Wandel an der Weser

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Eine absolute Seltenheit in der Ostkurve: Fans forderten am Samstag den Rauswurf von Trainer Thomas Schaaf.

BREMEN - von Björn Knips. In schlechten Zeiten schaut Werder auf die guten Zeiten: Gestern Mittag wies der Club via Internet auf den 20. Geburtstag seines Europapokalsiegs hin. Das hatte schon etwas von Galgenhumor, denn nach der 2:3-Heimpleite zum Saisonabschluss gegen Schalke steht endgültig fest: Der SV Werder bleibt als Tabellenneunter erstmals seit Mitte der 90er Jahre ein zweites Mal in Folge ohne internationales Geschäft. Ein Desaster!

Und dabei wächst nach der schlechtesten Rückrunde der Vereinsgeschichte, nur 13 Punkte in 17 Spielen, die Kritik an Trainer Thomas Schaaf.

„Schaaf raus“ war auf einem Spruchband in der Ostkurve zu lesen. Für Bremer Verhältnisse fast schon eine Sensation. Für Clubchef Klaus Allofs dagegen nichts Besonderes: „Ich glaube, wenn wir im Stadion an jeden Plakate verteilt hätten, hätte ich viel häufiger 'Schaaf, bitte bleib!' gelesen.“ Allofs gab seinem Coach zwar weiter Rückendeckung, übte allerdings auf Nachfrage auch (Selbst-)Kritik: „Wir haben es nicht hinbekommen, dass es miteinander funktioniert, obwohl das Potenzial dafür vorhanden ist.“ Nicht nur gegen Schalke habe ihm die nötige Begeisterung und Leidenschaft der Spieler auf dem Platz gefehlt. Die morgendliche Ansprache des Trainers und von ihm („Wir haben gesagt, dass der Rasen brennen muss“) sei verpufft. Warum? „Da müssen Sie die Spieler fragen“, antwortete Allofs. Die Profis sind also alleine Schuld an der Misere. Dabei ist es die ureigenste Aufgabe eines Trainers, die Mannschaft zu motivieren.

Werder Bremen gegen Schalke

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Probleme gab es auch im taktischen Bereich. Seit Wochen lässt Schaaf ständig zwei Spieler zum Eckball antreten, obwohl sein Team bei Standards extrem konteranfällig ist. Vom Publikum gab‘s für diese Maßnahme am Samstag schon Pfiffe – und später dann Beifall, als Marko Arnautovic in der Schlussphase alleine an der Fahne zur Tat Schritt. „Am besten schießen wir den Ball bei einer Ecke gleich ins Aus“, zischte Aaron Hunt bei diesem heiklen Thema.

Fans nehmen Abschied von Werder-Profis

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Auch Naldo war stinksauer, schwieg aber. Der Brasilianer hatte nicht in der Startelf gestanden, dabei ist er ein Leistungsträger. Schaaf begründete die Maßnahme mit Naldos Rückenproblemen und einer dreitägigen Trainingspause zu Wochenbeginn. Von einem Fingerzeig, dass Werder Naldo im Sommer loswerden wolle, könne keine Rede sein, versicherte Allofs.

Noch überraschender war Schaafs Entscheidung, Tim Borowski in die Startelf zu beordern. Nach achtmonatiger Verletzungspause! Das sah aus wie ein Abschiedsgeschenk für einen verdienten Spieler und passte so gar nicht zur Forderung an die Mannschaft, für die Mini-Chance auf Europa noch einmal das Beste zu geben.

Werder gegen Schalke - Die Einzelkritik

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Ohne Einnahmen aus der Europa League muss nun noch mehr gespart werden. Doch Allofs hat offenbar einen Trumpf im Ärmel: „Wir werden die Mannschaft im Rahmen unserer Möglichkeiten verstärken. Wenn wir dann aber sehen, dass die Mannschaft nicht stark genug ist, müssen wir schauen, an welche Mittel wir noch rankommen.“ Der Verkauf des Stadionnamens würde dabei ebenso diskutiert wie der Verkauf von Clubanteilen an einen strategischen Partner. In schlechten Zeiten geht es vielleicht nicht anders. n kni

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