Kommentar zum Festhalten an Skripnik

Ein Sündenbock wird nicht reichen

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Werder-Trainer Skripnik im Gespräch mit Sportchef Eichin (Archivbild)

Ein Kommentar von Björn Knips. Werder setzt weiter auf Trainer Viktor Skripnik. Diese Entscheidung gilt es zu respektieren, auch, wenn sie falsch ist – zumindest von außen betrachtet. Werder gibt in der Öffentlichkeit derzeit ein trauriges Bild ab. Das fängt mit den Leistungen der Profis auf dem Platz an, setzt sich beim überfordert wirkenden Trainer Viktor Skripnik fort und endet auch nicht bei Sportchef Thomas Eichin.

Sportredakteur Björn Knips

Eigentlich ist der 49-Jährige ein Medienprofi, hat die vielen sportlichen Krisen in seiner nun dreijährigen Amtszeit meistens sehr gut moderiert. Diese nicht. Sein Jein zu Skripnik direkt nach dem 1:2-Schock gegen Augsburg war vielleicht noch nachvollziehbar. Sein erneutes Jein zu Skripnik auch am Tag danach nicht mehr. Damit hat Eichin den ohnehin schon schwachen Trainer noch mehr geschwächt. Die Lobeshymne kommt zu spät – und wirkt dabei auch noch ziemlich aufgesetzt. Denn es ist kein Geheimnis, dass Eichin an den Fähigkeiten Skripniks als Bundesliga-Trainer zweifelt. Mehrfach musste er verbale Fehltritte seines Trainers öffentlich korrigieren – zum Beispiel dessen überraschende Rücktrittsgedanken nach der 0:1-Heimpleite gegen die Bayern im vergangenen Oktober.

Jetzt hätte Eichin handeln können, ohne einen großen Aufschrei der Werder-Familie befürchten zu müssen. Der besondere Schutz, den Familienmitglieder wie Skripnik bei den Grün-Weißen genießen, ist längst auf ein Minimum gesunken. Das Ansehen des Ukrainers im Club hat extrem gelitten. Das liegt an den schlechten Ergebnissen, aber auch daran, dass Skripnik den Kontakt zur Basis abgebrochen hat. Die Vision Skripnik ist der Angst vor dem Abstieg gewichen. Viele Mitarbeiter sorgen sich um ihre Jobs, die in der Zweiten Liga gefährdet sein könnten. Da braucht es starkes Führungspersonal.

Einen Entscheider Eichin, der einst nicht davor zurückgeschreckt hat, Clubikone Thomas Schaaf wegzuschicken. Nun zögert der Sportchef, gibt Skripnik gegen Wolfsburg noch eine Chance. Mit Rückendeckung seiner Kollegen in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat. Gemeinsame Entscheidungen sind ja durchaus zu begrüßen, sie entbinden den einzelnen aber nicht von seiner Verantwortung. Steigt Werder ab, reicht Skripnik als alleiniger Sündenbock dafür ganz sicher nicht aus.

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