Bremens Torwart darf sich nun auch in der Nationalelf beweisen / „Lange darauf gewartet“

Kölle Alaaf – jetzt ist Wiese dran

Sicher zugepackt: Werder-Torwart Tim Wiese ist seit Monaten in überragender Form.

Von Arne Flügge und Björn Knips · Morgen ist der 11.11. – im Rheinland herrscht Ausnahmezustand, denn der Karneval wird eingeläutet. Werder Bremens Nationalspieler fahren daher heute mit dem Zug nach Bonn. „Da ist es ruhiger als in Köln“, sagt Tim Wiese.

Nicht etwa, dass der gebürtige Rheinländer etwas gegen das Fest der Narren hätte. Im Gegenteil. „Ich habe früher immer Karneval gefeiert“, sagt der Werder-Torwart. Doch Wiese geht heute schließlich nicht auf Spaßtour, sondern auf Dienstreise. Die deutsche Nationalmannschaft kommt in der ehemaligen Hauptstadt zusammen, um sich auf die Testspiele am Samstag in Köln gegen Chile und am darauffolgenden Mittwoch in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste vorzubereiten.

Für die Partie gegen die Chilenen hat Tim Wiese von Bundestrainer Joachim Löw eine Einsatzgarantie erhalten. „Natürlich freue ich mich, für Deutschland zu spielen. Darauf habe ich lange gewartet“, beteuert der Bremer Torwart. Doch schlaflose Nächte bereitet ihm der bevorstehende Einsatz nicht. „Ich bin nicht aufgeregt. Das bin ich nie. Es ist ja auch nur ein Freundschaftsspiel“, erklärt Wiese.

Auch wenn er es nicht offen sagt: Viel lieber als den einen Test gegen Chile hätte der 27-Jährige die wichtigen Spiele in der WM-Qualifikation bestritten. So darf er in diesem Jahr nur einmal ran – Samstag gegen Chile. Und hätte Deutschland in der WM-Qualifikation in die Relegation gemusst, wäre sogar diese Partie für ihn geplatzt.

Ein Indiz dafür, dass Bundestrainer Joachim Löw nicht wirklich auf die Karte Wiese zu setzen scheint. Eine Halbzeit in Berlin im Testkick gegen England (1:2) am 19. November 2008 – das ist die bisher dürftige Länderspielvita des Bremers. Robert Enke (Hannover), Rene Adler (Leverkusen) und auch Manuel Neuer (Schalke) sind die Favoriten, obwohl der Bremer Torwart seit Monaten in überragender Form ist. „Diese Saison ist die beste, die ich je gespielt habe“, strotzt Wiese nur so vor Selbstvertrauen, „ich bin älter und reifer geworden. Aber ich werde weiterhin meine Meinung sagen. Ja-Sager gibt es genug.“

Vielleicht ist es gerade diese direkte Art des Bremers, die Löw eher abschreckt, den Keeper mit nach Südafrika zu nehmen. Obwohl die Erfahrung in den vergangenen Jahren gezeigt hat, dass gerade exzentrische Torhüter bei WM-Turnieren der große Rückhalt waren. Siehe Oliver Kahn 2002, siehe Jens Lehmann 2006. Warum also nicht Tim Wiese 2010?

„Ich fordere nichts mehr. Das habe ich aufgegeben“, erklärt Wiese. Was wie Resignation klingt, das ist für Wiese eher innere Ruhe, um die Konzentration auf das Wesentliche nicht zu verlieren: „Mein Ziel ist und bleibt es, in Südafrika die Nummer eins zu sein, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

Einen ersten Schritt dorthin kann der Bremer Torhüter am Samstag mit einer starken Leistung gegen Chile tun, wenngleich Wiese seinen ersten und vielleicht für lange Zeit einzigen Auftritt in der Startformation der Nationalelf, nicht als alleinigen Maßstab sieht. „Natürlich kann ich mich zeigen. Aber es hängt nicht alles von diesem Spiel in Köln ab“, glaubt Wiese, „ich kenne meine Qualitäten. Ich zeige mich doch zweimal in der Woche bei Werder, versuche ständig, mein Bestes zu geben. Deswegen mache ich mir keinen Kopf, ob ich gegen Chile viel zu tun bekomme.“

Gleichwohl freut sich Wiese auf die Partie und die Atmosphäre in Köln. „Natürlich ist es super für mich, dass wir dort spielen. Aus der Ecke komme ich ja her, habe dort meine Familie, Verwandte und Freunde.“

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