Kommentar zum Boykott-Aufruf der Werder-Ultras

Richtiges Statement zur falschen Zeit

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Werder-Fans beim Spiel gegen Wolfsburg

Ein Kommentar von Michael Baltes. Was ist wichtiger? Das Wohl des eigenen Vereins – oder ein allgemeingültiges Statement für den Fußballfan an sich? Werder Bremens Ultragruppierungen Infamous Youth, UltrA-Team Bremen, L´Intesa Verde und Caillera haben sich für letzteres entschieden. Statt gegen Stuttgart ihr Team zu unterstützen, wollen sie der Partie fernbleiben und so gegen Montagsspiele in der Bundesliga protestieren. Es ist die falsche Entscheidung.

Natürlich ist das Anliegen der Ultras aller Ehren wert – und aus der Sicht eines Fußballanhängers nur allzu verständlich. Denn der so heiß geliebte Sport wird immer mehr dem puren Kommerz untergeordnet. Der DFL-Beschluss, ab der Saison 2017/2018 Montagsspiele in der Bundesliga einzuführen, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Die Interessen der Stadionbesucher und Fans treten dabei in den Hintergrund. Das ist fragwürdig, auch wenn jeder immer im Hinterkopf haben muss, dass die Bundesliga im Vergleich zu den Ligen in England und Spanien auf der Vermarktungsebene nicht den Anschluss verlieren darf und vor allem die Clubs auf die hohen TV-Einnahmen angewiesen sind.

Das Produkt Fußball, das für eine Unsumme an Geld vermarktet wird, lebt auf der anderen Seite aber auch von seinen Fans – das darf nicht vergessen werden. Woche für Woche nehmen die Anhänger lange Reisen und hohe Kosten in Kauf, um ihren Verein zu supporten. Sie sind es, die in den Stadien dieser Nation für eine außergewöhnliche Stimmung sorgen - sie sind es, die aus dem Spiel mit dem Ball etwas Außergewöhnliches machen. Deshalb ist es richtig, dass sich die Ultras zur Wehr setzen und für allgemeine Faninteressen einsetzen.

Der Zeitpunkt, den die Bremer Ultras gewählt haben, ist aber falsch. Ausgerechnet jetzt, wo Werders Mannschaft seine Fans so dringend braucht, dem Team nicht den vollen Rückhalt zu geben, ist fahrlässig. Was ein außergewöhnlicher Support im Abstiegskampf bewirken kann, hat das Spiel gegen Wolfsburg gezeigt. Genau diese Unterstützung braucht Werder in den restlichen vier Bundesligaspielen, um die Klasse zu halten – auch gegen Stuttgart. Mit dem teilweisen Entzug der Unterstützung nehmen die Ultras in Kauf, nicht alles für den Klassenerhalt gegeben zu haben - diesen Vorwurf müssen sie sich gefallen lassen, falls Werder gegen Stuttgart entscheidende Punkte liegen lässt.

Die restlichen Werder-Fans werden im Spiel gegen den VfB zudem (wenn auch unbewusst) alles versuchen, den Boykott-Plan der Ultras ad absurdum zu führen. Nämlich indem sie ihren Support noch einmal vergrößern, um das Fehlen der Ultras zu kompensieren und trotzdem eine überragende Stimmung für das eigene Team zu gewährleisten. Der Grundgedanke des Boykotts, der DFL zu zeigen, dass Fußball ohne Stimmung nichts wert ist, wäre damit dahin.

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Lesen Sie auch: - Werder will die Unterstützung der Ultras gegen Stuttgart

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