Lebensgefährlich verletzter Fan im künstlichen Koma

Werder-Bremen - BREMEN (flü/dpa) · Der 44-jährige HSV-Fan, der am Samstag nach dem Nordderby im Gästeblock des Weserstadions schwer verletzt worden war, schwebt weiterhin in Lebensgefahr. „Er wurde ins künstliche Koma versetzt. Der Zustand ist immer noch kritisch. Es gibt keine Entwarnung“, sagte ein Polizeisprecher gestern gegenüber dieser Zeitung.

Der Mann aus Neumünster gehört zu den insgesamt 24 Personen, die während eines Gedränges die Treppe an der neuerbauten Westtribüne hinuntergestürzt waren und verletzt wurden. Er musste noch an Ort und Stelle reanimiert werden.

Unterdessen sind in Internet-Foren Videos und Bilder von den Stürzen zu sehen, der Zwischenfall hat eine Debatte über das Konzept der Sicherheitskräfte ausgelöst. Mehrere HSV-Fans schildern in Foren ihre Eindrücke. Der Polizei wird dabei unter anderem vorgeworfen, sie habe die auf 20 Minuten angesetzte Blocksperre zu spät aufgehoben. Dadurch sei es zu dem folgenschweren Gedränge gekommen.

„Wir werten das komplette Video-Material aus“, sagte der Polizeisprecher. Er warnte aber davor, Bildsequenzen isoliert zu betrachten. Rettungsaktionen der Polizei könnten so auch als Behinderungen aufgefasst werden.

Polizeipräsident Holger Münch hatte bereits am Sonntag eine sorgfältige Aufarbeitung des Einsatzes angekündigt. Möglicherweise müsse auch das Konzept geändert werden.

Der Gäste-Block befindet sich im Oberrang des Stadions. Um ins Freie zu gelangen, müssen die Zuschauer mehrere Treppen herabsteigen. „Sachverständige müssen prüfen, ob beispielsweise die Verlegung des Gäste-Blocks in den Unterrang zu mehr Sicherheit führt. Wenn dies der Fall ist, dürfen sich die Verantwortlichen solch einer Lösung nicht verschließen“, erklärte Wilhelm Hinners, innenpolitischer Sprecher der Bremer CDU-Bürgerschaftsfraktion. Gleichzeitig warnte Hinners vor Vorverurteilungen: „Wenn Panik ausbricht, kommen meist mehrere Ursachen zusammen.“

Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry wies darauf hin, dass die neue Tribüne von allen relevanten Behördenvertretern am 10. August geprüft und abgenommen worden sei. Auch direkt vor dem Spiel habe es noch eine Sicherheitsbegehung mit Polizei, Feuerwehr und DRK gegeben.

Um unabhängig von den laufenden Ermittlungen der Polizei so schnell wie möglich weitere Erkenntnisse über die Vorkommnisse zu gewinnen, wurde ein externer Gutachter mit einer Untersuchung der Ereignisse im Weserstadion beauftragt. In dem renommierten Panikforscher Prof. Dr. Michael Schreckenberger von der Universität Duisburg-Essen wurde ein Experte gewonnen, der noch in dieser Woche seine Arbeit aufnehmen wird.

Der Gutachter soll zum einen das Besucherverhalten sowie die Kommunikationsstrukturen und –abläufe im Stadion analysieren, die zu dem Unglück geführt haben. Der Auftrag umfasst auch eine Untersuchung der logistischen Bedingungen und der baulichen Gegebenheiten. „Wir wissen, dass es ein zwischen allen Seiten abgestimmtes Konzept gegeben hat und dass die baulichen Gegebenheiten behördlicherseits abgenommen und freigegeben waren. Dennoch sind wir uns alle einig, dass es bei der Untersuchung keine Tabus geben darf“, betonte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).

Der Hamburger SV reagierte bestürzt auf die Ereignisse und sagte seine Mitarbeit zu. „Selbstverständlich werden wir diese Vorkommnisse mit den Verantwortlichen bei Werder und der Polizei aufarbeiten, auf dass sich ähnliche Vorkommnisse nicht wiederholen und alle Beteiligten die richtigen Schlüsse daraus ziehen“, teilte der Verein mit.

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