Franco Di Santo und Santiago Garcia

„Am liebsten würden wir grillen“

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Werders Franco Di Santo und Santiago Garcia sowie Dolmetscher Kevin Weber-Roldán und Kreiszeitungs-Sportredakteur Malte Rehnert (v.l.). ·

Bremen - Franco Di Santo (24) und Santiago Garcia (25) sind in ihrer kurzen Zeit bei Werder schon dicke Kumpel geworden. Was sie besonders aneinander schätzen, woran sie sich in Bremen erst noch gewöhnen müssen und wer fleißiger beim Deutschunterricht ist, verraten die beiden Argentinier im zweiten Teil des Doppel-Interviews.

Was gefällt Ihnen am besten in Bremen?

Garcia:Bisher gibt es keinen speziellen Ort. Ich mag es, zu Hause zu sein und dort meine Ruhe zu haben. Aber ich gehe auch gerne mal in die Stadt, ein bisschen spazieren.

Di Santo: Bremen ist insgesamt eine sehr schöne Stadt. Mir gefällt aber auch der Umgang mit den Menschen. Sie sind freundlich und ruhig, nicht so hektisch.

Werden Sie in Bremen oft von Argentiniern angesprochen?

Di Santo:Bisher nicht so sehr. Wir haben schon gesehen, dass hier manchmal argentinische Fahnen aufgehängt werden. Wir wissen aber nicht, ob das Argentinier machen – oder Leute, die uns einfach unterstützen wollen.

Haben Sie schon jemanden für Ihr großes Hobby, das dem Tennis ähnliche Padel, gefunden?

Di Santo:Nein, es gibt hier ja leider gar keine Padel-Plätze. Und außerhalb von Bremen haben ,Santi‘ und ich noch keinen ausfindig gemacht.

Mit wem aus dem Team verstehen Sie sich am besten?

Garcia:Mit Luca Caldirola (Di Santo nickt) – auch, weil er wie ich Italienisch spricht. Und unsere Gewohnheiten, zum Beispiel die Essenszeiten, sind sehr ähnlich. Im Großen und Ganzen war die Integration sehr einfach für uns, weil unsere Mitspieler es uns sehr leicht gemacht haben.

Aber was ist für Sie die größte Umstellung von England zu Deutschland (Di Santo) und von Italien zu Deutschland (Garcia)?

Di Santo:Als erstes die Sprache, das war das Schwierigste. Und im Vergleich zu Blackburn und Wigan sind die Trainingseinheiten hier härter. Bei Chelsea war es in etwa gleich.

Garcia: Hier wird viel schneller und offensiver gespielt, das ist mir sofort aufgefallen. Und dann dieser Temperaturwechsel . . . In Palermo ist es meistens warm, die Sonne scheint. Hier ist es kälter, wolkiger. Und es regnet.

Und die Fans sind angenehmer als in Palermo? Dort wurden Sie nach einem Eigentor gegen Inter Mailand massiv bedroht.

Garcia:Hier sind die Fans positiv fanatisch. Egal, ob du gewinnst oder verlierst, sie unterstützen dich. Das ist das Wichtigste. Alles andere ist für mich jetzt Vergangenheit und abgehakt. Ich freue mich einfach zu sehen, wie viele Leute sich um Werder kümmern, alles für den Verein tun.

Gibt es einen Traum, den Sie mit Werder haben?

Di Santo:Unser gemeinsames Ziel ist es, Werder wieder dahin zu führen, wo wir hingehören – weiter oben. Das ist nicht nur mein Traum, sondern der von uns allen.

Und der Traum von der WM 2014 in Brasilien?

Di Santo:Intacto! Kontakt zum Nationaltrainer gab es zuletzt aber nicht mehr. Wichtig ist, dass ich so schnell wie möglich total fit werde. Dann ist es eher realistisch. Ich kann doch nicht von der WM sprechen, wenn ich verletzt bin. Ich gebe alles dafür, hier alles richtig zu machen. Und dann sehen wir weiter.

Garcia: Für mich scheint es fast unmöglich zu sein. Ich bin bisher noch nie berufen worden. Das Thema ist ganz weit weg, darüber mache ich mir derzeit gar keine Gedanken.

Was hätten Sie gerne vom jeweils anderen – fußballerisch und charakterlich?

Di Santo (jauchzt auf):Ich bewundere ,Santi‘ für seinen Fleiß und seine Neugierde. Er saugt zum Beispiel alles Neue schnell auf, ich bin da etwas zurückhaltender . . .

Garcia: Franco ist immer gut drauf, beneidenswert. Und er kann Rückschläge sehr gut wegstecken. Das kann nicht jeder, wenn es einem gerade nicht so gut geht, trotzdem immer noch zu lächeln. Er sieht immer das Positive im Negativen, das finde ich richtig gut.

Bei Argentiniern denkt man gleich: Die essen doch bestimmt am liebsten Steak. Sie auch?

Beide glucksen, dann sagt Di Santo:Unser Lieblingsessen ist auf jeden Fall das argentinische Fleisch. Wir wollen in den nächsten Wochen mal versuchen, hier selbst was Argentinisches zu kochen. Am liebsten würden wir grillen, aber das kann man momentan wegen des Wetters vergessen.

Haben Sie in Bremen noch kein gutes argentinisches Restaurant gefunden?

Di Santo:Es gibt hier gute Steakhouses, da schmeckt das Fleisch – anders als in England, da schmeckte es nicht. Und wir haben noch von einem guten Argentinier in Hamburg gehört, aber das ist zu weit weg.

Sie haben beide Unterricht: Wie sieht es mit Ihren Deutschkenntnissen aus?

Di Santo:Unser Lehrer hat uns schon gewarnt, dass es keine Sprache ist, die man in zwei Monaten lernt – und dass wir Zeit und Geduld brauchen. Sagen wir mal so: Andere Sprachen sind einfacher. Aber ich gebe mir Mühe, es so schnell wie möglich zu lernen.

Fleißiger ist vermutlich Garcia . . .?

Di Santo:Ja, schon. Er nimmt mehr Unterricht – und vielleicht fällt es ihm auch ein bisschen leichter, die Sprache zu lernen.

Wie oft büffeln Sie pro Woche?

Garcia:Zwei bis drei Mal. Je nachdem, wie die Trainingseinheiten liegen.

Di Santo: Und er setzt sich zu Hause auch noch hin und lernt weiter.

Dann bitte einen deutschen Satz von jedem!

Di Santo (grinst):Ich spreche kein Deutsch.

Garcia: Ich heiße Santiago Garcia.

Wie einige andere Sportler auch. Ein uruguayischer Fußballspieler (23 Jahre alt) oder vor rund 100 Jahren ein spanischer Fechter. Haben Sie Ihren Namen mal gegoogelt?

Garcia:Das habe ich wirklich schon gemacht. Und ich weiß, dass es in Uruguay einen Spieler mit dem gleichen Namen gibt.

Aber Sie wollen der bekannteste Santiago Garcia werden?

Garcia (schmunzelnd):Hoffentlich schaffe ich das! · mr

Lesen Sie hier Teil 1 des Interviews

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