Mikael Silvestre lobt Frankreichs Coach Blanc / Frust bei Werder – es riecht stark nach Abschied

„Laurent ist ein Gentleman“

Sein Stammplatz bei Werder: Mikael Silvestre sitzt seit Wochen nur auf der Ersatzbank und sagt: „Natürlich ist das frustrierend und langweilig.“ ·

Bremen - Von Malte Rehnert. Diese Gelegenheiten lässt er sich natürlich nicht entgehen. Gestern besuchte Mikael Silvestre seine Landsleute im Hotel – und heute Abend (20.45 Uhr/ZDF live) wird er ganz genau hinschauen, wie sich die französische Nationalmannschaft in Bremen gegen Deutschland schlägt.

Im Interview spricht der 34-jährige Verteidiger aber nicht nur über die Equipe tricolore und deren Coach Laurent Blanc, sondern auch über seine ungewisse Zukunft bei Werder – und sein Rum-Geschäft.

Mit wem gehen Sie heute ins Weserstadion?

Mikael Silvestre:Alleine. Das Spiel ist abends, es ist kalt, da bleibt die Familie zu Hause.

Freuen Sie sich darauf, Ihre Nationalmannschaft mal wieder live zu erleben?

Silvestre:Oh, ja. Es ist interessant zu sehen, wie sie in Form ist. Vor allem gegen die Deutschen, die Favorit in diesem Spiel sind – und auch bei der Europameisterschaft.

Wie stark ist Frankreich?

Silvestre:Sie sind auf dem Weg nach oben, haben wieder Selbstvertrauen aufgebaut. Deshalb ist es ein guter Moment, jetzt so einen Test zu haben. Vor allem auswärts, denn da muss sich Frankreich noch deutlich verbessern.

Wer ist derzeit der beste Franzose?

Silvestre: Karim Benzema spielt eine sehr gute Saison, fehlt aber ja leider verletzt gegen Deutschland. Samir Nasri ist ebenfalls richtig gut drauf – ihm gehört die Zukunft. Und Franck Ribery kennt in Deutschland doch sowieso jeder.

Was trauen Sie den Franzosen bei der EM zu?

Silvestre:Es wäre vermessen, den Titel zu erwarten. Ich denke, sie werden die Gruppe überstehen – und dann ist das Halbfinale möglich. Frankreich wird auf jeden Fall besser sein als beim letzten großen Turnier . . .

Der Auftritt bei der WM 2010 in Südafrika mit dem Scheitern in der Vorrunde, dem Eklat um Stürmer Nicola Anelka und dem anschließenden Trainingsboykott der Spieler war an Peinlichkeit nicht zu überbieten.

Silvestre:Da ist einfach alles aus dem Ruder gelaufen. Die Spieler hatten keinen Bezug mehr zur Realität, das war das große Problem. Aber alle, die beteiligt waren, haben ihre Fehler eingesehen und sich entschuldigt. Beispielsweise Patrice Evra und Eric Abidal, die jetzt wieder dabei sind. Das zeigt, dass die Sache abgehakt ist und alle nur noch in die Zukunft schauen.

Training am Dienstag

Werder trainiert am Dienstag in schmaler Besetzung

Für den höchst umstrittenen Coach Raymond Domenech kam damals Laurent Blanc, mit dem Sie bei Inter Mailand und Manchester United zusammenspielten. Was ist er für ein Typ?

Silvestre:Laurent ist ein absoluter Gentleman.

Wie meinen Sie das?

Silvestre:Er war früher auf dem Platz kein aggressiver Typ, der ständig Gelbe oder Rote Karten bekommen hat. Er flucht nicht, schreit nicht rum. Laurent ist ein korrekter und vornehmer Mann – das war er als Spieler, das ist er als Trainer.

Ist er der perfekte Coach für Frankreich?

Silvestre:Das wird die Zeit zeigen. Aber ich denke, nach dem vorherigen Trainer war er die perfekte Wahl. Laurent hat das Geschick und die richtige Einstellung, um es weiterhin sehr gut zu machen.

Wie sehen Sie die französische Zukunft?

Silvestre:Erst mal ist es gut, dass Spieler und Fans wieder näher zusammengerückt sind. Es gab Kritik in Frankreich, dass die Mannschaft zu sehr von oben herab geguckt hat, zu überheblich war – das geht nicht, wenn man sein Land repräsentiert. Jetzt sind Fortschritte zu erkennen. Und es wird weitere geben. Blanc sagt, sein Ziel ist es, bei der EM 2016 in Frankreich bereit zu sein. Aber ich denke, sie werden schon bei der WM 2014 in Brasilien gut spielen.

Ihre eigene Karriere bei Les Bleus begann am 27. Februar 2001 mit einem Spiel gegen Deutschland. Wie sind die Erinnerungen?

