Knatsch mit Dutt, Leistenbruch, Schambeinentzündung – doch nun will der 21-Jährige durchstarten

Yildirim: „Jetzt kommt meine Zeit“

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Daumen hoch für den Neustart. Noch trainiert Özkan Yildirim zwar mit angezogener Handbremse, in dieser Woche will er aber alle Zurückhaltung ablegen. Verbal hat er es gestern bereits gemacht.

Bremen - Sein letztes Bundesligaspiel? Vor einer kleinen Ewigkeit ist es gewesen. Genauer: am 26. Januar 2014. Özkan Yildirim war beim Start in die Rückrunde gegen Eintracht Braunschweig acht Minuten vor Schluss eingewechselt worden. Damals sollte es für den offensiven Mittelfeldspieler der Auftakt zum Durchbruch werden.

Doch es wurde für lange Zeit der Abschied vom Aufbruch. Jetzt ist der 21-Jährige wieder da, peilt sein Comeback am Freitag im Testspiel gegen den Kosovo in Nordhorn an. Und Yildirim meldet sich mit klaren Statements zurück. „Jetzt kommt meine Zeit“, tönt der gebürtige Sulinger.

So viel Selbstvertrauen, so viel Angriffslust nach mehr als einem Jahr ohne Arbeitsnachweis – Yildirim traut sich was, das lässt sich nicht anders sagen. Der Mann, der das Verletzungspech zuletzt wie ein Magnet die Eisenspäne angezogen hatte, geht davon aus, dass jetzt Schluss ist mit Verletzungen. „Von den vergangenen vier Jahren habe ich ja zwei komplett gefehlt. Ich hoffe, dass ich alles an Verletzungen vorgezogen habe und ich für den Rest meiner Karriere verschont bleibe“, sagt Yildirim. Der aktuelle Stand macht jedenfalls Hoffnung: „Es geht mir sehr, sehr gut. Ich bin kurz davor, ins Mannschaftstraining einzusteigen.“ Morgen soll es soweit sein.

Es wäre der Schlusspunkt hinter einer langen, sorgenvollen Zeit. Denn was nach dem 0:0 gegen Braunschweig mit Yildirim passierte, darf wohl als karrierebedrohend bezeichnet werden. Zunächst überwarf er sich mit dem damaligen Trainer Robin Dutt. Weshalb? Yildirim bleibt geheimnisvoll: „Es gab Meinungsverschiedenheiten. Dass ich in der Rückrunde nicht mehr gespielt habe, hat dann ja jeder gesehen.“ Allerdings plagten ihn auch Leistenprobleme, die schließlich am 26. April 2014 mit einer Operation in Berlin beseitigt werden sollten. Wurden sie aber nicht. Yildirim: „Die OP ist nicht so verlaufen wie erhofft.“ Schwer zu sagen, ob die in der Folge aufgetretene Schambeinentzündung vermeidbar gewesen wäre. Sie sorgte für die lange Pause.

Zwischendurch wurde sogar diskutiert, ob sich Yildirim die Nerven an der betroffenen Stelle durchtrennen lassen sollte. Als ultima ratio. Einfach, um spielfähig zu werden. „In Absprache mit den Ärzten und dem Verein habe ich mich aber dagegen entschieden“, berichtet Yildirim, der es zwischen seinen Auszeiten (siehe Extra-Kasten) auf 18 Bundesliga-Spiele für Werder gebracht hat.

Schon die ersten Auftritte reichten dabei, um einen bis 2016 dotierten Profi-Vertrag zu bekommen. Geschäftsführer Thomas Eichin war begeistert von den Fähigkeiten des kleinen Technikers – und ist es noch. „Wenn er stabil gesund bleibt, stehen ihm alle Türen offen. Er ist einer der talentiertesten Spieler bei uns. Es war damals auch gar nicht so einfach, ihn zu halten. Özkan hatte viele andere Angebote.“

Aber Yildirim entschied sich für Werder. Für jenen Club, der ihn schon als Zehnjährigen vom TuS Sulingen in die Nachwuchsabteilung holte. Bald sind seither zwölf Jahre vergangen, und es wird Zeit, dass der Deutsch-Türke, der bereits in der U17 und kurz auch in der U23 unter Viktor Skripnik spielte („Wir kommen gut miteinander klar“) das Vertrauen zurückzahlt. Er ist bereit dazu, erklärt Özkan Yildirim und sagt den Offensivkräften im Bremer Mittelfeld den Kampf an. „Ich will Zehner spielen, das ist meine Position“, verkündet er ganz unbescheiden. Aber auch die Halbpositionen oder eine Rolle als hängende Spitze seien okay: „Ich als Vorlagengeber, Franco Di Santo als Vollstrecker.“ Özkan Yildirim lacht, wenn er das sagt. Wovon man nicht alles träumt, wenn man mehr als ein Jahr nicht mehr gespielt hat.

Aber der U21-Nationalspieler meint es absolut ernst. Weder schrecke er vor den Mitbewerben Fin Bartels, Levin Öztunali, Levent Aycicek oder Davie Selke zurück noch vor irgendwem sonst. Yildirim: „Meine Konkurrenten sind meine Verletzungen, nicht meine Gegenspieler.“

Er trägt dick auf. Und ist fix dabei, wenn es um sein Comeback geht. Obwohl er erstmal das Mannschaftstraining wieder absolvieren muss, glaubt er schon an einen Einsatz gegen die Auswahl des Kosovo: „Vielleicht bekomme ich ein paar Minuten.“ Und wenn alles gut läuft, will er im Sommer sogar mit zur U21-EM nach Tschechien (17. - 30. Juni) fahren. Ende Mai wird Coach Horst Hrubesch den Kader nominieren. „Wir haben schon miteinander gesprochen, vielleicht klappt es noch“, hofft der Bremer.

Dafür muss er aber erstmal bei Werder zu Einsätzen kommen. Yildirim setzt dabei auf Viktor Skripnik und dessen Hang, auf junge, forsche Spieler zu vertrauen. Yildirim glaubt eben, dass der Coach ist wie er selbst: „Der traut sich was.“

csa

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