3:3 – Werder beginnt stark, gibt aber 2:0 und 3:2 gegen Nürnberg aus der Hand / Elia mit Doppelpack

Zu kurzes Verwöhnprogramm

Bremen - Es war alles angerichtet für einen eindrucksvollen Sieg: Die Tor-Explosion von Eljero Elia, die überzeugende erste Halbzeit, die 2:0- Führung. Doch Werder hielt das Verwöhnprogramm für seine Fans nicht durch, musste sich gestern nach einer abwechslungsreichen Partie mit einem 3:3 (2:1) gegen den 1. FC Nürnberg begnügen und kletterte nur einen Rang hinauf auf Platz acht.

„Ich bin schon enttäuscht. Wir hatten die große Möglichkeit, in der Tabelle einen schönen Sprung auf Platz fünf zu machen, haben ja auch richtig gut gespielt“, meinte Sportchef Thomas Eichin nach dem ersten Unentschieden der Saison: „Aber dann haben wir uns wohl ein bisschen zu sicher gefühlt – und das ist gefährlich in der Bundesliga. Hätten wir bis zum Ende konsequent gespielt, wären wir als Sieger vom Platz gegangen.“

So aber machten sich die Hausherren kaputt, was sie sich zuvor erarbeitet und erspielt hatten. Anders als im vorherigen Heimauftritt gegen Frankfurt (0:3) war Werder gestern gleich hellwach und gab ordentlich Gas – allen voran Santiago Garcia. Der Linksvertediger, der schon bei seinem Bundesliga-Debüt in Hamburg positiv aufgefallen war, wirkte wie aufgezogen. Nach sechs Minuten hatte der 25-Jährige seine erste starke Aktion, doch „Club“-Keeper Raphael Schäfer entschärfte die Hereingabe des Argentiniers im Nachfassen. Nur eine Minute später nahm Garcia den nächsten Anlauf – diesmal erfolgreicher. Wieder passte er flach in die Mitte, wo Nürnbergs Berkan Dabanli den Ball ins eigene Tor abfälschte. 1:0 für Werder. Ein Traumstart, der Sicherheit gab und beflügelte. Die Bremer blieben am Drücker, hatten einige gefährliche Szenen. Meistens beteiligt: Santiago Garcia. Etwa in Minute 25, als er Aaron Hunt bediente, der an Schäfer scheiterte.

Wenig später riss einer die 40 048 Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Weserstadion von den Sitzen, dem viele das gar nicht mehr zugetraut hatten. Nach einem Querpass von Hunt nahm Eljero Elia aus 18 Metern Maß und traf mit der Innenseite halbhoch ins rechte Eck. Ein historisches Tor des Niederländers (siehe Text unten) und die Belohnung für einen griffigen, souveränen Auftritt der gesamten Mannschaft. „Puh, das war richtig gut“, staunte Trainer Robin Dutt, „es wäre zu schön gewesen, wenn wir das über 90 Minuten geschafft hätten.“

Werder schaffte es nur bis kurz vor der Pause. Plötzlich stand Hiroshi Kiyotake im Bremer Strafraum völlig frei und brachte die Gäste, die bis dahin in der Offensive schlichtweg nicht stattgefunden hatten, mit einem Schuss unter die Latte wieder heran (44.). „Nach dem 2:0 haben wir uns ein bisschen einschläfern lassen“, beklagte Eichin.

Das Problem: Auch nach dem Seitenwechsel war Werder noch nicht wieder wach und kassierte den schnellen Ausgleich. Nürnbergs Mittelstürmer Tomas Pekhart kam mal über rechts, flankte rein, und der gerade eingewechselte Josip Drmic vollendete gekonnt am langen Pfosten (53.). Futsch war der Bremer Vorsprung – aber nicht lange. Nach einem missglückten Nürnberger Befreiungschlag hielt Elia aus 25 Metern einfach mal drauf, der Ball flog zum 3:2 ins linke untere Eck (66.). Der K.o.-Schlag für den „Club“? Keineswegs! Die Gäste hatten ziemlich schnell eine Antwort parat. Nach vorzüglichem Kiyotake-Pass besorgte Adam Hlousek das 3:3 (70.) für nun deutlich verbesserte und mutigere Gäste.

„Drei Gegentore sind einfach zu viel“, stöhnte Werder-Kapitän Clemens Fritz. Beinahe hätte es aber sogar noch ein viertes gegeben, denn Nürnberg war nun näher dran am 4:3. Erst parierte Werder-Keeper Sebastian Mielitz glänzend einen Kopfball von Pekhart (78.), bei der letzten Großchance des Spiels hatte er dann Glück, als Drmics Volleyschuss die Latte rasierte (79.).

Dutt sprach hinterher von „einem Punktverlust, der weh tut“. Allzu sehr grämen mochte sich der Werder-Trainer allerdings auch nicht, denn: „Ich bin sehr stolz darauf, wie sich die Mannschaft insgesamt entwickelt, habe einen enormen Fortschritt gesehen. Und ich denke, Platz acht ist nicht so schlecht.“ · mr

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