Torwart über U17-WM und Klausuren am Spieltag

Luca Plogmann im Interview: „Mama ist stolz“

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Luca Plogmann hat ein großes Ziel: eines Tages für Werder Bremen in der Bundesliga spielen.

Bremen - 1,89 Meter groß, dazu breite Schultern wie ein Top-Athlet – Luca Plogmann ist deutlich anzusehen, dass der Sport in seinem Leben die zentrale Rolle spielt.

Eines hingegen verrät sein Äußeres nicht mal im Ansatz: Dass er erst 17 Jahre alt ist. Bei Werder gilt der gebürtige Bremer als große Torwart-Hoffnung für die Zukunft, im März unterschreibt er seinen ersten Profivertrag. Vor Kurzem ist Plogmann von der U17-WM aus Indien zurückgekehrt, nun arbeitet er am Osterdeich weiter an seinem Ziel: Eines Tages will er in der Bundesliga zwischen den Pfosten stehen.

Im Interview mit der DeichStube hat der Keeper verraten, wie hoch der Preis für den Traum von der Profi-Karriere ist, wie stressig es war, kurz vor einem EM-Spiel die Matheprüfung fürs Abitur abzulegen – und warum er sich über einen gehaltenen Schuss von Max Kruse nicht besonders freut.

Herr Plogmann, Sie sind vor Kurzem von der U17-Weltmeisterschaft in Indien zurückgekehrt, wo Sie mit der deutschen Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Brasilien ausgeschieden sind. Wie fällt Ihr Fazit nach dem Turnier aus?

Luca Plogmann: Sehr positiv. Am Ende war es ein bisschen bitter, weil in der ersten Halbzeit zu sehen war, dass wir mit Brasilien mithalten konnten, wenn nicht sogar etwas besser waren.

Im Stadion in Kalkutta waren während des Spiels 66.000 Zuschauer. Was haben Sie gedacht, als Sie vor dieser großen Kulisse das Spielfeld betreten haben?

Plogmann: Das war nicht normal! Ich habe beim Auflaufen versucht, nicht so sehr auf die Fans zu achten, weil ich mich auf das Spiel konzentrieren wollte. Das Stadion war gegen uns, weil viele Brasilianer da waren. Das bekommt man natürlich mit, beeinflusst hat es mich aber nicht. Im Nachhinein dachte ich: „Wow! 66.000 waren da!“ In der Bundesliga spielt man auch vor so seiner Kulisse. Dass ich jetzt schon mal die Erfahrung gesammelt habe, macht es später vielleicht ein bisschen einfacher für mich.

Im März werden Sie 18 Jahre alt und unterschreiben bei Werder Ihren ersten Profivertrag. Ein Meilenstein auf dem Weg zu Ihrem Traumziel Bundesliga?

Plogmann: Ja, es ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich spiele schon seit über zehn Jahren bei Werder und habe immer darauf hingearbeitet. Ich sehe es als Bestätigung, dass ich in dieser Zeit jeden Tag zum Stadion gekommen bin und ein- bis zweimal trainiert habe. Es freut mich, bei meinem Verein bald als Profi zu unterschreiben.

Sportlich geht es für Sie in Bremen steil bergauf, das Abitur haben Sie mit 17 auch schon in der Tasche. Werders Nachwuchsdirektor Björn Schierenbeck hat Sie kürzlich „unseren Überflieger“ genannt. Hat er Recht?

Plogmann: (lacht) Ich bin einfach zielstrebig und will immer das Maximum erreichen. Ich habe aber einen kühlen Kopf dabei und weiß, wann etwas gut war und wann es nicht so gut war. Es läuft eben alles ganz ordentlich.

War das Abitur denn schwer für Sie neben dem täglichen Training?

Plogmann: Ja, unter den Bedingungen im vergangenen Jahr war es schon schwer. Wir haben uns mit dem U17-Nationalteam auf die EM vorbereitet, waren im Trainingslager in Spanien, beim Algarve-Cup. Vor dem ersten EM-Spiel habe ich dann meine Matheklausur fürs Abi geschrieben. Ein Lehrer ist extra nach Kroatien geflogen. Das war schon stressig. Wenn ich nicht trainiert habe, habe ich gelernt. Ich bin froh, dass ich das jetzt hinter mir habe.