Silvestre:Es war ein kalter Abend in Paris, im Stade de France. Ich kam rein für die letzten 15, 20 Minuten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, das volle Stadion mit 80 000 Zuschauern. Es war zwar nur ein Testspiel, aber ein großes – und wir haben 1:0 gewonnen.

Danach kamen 39 weitere Länderspiele, das letzte bei der WM 2006 in Deutschland gegen Togo. Warum war’s danach vorbei?

Silvestre:Domenech hat mir keine Chancen gegeben. Und das war’s. Natürlich ist das schade, aber insgesamt war es eine tolle Zeit, die ich sehr genossen habe.

Bei Werder haben Sie ebenfalls keine guten Karten: Obwohl in Naldo und Sebastian Prödl zwei Innenverteidiger verletzt sind, kamen Sie in der Rückrunde nur in Kaiserslautern zum Einsatz.

Silvestre:Es ist sehr frustrierend und natürlich langweilig auf der Bank. Wir spielen aber eben auch nur ein Mal pro Woche, deshalb muss man nicht rotieren. Und ein Innenverteidiger wird nicht so oft eingewechselt wie ein Mittelfeldspieler oder Stürmer. Bleibt es so, wird es eine lange Zeit bis zum Saisonende. Wenn man nicht spielt, ist man nicht glücklich.

Ihr Vertrag läuft aus. Ist überhaupt eine Zukunft in Bremen möglich?

Silvestre:Ich weiß es nicht. Wenn wir in der kommenden Saison wieder international dabei sein würden, gäbe es für mich mehr Möglichkeiten. Aber wenn ich weiterhin nicht spiele, wird es schwierig. Denn ich bin nicht Fußballer geworden, um fürs Nichtstun bezahlt zu werden. Ich will nicht nur herumsitzen und das Geld einstecken. Jedes Mal, wenn ich den Verein gewechselt habe, lag es daran, dass ich nicht mehr viel gespielt habe. Deshalb habe ich Inter Mailand verlassen, deshalb habe ich Sir Alex Ferguson in Manchester gebeten, mich gehen zu lassen. So war es dann auch bei Arsenal, weshalb wir den Vertrag nicht verlängert haben.

Gab es schon ein Gespräch mit Werder-Sportchef Klaus Allofs?

Silvestre:Nein, bisher nicht. Aber ich spüre auch keinen Druck. Ich weiß, dass er in Sachen Vertragsgespräche einiges zu tun hat. Da sind jüngere Spieler, um die er sich zuerst kümmert. Da genieße ich keine Priorität – und das verstehe ich, das ist doch ganz normal.

Wann wird Klarheit herrschen?

Silvestre:Ich denke, im April werden wir darüber sprechen und eine Entscheidung fällen.

Gibt es Angebote anderer Clubs?

Silvestre:Nein – und ich schaue mich auch noch nicht um.

Sie werden im August 35 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch weiterspielen?

Silvestre:Mindestens zwei Jahre, denn ich fühle mich gut. Einige meiner ehemaligen Teamkollegen spielen auch noch – zum Beispiel Ryan Giggs bei Manchester, der ist 38. Oder Phil Neville bei Everton. Der hat mir auch geraten: ,Spiel, solange du kannst‘ (lacht).

Für die Zeit nach der Karriere haben Sie bereits vorgesorgt, sind vor einiger Zeit ins Rum-Geschäft eingestiegen. Wie läuft’s?

Silvestre:Ganz gut. Es ging in Frankreich los, jetzt gehen wir nach Amerika und Schweden. In den Markt zu kommen, ist nicht einfach. Aber es ist ein hochwertiges Produkt, das sich durchsetzen wird – ganz sicher.

Kann man Ihre Marke „Rhum St. Barth“ auch in Bremen kaufen?

Silvestre:Nein, bisher nicht. Aber im Parkhotel kann man ihn trinken.

Abgeordnete dürfen deutsche Soldaten in Konya besuchen

Abgeordnete dürfen deutsche Soldaten in Konya besuchen

Merkel, Trump und Co. beim G7-Gipfel auf Sizilien: Die Bilder

Merkel, Trump und Co. beim G7-Gipfel auf Sizilien: Die Bilder

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Edel, sexy, elegant: So präsentierten sich die Stars bei der amfAR-Gala 

Edel, sexy, elegant: So präsentierten sich die Stars bei der amfAR-Gala 

Meistgelesene Artikel

Furioses Finale ohne Freudentaumel

Furioses Finale ohne Freudentaumel

Wiedwald: „Können stolz auf die Rückrunde sein“

Wiedwald: „Können stolz auf die Rückrunde sein“

Volkmer, der Vollstrecker! Werder II bleibt in Liga drei

Volkmer, der Vollstrecker! Werder II bleibt in Liga drei

Bruns nicht mehr Co-Trainer

Bruns nicht mehr Co-Trainer

Kommentare