Vater Hansi spielte einst beim FC St. Pauli, Sohn Philipp aktuell bei Werder – morgen gibt’s das Duell

„Konflikt“ im Hause Bargfrede

Die Vergangenheit: Hans-Jürgen Bargfrede im Trikot des FC St. Pauli.

Werder-Bremen - Von Carsten Sander und Matthias Freese. Der Verkaufsschlager der Zukunft steht gleich im Eingang. Wer das Sportgeschäft Bargfrede in Zeven betritt, wird von einem im grell-orangefarbenen Werder-Look gekleideten Dummy begrüßt. Auf dem Rücken natürlich die Nummer 44 und der Schriftzug Bargfrede.

Das Trikot ist mittlerweile so etwas wie das neue sportliche Aushängeschild der Familie, denn Philipp, der mittlere von drei Söhnen, ist mit nur 20 Jahren zum aktuellen Stammspieler bei Werder Bremen aufgestiegen.

Was für Bargfrede junior ein Traum ist, stürzt Bargfrede senior in diesen Tagen in einen kleinen Konflikt. Denn wenn Werder morgen in der zweiten Runde des DFB-Pokals den Zweitligisten FC St. Pauli empfängt (19.00 Uhr/Sky live), dann müsste Papa Hans-Jürgen, genannt „Hansi“, eigentlich beiden Teams die Daumen drücken. Von 1978 bis 1984 spielte er als Amateur bei Werder, hatte seine beste Zeit aber als Profi beim FC St. Pauli. 96 Spiele und 14 Tore in Liga zwei sowie 15 Einsätze (1 Tor) in Liga eins absolvierte er zwischen 1984 und 1990 für den Kiez-Club. Ist deshalb morgen etwa der Familienfrieden in Gefahr? „Nein“, lacht Hans-Jürgen Bargfrede, „ich halte natürlich zu Werder, muss ich ja wohl.“

Die Gegenwart: Philipp Bargfrede in Trikot von Werder Bremen.

Stimmt, muss er. Schließlich geht’s um seinen Sohn. Dem ist in Bremen gelungen, was sein Vater nicht geschafft hat. Philipp hat sich in die erste Reihe gespielt. In den vergangenen vier Partien stand der Mittelfeldspieler jeweils in der Startelf und hat sich mit Fleiß und Talent die Gunst von Trainer Thomas Schaaf erworben. „Mit seiner Entwicklung macht er uns viel Freude“, sagt der Coach, dessen eigene aktive Karriere Schnittstellen mit der von Hans-Jürgen Bargfrede aufweist. 1978 rückten beide gemeinsam in den Bremer Profi-Kader auf. Doch während Schaaf es nach oben schaffte, ging für Barg-frede der Weg zunächst zurück zu den Amateuren und dann nach St. Pauli. „Im Grunde durchlebe ich mit meinem Sohn jetzt meine eigene Karriere noch mal“, meint der 50-Jährige heute und lacht: „Aber er scheint die Kurve besser zu kriegen als ich damals.“

Für den Senior war Otto Rehhagel damals die Sackgasse. „Er hat mir gesagt, dass es für mich bei Werder nicht reicht.“ Der Mittelfeldakteur verstand, ging nach St. Pauli und spielt heute immer noch in der Traditionself der Hamburger – oft gemeinsam mit dem aktuellen Co-Trainer Andre Trulsen. Auch Zeugwart und Masseur sind ihm bestens bekannt: „Das sind immer noch dieselben wie vor 20 Jahren.“

Philipp Bargfrede war gerade ein Jahr alt, als sein Vater den Kiez-Club verließ und noch für ein paar Monate bei Preußen Münster anheuerte. Danach war Schluss mit Profi-Fußball. Wenig verwunderlich also, dass der Sohn nun beim Thema FC St. Pauli nicht gerade das große Kribbeln verspürt und in Familienerinnerungen schwelgt. „Ich glaube, ich hatte mal ein St. Pauli-Trikot, aber da muss ich noch sehr klein gewesen sein“, sagt er. Auch ein paar Videos von Papa als Pauli-Profi hat er mal gesehen, aber das war’s auch schon. Philipp ist kein bisschen St. Pauli, er ist ganz und gar Werder. Als C-Jugendlicher kam er vom TuS Heeslingen (wo ihn übrigens sein Vater von der F-Jugend an trainierte) nach Bremen und liefert nun das erste Beispiel seit Aaron Hunt vor vier Jahren, dass man es von der U 23 ins Profiteam schaffen kann. „Zuletzt ging alles ziemlich schnell für mich“, sagt der Aufsteiger der Saison. Vieles ist neu, „irgendwie ist es schon ungewohnt, wenn sich die Leute auf der Straße nach mir umdrehen“.

In Bremen, wo Bargfrede eine Wohnung hat, erkennt man ihn eben, seit er in einem Team mit Pizarro, Frings, Naldo und Mertesacker spielt. Im heimatlichen Heeslingen sowieso. Mehrmals in der Woche fährt er noch nach Hause – auch ins Geschäft nach Zeven. Dort hat er nach der Realschule seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert. Mitarbeiten ist allerdings nicht mehr drin. „Bei Werder geht’s doch Schlag auf Schlag, da bleibt keine Zeit“, sagt Philipp. Und U 21-Nationalspieler ist er auch seit kurzem.

Seine Popularität steigt also. Und mit ihr auch die Absatzzahl der Bargfrede-Trikots? Es geht, meint Chef Hans-Jürgen: „Zehn Stück haben wir verkauft, aber die Nachfrage zieht an.“

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