Jürgen Born erhält die Goldene Ehrennadel

Lemkes späte Gewissensbisse

Bremen - Bevor sich Jürgen L. Born gestern Abend in den feinen Zwirn warf, um im Rahmen einer intimen Feierstunde vor 40 auserwählten Gästen unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Goldene Ehrennadel des SV Werder Bremen überreicht zu bekommen, hatte sich der ehemalige Werder-Boss noch schnell sein Fußball-Dress übergestreift: Hallenkick am Nachmittag in der Werder-Halle an der Hemelinger Straße.

Für den 71-Jährigen immer noch die schönste Nebensache der Welt. „Ich brauche das“, schmunzelte Born: „Ich stand schon vier Wochen nach meiner Hüftoperation wieder in der Halle.“

Gestern Abend stand der Finanzexperte dann im Mittelpunkt. Wegen besonderer Verdienste um den Verein wurde Born von Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer mit der Goldenen Ehrennadel des Clubs ausgezeichnet. „Wir möchten das erfolgreiche Wirken von Jürgen Born mit dieser Geste noch einmal besonders würdigen. Seine Amtszeit zwischen 1999 und 2009 war geprägt durch kontinuierlichen sportlichen Erfolg, gekrönt vom Double 2004. Jürgen Born hat durch sein öffentliches Auftreten Sympathien für Werder Bremen gewonnen und als Finanzfachmann mit dafür gesorgt, dass stets hervorragende wirtschaftliche Ergebnisse erzielt wurden“, fasste Fischer in seiner Laudatio zusammen.

Born selbst sprach davon, „stolz auf diese Nadel“ zu sein: „Es ist eine Ehre für mich. Es ist vielleicht eine Möglichkeit, einen Schlussstrich zu ziehen unter einige Dinge, die da passiert sind, und es ist eine Gelegenheit, das alte Werder-Gefühl wieder herzustellen.“

Im Frühjahr 2009 war Born nach Vorwürfen gegen seine Person, er hätte sich auf Kosten des Clubs bereichert, tief enttäuscht zurückgetreten. Nach fast zehnjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit. Die Vorwürfe sind längst entkräftet. Geblieben ist die Erinnerung an die fehlende Rückendeckung aus Teilen des Vereins. Aufsichtsratsvorsitzender Willi Lemke beispielsweise hatte damals auf einer Pressekonferenz Born bereits vorverurteilt. Das Verhältnis zwischen Born und Lemke galt seitdem als zerrüttet.

„Die öffentliche Darstellung war rückblickend nicht optimal, was alle bedauern. Heute ist eine gute Gelegenheit, um Jürgen Born zu danken. Er hat ein Herz für Werder wie kaum ein anderer“, erklärte Lemke während der Feierstunde. Born dazu: „Ich interpretiere das als Entschuldigung.“ · flü

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