Leverkusens Julian Brandt verletzt sich ausgerechnet vor dem Spiel gegen Bremen

„Werder ist in meinem Herzen“

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Julian Brandt macht schon mit 18 Jahren eine richtig gute Figur in der Bundesliga, nun hat ihn aber das Verletzungspech ereilt.

Bremen - Von der Ostkurve auf die Karriereleiter: Der Bremer Julian Brandt ist in der Bundesliga richtig durchgestartet, allerdings nicht beim SV Werder. Vom FC Oberneuland wechselte Brandt 2011 zum VfL Wolfsburg und vergangenen Winter dann zu Bayer Leverkusen. Mit der U19 holte der 18-Jährige im Sommer gemeinsam mit Werder-Stürmer Davie Selke den EM-Titel. Am Freitagabend wollte Brandt eigentlich gegen den Club spielen, den er jahrelang von der Ostkurve aus angefeuert hatte. Doch Anfang der Woche stoppte ihn ein Trainingsunfall: Außenbandriss und Kapselverletzung im Sprunggelenk, mehrere Wochen Pause. Im Interview spricht er über das Missgeschick, seine Zeit im Weserstadion und über sein Vorbild Diego.

Herr Brandt, vielen Dank, dass Sie trotz Ihrer Verletzung unseren Interview-Termin nicht abgesagt haben. Wie geht es Ihnen?

Julian Brandt: Es geht langsam wieder aufwärts. Es war natürlich ein Schock. Aber es hätte mich auch schlimmer erwischen können. In ein paar Wochen bin ich wieder dabei.

Wie bitter ist es, als gebürtiger Bremer ausgerechnet gegen Werder zu fehlen?

Brandt: Sehr bitter. noch schlimmer wäre es aber gewesen, wenn das Spiel in Bremen wäre. Da hätte ich mich wund geärgert.

Sind Sie noch Werder-Fan?

Brandt: Na klar. Wenn du da geboren bist, dann kannst du das nicht vergessen. Ich stand ja selbst in der Ostkurve – in den richtig guten Zeiten mit Diego, Özil und all den anderen. Das ist schon ein Verein, der in meinem Herzen ist.

Hingen damals Werder-Poster in ihrem Zimmer?

Brandt: Poster hatte ich nicht so viele, aber fast von jeder Saison ein Trikot – und ich habe als kleines Kind die Handschuhe von Frank Rost bekommen. Die waren so groß wie mein ganzes Bein. Das war schon eine grandiose Zeit.

Sind Sie als „Werder-Fan“ traurig, dass die großen Zeiten in Bremen vorbei sind?

Brandt: Es ist schon schade. Werder hatte ein super Standing in der Bundesliga, war der Bayern-Verfolger. Mir tun die Bremer Fans derzeit ein bisschen leid. Sie versuchen immer, ihre Mannschaft zum Sieg zu peitschen. Die Leute in der Ostkurve sind voll in Ordnung. Deswegen gönne ich ihnen, dass sie mindestens wieder in der oberen Tabellenhälfte mitspielen.

Es gibt viele Geschichten, warum Sie in der Jugend nicht bei Werder, sondern in Wolfsburg gelandet sind. Erzählen Sie uns die wahre Story?

Brandt: Mein Herz hat gesagt, ich soll zu Werder gehen. Aber dann kam Wolfsburg, ich habe mir das angeguckt. Dort wurden mir so überragende Perspektiven geboten, dass der Kopf gesagt hat: Wolfsburg ist in diesem Moment besser für mich. Das hat sich bewahrheitet. Aber ich bin noch jung, vielleicht lande ich ja irgendwann bei Werder.

Wen kennen Sie aus der aktuellen Werder-Mannschaft?

Brandt: Ein paar Jugendspieler, die noch nicht so in der Bundesliga zum Einsatz gekommen sind. Und natürlich Davie Selke von der U19-Nationalmannschaft. Gegen ihn hätte ich gerne gespielt. Ich werde ihm auf jeden Fall Hallo sagen.

Wie oft sind Sie noch in Bremen?

Brandt: Ich war gerade erst da beim Ailton-Spiel. Ich saß mit meiner Familie über der Ostkurve. Es war echt lustig, sich den alten Kugelblitz noch mal anzugucken.

Kommen wir zu Leverkusen: Warum ist Bayer in dieser Saison so stark?

