Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Werder sollte Kruse zocken lassen“

An Spiele in München gegen die Bayern habe ich viele gute, aber auch schlechte Erinnerungen. Legendär ist natürlich das 5:2 in der Allianz Arena im September 2008.

Hinten sind wir mit Per Mertesacker, Naldo, Tim Wiese und mir sehr kompakt gestanden, und vorne haben Claudio Pizarro, Markus Rosenberg und Mesut Özil unsere Chancen konsequent genutzt. Nach dem 5:0 hat ausgerechnet Tim Borowski noch zwei Mal für die Bayern getroffen. Bitter waren eigentlich nur die letzten Jahre, die mich zu dem Spruch mit dem Zahnarzt hingerissen haben.

Bayern nicht mehr so furchteinflößend

Jetzt bin ich als Fan dabei und hoffe, dass die Zähne okay sind, Werder glimpflich davonkommt und zubeißen kann. Für ein positives Resultat spricht, dass die Bayern heute nicht mehr so dominant und so furchteinflößend auftreten, wie in den vergangenen Saisons.

Sie spielen unter Jupp Heynckes viel kontrollierter und steigen auch mal vom Gas, wenn es das Ergebnis zulässt. Bei Werder sind nach der Vorbereitung unter Trainer Florian Kohfeldt die Akkus voll. Ich bin überzeugt, dass die Bremer Mittel finden werden, um den Münchnern weh zu tun, und auch der frühe Zeitpunkt des Spiels in der Rückrunde ist für Bremen gut.

Die Konkurrenz muss später in der Saison zu den Bayern, wenn der Druck viel größer ist. Werder hat hingegen am Sonntag gar nichts zu verlieren – eine Niederlage wäre kein Beinbruch. Aber auch in Dortmund hat Werder keiner etwas zugetraut und das Team hat dann eine Topleistung abgerufen. Auch das Spiel gegen Hoffenheim wird den Jungs viel Selbstvertrauen und Glauben an sich selbst geben.

In der Premier League gibt es sechs Teams vom Kaliber der Bayern

Ich persönlich liebe solche Spiele gegen die ganz Großen. Das Potenzial zu glänzen, ist dabei viel größer als die Angst vor einer Blamage. In diesen Spielen werden die Stars geboren. In der Premier League hast du mit Chelsea, den Clubs aus Manchester, Tottenham, Arsenal und Liverpool gleich sechs Vereine vom Kaliber der Bayern. Daher wirst du ganz anders gefordert, aber auch die Großen verlieren gegen die Kleinen und die Liga ist viel ausgeglichener. Wenn Bayern zweimal Punkte abgibt, sprechen alle schon von einer Krise. Wichtig ist am Sonntag, dass man sieht, dass die Fortschritte unter Kohfeldt weiter gehen – auch wenn die Mannschaft verlieren sollte.

Kruses Aussagen waren keine Attacke auf den Club

Und dann? Max Kruse hat zuletzt gefordert, dass Werder den Kader noch verstärken muss, um sorgenfrei durch die Saison zu kommen. Ich verstehe ihn gut, er bringt Leistung und will, dass es weiter nach oben geht. Mehr Konkurrenz ist wichtig. Wenn alle fit bleiben, könnte der Kader reichen, aber dafür gibt es keine Garantie. Ich habe in Kruses Aussage auch keine Attacke gegen den Club gesehen, sondern denke, dass Max nur ein gewisses Niveau der Mannschaft sicherstellen will. Wirklich helfen würden Werder ohnehin nur Neuzugänge mit Qualität, die den Kader auf ein höheres Level heben. Dass er sich da Gedanken macht, finde ich positiv.

Die macht sich natürlich auch Frank Baumann, der jedoch auf die Finanzen schauen muss. Die Preise sind derzeit verrückt, und es macht Sinn abzuwarten, bis gegen Ende der Transferzeit die Summen wieder sinken. Es hängt sicher auch davon ab, wie viele Punkte Werder bis Ende Jänner machen wird.

Max' Spielweise: Ein Spiegelbild seiner Leidenschaft

Durch den Fall Aubameyang sind ja derzeit wieder viele Diskussionen aufgekommen, ob man besonderen Spielern auch größere Freiheiten auf und neben dem Platz geben sollte. Von Kruse wird erwartet, dass er auf dem Platz optimale Entscheidungen trifft und mit seiner individuellen Klasse Spiele entscheidet. Irgendwie ist seine Spielweise ein Spiegelbild seiner privaten Leidenschaft. Max spielt gerne Poker und geht dieses Risiko auch auf dem Rasen ein. Und solange Werder davon profitiert und im Abstiegskampf alle Asse in den Händen hält, sollte man ihn ruhig weiter zocken lassen.

Sebastian Prödl

Zur Person: Der 30-Jährige hat von 2008 bis 2015 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League - und wurde von den Fans seines Clubs zum besten Spieler der Saison 2016/17 gewählt. Prödl ist natürlich Nationalspieler (63 Einsätze) - und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

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Quelle: DeichStube

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