Wie schwer war es, Schule und Leistungsfußball unter einen Hut zu bekommen?

Plogmann: Das ist schon eine Herausforderung gewesen. Wenn ich jetzt nach Hause komme, kann ich mich entspannen. Früher habe ich Hausaufgaben gemacht.

Viel Freizeit bleibt jungen Spielern demnach nicht. Wie hoch ist der Preis, den man zahlen muss, um eines Tages womöglich in der Bundesliga anzukommen?

Plogmann: Es kostet schon etwas, aber ich mache es wirklich gerne. Ich muss freitagabends nicht losgehen. Mir ist es wichtiger, dass ich samstags das Spiel gewinne und dann mit einem guten Gefühl ins Wochenende gehe. Wenn ich meine Leistung auf dem Platz bringe, macht mich das glücklicher als alles andere.

Haben Sie für den Fall, dass es nichts wird mit der Profikarriere, schon einen Plan B im Hinterkopf?

Plogmann: Nein, im Moment mache ich mir darüber noch keine Gedanken. Ich habe mit dem Abitur eine gute Grundlage geschaffen. Wenn es nichts werden sollte, kann ich ja immer noch schauen, was ich dann mache.

Luca Plogmann ist Stamm-Torwart in der U19 von Werder Bremen.

Bis zur U14 wurden Sie auch immer mal wieder als Feldspieler eingesetzt – und waren einer der besten Torjäger Ihres Teams. Woher kommt diese Doppelbegabung?

Plogmann: (lacht) Das weiß ich nicht. Egal, wo ich gespielt habe, ich habe mich immer darauf gefreut. Wenn ich länger im Tor war, hatte ich richtig Bock, mal wieder im Feld zu spielen.

Warum haben Sie sich denn dazu entschieden, dauerhaft im Tor zu bleiben?

Plogmann: Ich weiß nicht, ob es als Feldspieler so gut gelaufen wäre, wie es jetzt als Torwart gelaufen ist. Mein Trainer in der U15 war Florian Kohfeldt. Er hat mit mir zusammen entschieden, dass ich ins Tor gehe.

Wie sehr profitieren Sie als Torhüter davon, auch die andere Perspektive zu kennen?

Plogmann: Wenn ein Stürmer auf mich zuläuft, denke ich nicht darüber nach, wie ich schießen würde. In der Spieleröffnung und dabei, ein Spiel zu lesen, hilft es mir aber sehr. Ich glaube, dass ich zum Beispiel Vorteile habe, wenn es darum geht, einen langen Ball richtig einzuschätzen. Weil ich früher fast alles gespielt habe, weiß ich, wie sich jeder Spieler auf seiner Position fühlt.

Sie sind gebürtiger Bremer und Werder-Fan seit frühester Kindheit. Wie sehr leiden Sie wegen der Krise, in der Werders Profi-Team steckt?

Plogmann: Ich leide sehr mit, aber ich glaube, dass wir da rauskommen.

Was stimmt Sie optimistisch?

Plogmann: In der Mannschaft steckt viel Qualität. Im Moment läuft es leider nicht, aber so etwas kann sich schnell ändern.

Sie durften im Sommer mit den Profis ins Trainingslager und sind seitdem auch bei den Einheiten in Bremen regelmäßig dabei. Was bringt Ihnen das?

Plogmann: Ganz viel. Ich bin 17 Jahre alt, und schon jetzt das hohe Tempo bei den Profis mitzuerleben, zu sehen, wie sie aufs Tor schießen, ist sehr wichtig für mich. Man merkt natürlich einen großen Unterschied zum Jugendfußball. Für mich macht es vom Gefühl her aber keinen großen Unterschied, ob ich jetzt einen Schuss von Max Kruse halte oder von einem U19-Spieler. Hauptsache, der Ball ist nicht drin.

Was können Sie sich speziell von Werders Profi-Torhütern abgucken?

Plogmann: Mich beeindruckt die Erfahrung von Drobny und Pavlenka, die beide schon in der Bundesliga gespielt haben – dort, wo ich hin will. Ich achte sehr darauf, wie sie sich im Training verhalten. Bei Flanken, im Stellungsspiel.

