Ein Gespräch mit Mesut Özil: Wie ein Anruf beim Telekom-Service – da legt man schon mal auf

Der Leierkasten-Mann

Einsilbiger Mesut Özil: Fragen zu seiner Zukunftsplanung beantwortet der Bremer Shootingstar mit einem vierteiligen, standardisierten Antwort-Repertoire.

Werder-Bremen - DUBAI · Nein, nein, nein! Er will einfach nicht. Aus welcher Ecke die Frage auch kommt, wie man die Worte auch dreht und wendet – Mesut Özil mag nicht antworten. Vielmehr: Er antwortet schon, sagt ja was. Aber wieso immer dasselbe? Wieso immer die gleichen Phrasen? Die Penetranz, mit der er seine (garantiert auswendig gelernten) Sätze wiederholt, ist bemerkenswert. Um ehrlich zu sein: Sie nervt. Und ja, zur eigenen Schande muss eingestanden werden: Bei Mesut Özil stoßen Journalisten an ihre Grenzen.

Es ist nichts rauszukriegen aus dem Burschen, der seit knapp einem Jahr die Bundesliga verzaubert und die Gegner verrückt macht. Über seine Zukunftspläne wird seit Monaten diskutiert, weil sein Vertrag bei Werder nur noch bis zum Sommer 2011 läuft. Dann wäre er ablösefrei und bestimmt weg. Also gilt: Entweder er verlängert den Kontrakt bald, oder Werder muss ihn schon in diesem Sommer verkaufen. Das Geld, das mit ihm zu verdienen ist, können sich die Bremer nicht entgehen lassen. Özils Marktwert wird schon jetzt auf 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt.

Impressionen vom Trainingslager

Impressionen vom Trainingslager

Ob er Verständnis hat, dass Werder ihn deshalb so schnell wie möglich, ganz gewiss aber innerhalb des „nächsten Vierteljahres“ (Sportchef Klaus Allofs) an den Verhandlungstisch holen will, wird er gefragt. „Ja, ja, natürlich habe ich Verständnis“, sagt Özil, zieht sich aber sofort hinter den Schutzwall seines standardisierten, vier Varianten umfassenden Antwort-Repertoires zurück. Fortan kommt nur noch „Ich mache mir über meine Zukunft noch gar keine Gedanken“ (sechsmal). „Ich habe noch Vertrag bis 2011“ (fünfmal). „Ich konzentriere mich nur auf Werder Bremen“ (fünfmal). Und: „Ich will mit der Mannschaft Erfolg haben“ (dreimal). Und zur Einleitung heißt es immer: „Wie ich schon gesagt habe …“

Es ist, als ob man beim Telekom-Service anruft und trotz mehrmaligen Drückens der Tasten 1 bis 4 doch immer in der Schleife bleibt.

Fotostrecke von der Talk-Runde

Talk-Runde mit Werder Bremen

Da kann man schon mal entnervt auflegen. Das Nicht-Interview mit Özil endete nach 14 Minuten und 57 Sekunden. Sieben Minuten waren zum Nicht-gleich-mit-der-Tür-ins-Haus-Fallen mit ein bisschen Trallala zu Dubai („Schöne Stadt, hier war ich vor drei, vier Jahren schon mal im Urlaub“) und den Trainingsbedingungen vor Ort („Die Plätze sind nicht gut, aber auch nicht schlecht“) draufgegangen. Der Rest der Zeit füllte Leierkasten-Mann Özil mit seiner eintönigen Melodie.

Nur einmal wurde das Bollwerk der Worthülsen durchbrochen. Ob er denn wirklich glaube, dass ihm, dem nach Franck Ribery derzeit begehrtesten Bundesliga-Profi, das „Ich-mache-mir-keine-Gedanken-Märchen“ tatsächlich abgenommen wird. Und wie lange er es denn noch erzählen wolle. Özil stutzte verunsichert. „Keine Ahnung“, sagte er dann. Dabei wirkte er für einen kurzen Moment sehr authentisch.

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