Schaaf in der Kritik – aber mit seiner Entlassung muss der Trainer nicht rechnen

„Lasst mir noch Luft“

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Mit stechendem Blick verfolgt Thomas Schaaf das Geschehen auf dem Platz. Nach der Niederlage gegen Augsburg wird die Situation bei Werder langsam prekär. ·

Bremen - Von Carsten Sander. Als Thomas Schaaf gestern Mittag nach dem Training nochmal aus der Kabine kam, erwarteten ihn Kameras und Aufnahmegeräte. Die Medienschar drängte, und Schaaf scherzte: „Lasst mir noch ein bisschen Luft.“

Es lag ein ungewollter Tiefsinn in diesem Satz. Denn nach dem 0:1 (0:1) gegen den FC Augsburg, der dritten Bremer Niederlage in Folge, hat der Abstiegskampf begonnen. Die Lage wird für Werder immer ernster. Und die Luft für Schaaf immer dünner.

Die Stimmung in der Öffentlichkeit kippt gegen den Trainer. Wenngleich der trotzig behauptete, gegen Augsburg „auch viel Unterstützung und Aufmunterung“ im Stadion wahrgenommen zu haben. Aber das war vor dem Spiel oder exakter: bis zur 29. Minute. Dann ging Augsburg nach einem der in dieser Rückrunde unzähligen Bremer Abwehrfehler durch Tobias Werner in Führung. Und ab diesem Zeitpunkt verwandelte sich Anfeuerung in Unmut. Bis hin zu einem gellenden Pfeifkonzert. „Wir konnten auch keinen Applaus erwarten“, quittierte Schaaf die Botschaft des Publikums.

Immerhin hatte sich keine breite Protestfront zusammengefunden, die seinen Rauswurf forderte. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Fan-Gemeinde im Stadion von der im Internet. In der anonymen, gesichtslosen Welt warten die Schaaf-Kritiker förmlich auf dessen Entlassung. Doch in der Werder-Welt gibt es keine Tendenzen in diese Richtung. Der Trainer sei momentan „nicht der Diskussionspunkt“, erklärte Sportchef Thomas Eichin.

So konnte sich Schaaf recht entspannt über seinen persönlichen Anteil an der Bremer Krise äußern. Kritik an seiner Arbeit? Rauswurf-Forderungen? „Jeder darf seine Meinung äußern. Jeder muss aber auch wissen, was er sagt – und dafür geradestehen“, erklärte der 51-Jährige.

Dass er selbst bei Werder für die sportliche Abwärtsentwicklung der vergangenen zweieinhalb Jahre geradestehen muss und verantwortlich gemacht wird, ist derzeit trotz der Krisenstimmung im Umfeld eher unwahrscheinlich. Schaaf ist nach dem Abgang von Klaus Allofs der alleinige Fixpunkt im Bremer System. Seine Verbündeten sind die mächtigen Willi Lemke (Aufsichtsratschef) und Klaus-Dieter Fischer (Geschäftsführer, Vereinspräsident). Weil Schaaf den Werder-Karren 1999 aus dem Abstiegssumpf gezogen und den Club zwischenzeitlich zum Champions-League-Dauergast gemacht hatte, ist sein Bonus in der obersten Werder-Etage sehr groß. Ewiger Dank ist ihm sicher. Schaaf hat damals schließlich auch Lemke und Fischer vor deren vermutlichem Aus als Werder- Funktionäre gerettet.

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Die neue Generation an Führungskräften ist zu frisch bei Werder, um an Schaaf zu rütteln. Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung sowie Marketing- und Finanz-Experte, verweist in sportlichen Angelegenheiten auf den frisch installierten Eichin. Der wiederum spricht Schaaf das hundertprozentige Vertrauen aus, nimmt lieber die Mannschaft in die Pflicht: „Der Trainer macht, was er kann. Die Spieler müssen aber auch umsetzen, was er verlangt.“

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Machen sie aber nicht, das geben die Profis sogar zu. „Wir sind verantwortlich, der Trainer arbeitet gut mit uns. Wir alle vertrauen ihm“, erklärte der Grieche Sokratis. Schaaf empfindet es als „frustrierend“, dass er immer an den gleichen Stellschrauben dreht, sich aber nichts bewegt. Auch im Spiel gegen Augsburg nicht. Dabei hatten die Spieler vorher viele große Worte gefunden für die Partie, die zur Wiedergutmachung für die 1:6-Blamage bei Bayern München werden sollte. Das Gegenteil trat ein. Kapitän Aaron Hunt: „Es war eine unserer schlechtesten Leistungen. Wir sind alle

geknickt.“

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Und nun steckt Werder in der Angstregion. Schaaf schockt der Abstiegskampf allerdings nicht: „Auf Deutsch gesagt, ist mir das im Moment scheißegal. Für mich ist wichtiger, wie ich mit der Mannschaft die Probleme angehe.“ Erste Maßnahme: Schaaf hat den freien Montag gestrichen. Heute wird trainiert. · csa

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