Luca Plogmann bei Werder Bremen

Luca Plogmann
Der gebürtige Bremer Luca Plogmann spielt seit seinem sechsten Lebensjahr in Werders Jugendmannschaften.  © Gumz
Luca Plogmann
Mittlerweile ist Plogmann Vollblut-Torhüter, in der U14 lief er noch zeitweise als Feldspieler auf - und war zweitbester Torschütze.  © Gumz
Schon mit 16 Jahren durfte Plogmann am Training der Profis teilnehmen - und mit den gestandenen Bundesliga-Torhütern zusammenarbeiten.
Schon mit 16 Jahren durfte Plogmann am Training der Profis teilnehmen - und mit den gestandenen Bundesliga-Torhütern zusammenarbeiten. © gumzmedia
Luca Plogmann
Mit Werders U17 schaffte er 2016/17 den Einzug in die Endrunde der Liga, verlor aber das Finale gegen den FC Bayern München 0:2.  © imago
Luca Plogmann
Seit der Saison 2017/18 hütet Plogmann das Tor für Werders U19 in der A-Junioren-Bundesliga.  © Gumz
Außerdem durfte Plogmann schon mit den Profis trainieren.
Außerdem durfte Plogmann schon mit den Profis trainieren. © gumzmedia
Luca Plogmann
Das eigentliche Highlight seiner bisherigen Karriere war aber die Reise zur U17-WM in Indien. Nach der Teilnahme an der Junioren-Europameisterschaft im Frühjahr stand er auch im Herbst 2017 bei allen Pflichtspielen der deutschen Mannschaft als Torhüter auf dem Platz. Im Viertelfinale war leider gegen Brasilien Schluss. © Gumz

Sind die Profis Ihnen gegenüber denn aufgeschlossen, oder sitzen Sie in der Kabine fernab von allen?

Plogmann: Es ist wie in einer ganz normalen Fußballmannschaft. Du kommst neu rein und musst erstmal deinen Platz finden. Aber allen reden ganz normal mit mir. Ich bin da jetzt nicht einer, den alle ignorieren. Es geht sehr menschlich zu.

Wie schwer ist es, zwischen den beiden Welten Profi- und Jugendfußball zu pendeln?

Plogmann: Ich trenne das nicht. Klar ist es etwas Besonderes, bei den Profis mitzutrainieren. Ich habe aber kein Problem damit, dann wieder zur U19 zu gehen. Ich weiß, dass die Spielpraxis dort für mich wichtig ist.

Haben Sie einen Zeitplan, wie es für Sie bei Werder in den nächsten Jahren weiterlaufen soll?

Plogmann: Nein, darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich konzentriere mich auf meine Entwicklung und darauf, dass ich besser werde. Der Rest kommt dann von alleine. Ich weiß, dass es kein einfacher Weg ist und dass auch mal Verletzungen kommen können.

Ist Ihr Traum von der Bundesliga ausschließlich mit Werder verknüpft, oder können Sie sich vorstellen, den Verein dafür zu verlassen?

Plogmann: Ich gehe meinen Weg bei Werder.

Sie sind sehr aktiv bei Instagram, laden dort regelmäßig Fotos hoch. Warum?

Plogmann: Es macht mir einfach Spaß, etwas hochzuladen, sodass die Leute es dann sehen und etwas von meinem Leben mitbekommen. Ich weiß nicht, warum ich es nicht machen sollte.

Gibt es Torhüter, die Sie als Vorbild bezeichnen würden?

Plogmann: Ich habe jetzt nicht den einen, sondern gucke mir von mehreren etwas ab. Das ist vom Typ her natürlich Manuel Neuer, auch Buffon. Von der Spieleröffnung her mag ich Marc-André ter Stegen. Ich möchte aber auf dem Platz ein eigener Typ werden und einen eigenen Spielstil entwickeln.

Was sagt denn Ihre Familie zu Ihren Profi-Plänen?

Plogmann: Bei uns sind alle fußballverrückt. Wir gucken jedes Werder-Spiel. Bundesliga und Champions League läuft bei uns zu Hause immer. Wir fachsimpeln auch öfter, aber ich bin der einzige, der Fußball spielt. Wenn etwas über mich in der Zeitung steht, schneidet mein Papa den Artikel aus und heftet ihn weg. Und klar ist Mama stolz, wenn ich bei den Profis trainiere. Meistens ist immer einer da, der zuguckt.

Quelle: DeichStube

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