Auch der DFB setzt auf Werders Fitnesscoach / WM „eine tolle Erfahrung“

Für Kugel läuft’s richtig rund

Yann-Benjamin Kugel macht im Training eine Übung vor: Und Aaron Hunt (rechts), mit dem der Fitnesscoach viel individuell arbeitete, schaut genau zu.

Bremen - Von Malte Rehnert· Die Medaille schlummert wohl noch in einem Karton. „Sie ist natürlich ‘was Besonderes und hing auch schon, aber wir ziehen gerade um. Ich werde bald einen neuen Ehrenplatz suchen“, kündigt Yann-Benjamin Kugel an.

Werders 30-jähriger Fitnesscoach war mit der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika – und der Erste, der nach der mit Platz drei beendeten Weltmeisterschaft nach Bremen zurückkehrte.

Die Profis Mesut Özil, Marko Marin, Per Mertesacker und Tim Wiese haben noch WM-Urlaub. Kugel hingegen brauchte keine langen Ferien, war schon kurz nach der Landung des DFB-Trosses in Frankfurt wieder dabei: „Ich hatte drei angenehme Tage in Bremen. Da habe ich meinen Akku aufgeladen.“ Und die vielen Eindrücke seines ersten großen DFB-Einsatzes verarbeitet. „Südafrika war anstrengend, aber eine tolle Erfahrung. Ich habe von dort sehr viel mitgenommen“, meint Kugel.

Der Aufstieg in den DFB-Trainerstab war für den gebürtigen Troisdorfer (nahe Köln) „überraschend. Ein paar Wochen vor Beginn der WM-Vorbereitung bekam ich einen Anruf. Das war sehr kurzfristig.“ Shad Forsythe hatte den Kontakt gesucht. Den Fitnesscoach vom US-Trainingsanbieter „Athletes Performance“ („AP“ – siehe Hintergrund rechts) kannte Kugel von zwei Besuchen in Phoenix, wo er das „AP“-Modell schätzen gelernt hatte: „Wir haben die gleichen Ansichten. Athletes Performance ist für mich das beste Konzept, das es gibt.“

Während der WM erlebte Kugel „eine sehr positive Arbeitsatmosphäre, eine super Stimmung“. Dass er aus Bremen schon einige Nationalspieler kannte, „hat sicher geholfen. Aber ich habe mich nicht nur an diese Spieler gehalten, als Trainer ist man natürlich für alle da. Ich bin vom ganzen Team positiv aufgenommen worden, war schnell integriert“, erinnert sich Kugel, der sich eine Fortsetzung des Engagements beim DFB wünscht: „Ob ich weitermache, steht noch nicht fest. Aber ich würde gerne – und denke, dass es praktikabel ist.“

Dass er im Profisport landete, liegt sicher auch am Fitness-Boom im Fußball, den der ehemalige DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann einleitete. Während und nach seinem Studium an der Sporthochschule Köln arbeitete Kugel als Personaltrainer, ab 2007 in Spanien. 2008 fing er dann bei Werder an – und wurde zunächst ein wenig belächelt. Mittlerweile ist er angesehen, seine Herangehensweise akzeptiert. Als „Paradebeispiel“ führt er Aaron Hunt an, der endlich eine komplette Saison durchspielte: „Auch, weil wir viel individuell gearbeitet haben.“ Solche speziellen Methoden und die Bedeutung des Fitnessbereichs im Allgemeinen werden laut Kugel „noch zunehmen, die Entwicklung geht weiter. In anderen Sportarten, zum Beispiel American Football, wird das noch intensiver gemacht.“

Der zweifache Familienvater bekommt die Spieler aber nicht nur fit, er kann ihnen auch in anderen Bereichen helfen. Im Trainingslager in Donaueschingen dolmetschte er zum Beispiel im Interview für Naldo. Portugiesisch hatte er bei einem Aufenthalt in Brasilien 1999 gelernt. Im Rahmen des Studiums ging er später auch noch nach Costa Rica, ehe er bei Werder landete.

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