Weil Pizarro geht, fehlt dem neuen Werder-Team das Fundament

Was macht Allofs jetzt?

Auf „Pizarro-Suche“: Klaus Allofs. ·

Bremen - An seinen Peru-Trip im August 1999 erinnert sich Klaus Allofs mit Genuss. Am Lufthansa-Abfertigungsschalter des Flughafens von Lima saß er mit Claudio Pizarro zusammen und drängelte.

Der Flug nach Deutschland war längst aufgerufen, der damals 20 Jahre alte Stürmer hatte aber immer noch nicht unterschrieben. Doch dann, kurz vor knapp, signierte Pizarro endlich den Vertrag. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte für beide. Pizarro startete seine erfolgreiche Europa-Karriere, der neue Werder-Sportdirektor hatte seinen ersten großen Transfercoup gelandet. Dem weitere folgten.

Doch seit mindestens zwei Jahren sind Volltreffer bei Allofs Mangelware. Sein Ruf als „Spürnase“ hat Dellen und Kratzer bekommen, kann aber schnell wieder aufpoliert werden. Dafür braucht es nur eines: Allofs muss 13 Jahre nach dem Peru-Trip den neuen Pizarro finden. Eine extrem schwierige Aufgabe, die sich bei dem 55-Jährigen aber kinderleicht anhört: „Wir müssen uns Neuem zuwenden. Jetzt muss ein anderer oder müssen andere die wichtigen Tore für uns schießen.“

Pizarro wird es nicht mehr machen. Und das ist mehr als nur ein Schlag ins Kontor, wie Allofs zugibt: „Claudio wäre eine feste Größe in unserer Mannschaft gewesen. Um ihn herum hätten wir das neue Team aufgebaut.“ Dass der 33-Jährige trotz seiner „großen Liebe“ und seines „großen Respekts für den Verein“ keine Lust hat, diese Rolle zu übernehmen, und lieber geht, „verändert die Situation“, meint Allofs. Oder anders gesagt: Es fehlt ein großes Stück des Fundaments.

Zudem lassen die Elemente für den Aufbau auf sich warten. Allofs hat mit Ausnahme des 19 Jahre alten Nachwuchsstürmers Johannes Wurtz vom 1. FC Saabrücken noch keinen Neuzugang präsentiert. Das neue Werder Bremen existiert weiter nur in den Köpfen von Allofs und Trainer Thomas Schaaf. Die Fans lechzen aber nach Fakten und Namen. Allofs muss es aber noch bei beschwichtigenden Worten bewenden lassen. „Wir sind zuversichtlich, dass eine Vielzahl der Ideen, die wir haben, auch umgesetzt werden kann“, sagt er beispielsweise.

Ein Großteil der Fans glaubt ihm scheinbar. Jedenfalls ist das Ergebnis unserer Online-Umfrage auch als Vertrauensbeweis für Allofs zu bewerten. Gefragt war, ob der Pizarro-Abgang ein Desaster oder eine Chance zur Erneuerung sei. Das Ergebnis: Knapp drei Viertel der Teilnehmer sehen die Chance, der Rest wählte das Desaster. · csa

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