Frankreich geht vorsichtig ins Prestigeduell

Vom lieben Lloris und milden Micoud

Frankreich-Coach Laurent Blanc beneidet die ehemalige „Dampfwalze“. ·

Bremen - Es war einmal eine stolze Fußball-Nation: Die einst so angriffslustigen Franzosen sind nach dem WM-Debakel 2010 mit Spielerstreik, Vorrunden-Aus und späterer Trainerentlassung vorsichtig geworden.

So vorsichtig, dass Trainer Laurent Blanc gestern auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Bremen den lieben (Hugo) Lloris als seinen EM-Kapitän präsentierte. Die französischen Medien waren geschockt, hatten sie doch einen anderen Spielführer erwartet als den „aalglatten und braven Torwart aus Lyon“, wie es ein Journalist ausdrückte.

„Das ist die richtige Entscheidung“, konterte Ex-Profi Blanc. Der Weltmeister von 1998 geht seinen Weg, es ist ein Weg mit viel Demut. „Unsere EM-Qualifikation war mühsam. Es ist noch harte Arbeit, um in Europa wieder nach ganz oben zu kommen“, sagte Blanc und blickte fast schon neidisch auf den Gegner: „Deutschland ist viel weiter als wir. Früher waren sie eine Dampfwalze, jetzt sind sie offensivstark, schnell und gefährlich. Davor kann man nur den Hut ziehen.“

Sein neuer Kapitän setzte die Lobhudelei gleich fort: „Deutschland hat den Status, den Frankreich verloren hat.“ Die Grande Nation macht sich ganz klein. Und daran beteiligt sich sogar einer, der immer als absoluter Siegertyp galt und den Kopf immer oben trägt: Ex-Profi Johan Micoud. Der Franzose, der Werder 2004 elegant zum Double dirigierte, ist eben auch Realist. Der 38-Jährige, der extra für das Spiel an die Weser gekommen ist und gestern im Kabinengang mit seinem Ex-Kollegen Miroslav Klose auf italienisch plauderte, beantwortet die Bitte nach einem Tipp mit einer Gegenfrage. Er bekommt ein 2:1 für Deutschland und erwidert: „Oh, ich hätte 2:0 gesagt. Aber wenn Sie unserem Team ein Tor zutrauen, freut mich das.“ Es ist keine Kritik an seinen Landsleuten, es ist eher Milde. Die Erwartungen an die Equipe tricolore sind noch gering.

Für Blanc ist das aber kein Grund, gleich die weiße Fahne zu hissen: „Wir müssen die ersten 20 Minuten überstehen und den Deutschen dann Probleme bereiten. Es ist nur ein Spiel, und in einem Spiel ist vieles möglich.“ · kni

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