Mesut Özil spielte im Pokalfinale nur wie eine blasse Kopie seiner selbst

König in Not – der Rest ist Schweigen

Werder-Bremen - BERLIN · Mesut Özil ist kein Mann der großen Worte, dafür hat er einen Ausrüster, der sich große Worte für ihn ausdenkt und ihm sogar ein monumentales Denkmal setzt. „Kein König ohne Gefolge“ lautete am Tag vor dem Pokalfinale der Aufruf für Fans des Bremer Kreativpostens. Sie sollten zum Shop kommen und sich mit dem Özil-Double ablichten lassen.

Es sind ja eigentlich nur die ganz großen Spieler, denen zu Lebzeiten schon Denkmäler gesetzt werden, und dass es für Mesut Özil noch eine ganze Weile zu früh dafür war, zeigte sich bei Pokalfinale wohl so deutlich wie nie zuvor.

Werder-Trainer Thomas Schaaf wählte eine taktische Variante, die er mit diesem Personal bisher nie spielen ließ. Özil rückte neben Claudio Pizarro in die zweite Sturmspitze - oder rückte er neben ihn? Ganz klar war Özil seine neue Rolle wohl selbst nicht, was seine eklatante Verunsicherung erklärte.

Fast konfus irrte Özil auf dem Feld umher, fand keine rechte Bindung zu seinen Mitspielern und konnte seine Stärken nicht einmal im Ansatz ausspielen. Am wohlsten fühlt sich der 21-Jährige hinter den Spitzen, da sind seine geschickten Pässe am wirkungsvollsten, da kann er mit seinen Offensivtricks glänzen.

Von all dem war gegen die Bayern nichts zu sehen, der Matchwinner des letzten Pokalfinales wirkte wie eine blasse Kopie seiner selbst. Oder lag es nur an seiner Position? Vielleicht, doch dürfte man nicht von einem Spieler erwarten, der bei der WM in Südafrika einer der aufstrebenden Stars werden will, dass er sich mehr reinhängt - auch auf unbehaglichem Terrain?

Doch Mesut Özil ist nicht so. Oft hatte er in den letzten Monaten mit Schwankungen zu kämpfen, tauchte in manchen Partien gänzlich ab. Auch der straffe Spielplan zeigte beim schmächtigen Youngster seine Wirkung. „Die Phase nach der Winterpause war schwer für mich, aber jetzt bin ich wieder da“, hatte Özil im Vorfeld gesagt. In Berlin war er es nicht.

Und nein, Mesut Özil ist wirklich kein Mann großer Worte. Er ist sogar eher schweigsam, besser gesagt stumm. Nach seinem desolaten Auftritt im Berliner Olympiastadion verweigerte Özil den Medienvertretern jegliche Auskunft. Kein Kommentar zu seiner Leistung, kein Kommentar zu seinem Befinden und natürlich schon gar kein Kommentar zu seiner Zukunft.

Die schwebt nach wie vor im Nebel, Nachfragen sind seit Wochen unerwünscht. „Ich habe einen Vertrag bis 2011“, ist die einzige Aussage, die Özil dann gebetsmühlenartig wiederholt und auch den hartnäckigsten Frager damit zur Resignation treibt.

Aber was nützt einem König sein Denkmal, wenn er sein Volk nicht führen kann? Was nützt die teuerste Werbekampagne, wenn der Protagonist sie nicht ausfüllen kann? Soviel scheint zumindest im Moment sicher, Mesut Özil hat noch einen weiten Weg bis zur Krönung vor sich. Das Gefolge muss sich gedulden.

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