namen des Trainers“, hatte Stadionsprecher Christian Stoll vorab gesagt. Eine ungewöhnliche Aufforderung, der die Fans aber prompt nachkamen. Anfeuern statt Auspfeifen – auch wenn längst nicht alles klappte, die Hausherren einige Zeit brauchten, um sich zu sortierten und die grün-weiße Anhängerschaft zunächst wahrlich nicht verwöhnten. „In der ersten Halbzeit war viel Sand im Getriebe, viel Stotterei, viele Fehlpässe“, urteilte Werder-Coach Thomas Schaaf. Die Fans waren deshalb schon dankbar für ein bisschen Torgefahr, bejubelten fast schon euphorisch die einzigen beiden Chancen von „Sechser“ Clemens Fritz (13.) und Stürmer Markus Rosenberg (30.), deren Schüsse leichte Beute für Jentzsch waren.

Werder gegen Augsburg - die Bilder

Werder Bremen empfängt den FC Augsburg.

Die beste Gelegenheit vor der Pause hatten die Augsburger. Ja-Cheol Koo legte den Ball am Bremer Torwart Sebastian Mielitz vorbei – doch Rechtsverteidiger Ignjovski klärte kurz vor Torlinie (35.). Dazu noch ein Schuss von Stephan Hain, den Mielitz stark parierte (27.) – mehr kam aber auch von den Augsburgern nicht, die isgesamt allerdings munter mitspielten. Das änderte sich nach der Pause, als Werder mutiger wurde und den Gegner zurückdrängte. Die Folge: das 1:0. Lukas Schmitz, der im halblinken Mittelfeld eine Bewährungschance von Anfang an erhalten hatte, passte auf Füllkrug. Der 19-Jährige nahm noch ein paar Schritte Anlauf und knallte den Ball aus etwa 20 Metern ins rechte untere Eck – 1:0 und Riesenjubel! „Das war das beste Gefühl, das ich jemals hatte“, schwärmte Startelf-Neuling Füllkrug hinterher. Die Fans waren in Feierlaune, stimmten Europapokal-Gesänge an. Dass Werder trotz der einen oder anderen guten Chance nicht nachlegte, schien sich nicht zu rächen – bis zur Nachspielzeit.

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