Lehmann gegen Wiese: Vom Spielfeld in den Gerichtssaal

Große Fußballer, empfindsame Seelen: Nach einem Spiel von Werder Bremen gegen Tottenham Hotspurs kam es zum Schlagabtausch zwischen den Torhütern Tim Wiese (links) und Jens Lehmann. Jetzt endete er vor Gericht. Foto: dapd

München - Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann verklagte Bremens Tormann Tim Wiese auf 20 000 Euro Schmerzensgeld - weil der ihn in der geschlossenen Anstalt sehen wollte. Eine Posse über „empfindsame" Fußballer.

Eine alte Fußballer-Weisheit besagt, dass Torhüter und Linksaußen ein bisschen anders sind als ihre Mannschaftskollegen. Voriges Jahr gerieten dann ausgerechnet zwei Tormänner am Rande des Spielfelds aneinander: Jens Lehmann und Tim Wiese. Der eine attestierte dem anderen mangelnden Mut, der andere wollte ihn dafür in die Psychiatrie einweisen lassen. Dadurch wiederum sah sich der ehemalige Nationaltorhüter Jens Lehmann (41) derart von Tim Wiese (29), Torwart von Werder Bremen, beleidigt, dass er ihn auf 20 000 Euro Schmerzensgeld verklagte. Gestern rangen die Anwälte der Fußballer vor dem Landgericht München II um die Worte, die Lehmann so sehr verletzt haben - wie merkur-online.de berichtet.

Entzündet hatte sich der Streit an einem Spiel von Werder Bremen gegen Tottenham Hotspurs am 14. September vorigen Jahres. Jens Lehmann war damals Experte für den Fernsehsender Sky und kommentierte eine Spielsituation, in der Tim Wiese ein Tor kassiert hatte: „Wenn er einen Schritt rausgeht, kann er den Ball abfangen. Er hätte sich nicht an den Pfosten klammern, sondern mutiger spielen sollen. Er kann es auf jeden Fall besser machen.“ Als Wiese hinterher von Reportern damit konfrontiert wurde, sagte er: „Der Lehmann soll in die Muppet-Show gehen. Der Mann gehört auf die Couch. Vielleicht wird ihm da geholfen. Einweisen - am besten in die Geschlossene!“

In diesen Worten sah der ehemalige Torwart der Nation, der in Berg (Kreis Starnberg) wohnt, eine „schwerwiegende Verletzung seines Persönlichkeitsrechts“, die auf eine rein sachliche Kritik am Spiel des Tim Wiese erfolgt sei. So schwerwiegend, dass er rechtliche Schritte einleitete.

Der Vorsitzende Richter Hans-Peter Loose konnte der Ansicht von Jens Lehmann in der gestrigen Verhandlung allerdings nicht so recht folgen. Es sei „nicht ganz richtig“, dass alles mit einer rein sachlichen Kritik begonnen habe. „Wenn man eine Empfindlichkeit hat - und beide sind empfindsam - kann man das auch anders sehen.“ Lehmanns Aussagen, Wiese hätte sich nicht an den Pfosten „klammern“, sondern „mutiger“ spielen sollen, könne man auch folgendermaßen interpretieren: „Wäre Wiese nicht so ein Angsthase, hätte er den Ball abfangen können.“ Wenn jemand empfindsam sei, könne ihm bei diesen Worten der Kragen platzen.

Auch über die „Signalwirkung“ des Prozesses wurde heftig diskutiert. Lehmanns Anwalt, Dominik Höch, hatte an das Gericht geschrieben, dass es „ein fatales Signal“ wäre, wenn man ein Urteil zu Lasten des Ex-Nationaltorhüters sprechen würde. „Es würde Tür und Tor geöffnet für Beleidigungen auf dem Spielfeld.“ Fußballer seien Vorbild für Tausende von Jugendlichen. Der Vorsitzende Richter erkannte ebenso eine „Signalwirkung“ des Verfahrens - aber eine andere. Der Prozess könne eine „positive Signalwirkung“ haben, wenn beide dazu beitragen würden, „den Streit in sachgerechter, beide Seiten befriedigender Weise“ beizulegen. Auch das wäre ein Vorbild für Jugendliche. Doch anstatt den Streit beizulegen, gifteten sich die Anwälte noch mal an. Keiner wollte als Verlierer vom Platz gehen.

Am Ende zeigten sie sich aber doch noch offen für einen Vergleich, den ihnen das Gericht vorschlug. Demnach gibt Wiese eine Erklärung ab, in der er die Äußerungen bedauert, „soweit sich der Kläger in seiner Ehre verletzt fühlt“. Außerdem zahlt er Lehmann seine vorgerichtlichen Anwaltskosten in Höhe von 1085 Euro. Die Gerichtskosten werden geteilt. Die Anwälte reden nun mit den Tormännern und teilen dem Gericht ihre Entscheidung bis 28. Juli mit.

Nina Gut

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