Brandt: Das ist wirklich Wahnsinn. Wir sind zusammengewachsen. Es werden privat Sachen zusammen gemacht, das gab es so in der vergangenen Saison nicht. Jeder läuft für jeden. Der Trainer hat da gute Arbeit geleistet. Und wir haben natürlich super Einzelspieler.

Sie haben Trainer Roger Schmidt schon angesprochen: Was zeichnet ihn aus?

Brandt: Er ist menschlich ein super Typ. Er spricht viel mit den Spielern. Sein System kommt einfach an. Es ist sehr speziell – vielleicht vergleichbar mit Dortmund. Sonst spielt das keiner in der Liga.

Wie würden Sie dieses System beschreiben?

Brandt: Es ist eine moderne Form von Gegenpressing. Der Trainer hat mal gesagt, es sei besser für uns, wenn der Gegner den Ball hat.

Das muss man im ersten Moment nicht verstehen, oder?

Brandt: Das stimmt. Aber es macht wirklich Sinn, weil wir durch das Gegenpressing so tief in der gegnerischen Hälfte die Bälle erkämpfen, dass wir sofort Chancen kreieren. Das ist unsere Stärke.

Sie sind erst seit Januar in Leverkusen und haben als 17-Jähriger gleich in der Bundesliga und Champions League gespielt. Können Sie diese rasante Entwicklung überhaupt fassen?

Brandt: Manchmal muss man sich wirklich die Augen reiben. Es ist ein Traum.

Es wird immer gesagt, dass der Sprung vom Jugend- zum Profi-Fußball extrem groß ist. Wie haben Sie es empfunden?

Brandt: Es ist ein großer Sprung. Es gehört aber auch ein bisschen Glück dazu. Wie bei mir. Ich habe davon profitiert, dass Sydney Sam verletzungsbedingt ausgefallen ist. Wenn du dann eingesetzt wirst, musst du natürlich da sein. Das hat bei mir geklappt.

Was macht am meisten Spaß in der Bundesliga?

Brandt: Vor so vielen Zuschauern zu spielen. Wenn einem in Dortmund 80000 Menschen zugucken, dann kriegt man kein Lampenfieber, sondern es macht einfach unendlich viel Spaß.

Wie schwer ist es da, auf dem Boden zu bleiben?

Brandt: Meine Eltern würden mir schon sehr, sehr deutlich machen, wenn ich Starallüren bekommen würde. Außerdem haben wir in Leverkusen keine Spieler mit Starallüren, da passt man sich gut an.

Wo müssen Sie sich verbessern?

Brandt: Das alte Thema Defensivarbeit steht bei mir weiter an oberster Stelle. Mich persönlich ärgert, dass ich zu wenig aus meinen Torchancen mache. Da muss ich kaltschnäuziger werden.

Es heißt, Marco Reus sei Ihr Vorbild. Wen fanden Sie in Bremen toll?

Brandt: Marco Reus ist kein Vorbild für mich, aber einer meiner Lieblingsspieler. Wir spielen auf derselben Position. Von ihm schaue ich mir natürlich was ab. Und bei Werder war selbstverständlich Diego mein Lieblingsspieler. Von ihm hatte ich, glaube ich, 480 Trikots (lacht). Als ich dann nach Wolfsburg gewechselt bin, hatte ich sogar die Ehre, mit ihm trainieren zu dürfen. Dieser Typ ist einfach der Wahnsinn.

Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Brandt: Ich habe damals tatsächlich mal mit ihm gequatscht – auf Englisch. Und ich war dann echt überrascht, wie gut ich Englisch sprechen kann (lacht). Jetzt haben wir keinen Kontakt mehr.

Sprechen Sie ab und an mit Ihrem Teamkollegen Karim Bellarabi, der auch aus Bremen stammt, über Werder?

Brandt: Natürlich. Er freut sich auch riesig auf dieses Spiel. Er war auch am Wochenende in Bremen und ist topmotiviert.

Wird er am Freitag treffen?

Brandt: Karim ist in diesem Sommer explodiert, ihm ist alles zuzutrauen.

Wie geht das Spiel aus?

Brandt: Ich hoffe, dass es ein Sieg für uns wird.

Wären Sie dann als Werder-Fan nicht auch ein bisschen traurig?

Brandt: Sagen wir es so: Wenn ich es überhaupt einer Mannschaft irgendwie gönnen könnte, gegen uns zu punkten, dann Werder.

kni

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