Sechs Gründe, warum es bei Werder zum Start in die neue Saison wieder besser läuft

Klimawandel am Osterdeich

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Ans Jubeln würden sich Markus Rosenberg und seine Kollegen gerne gewöhnen - bislang verlief der Saisonstart für Werder ziemlich erfolgreich.

Bremen - Neun Zähler aus vier Spielen, Platz drei in der Fußball-Bundesliga, punktgleich mit Spitzenreiter Bayern München und dem Tabellenzweiten Schalke 04 – Werder Bremen hat den besten Start seit sechs Jahren hingelegt, was nach der Katastrophen-Saison 2010/2011 nicht unbedingt so erwartet werden konnte. Doch an der Weser hat sich so einiges geändert. Sechs Gründe, warum es bei Werder zum Start in die neue Spielzeit wieder besser läuft.

Der breite Kader

Während die Bremer in der vergangenen Spielzeit fast durchgehend personell auf dem Zahnfleisch krochen, hat sich die Lage jetzt merklich entspannt. Die Folge: ein breiter, qualitativ starker Kader. „Da spielt dann Marko Arnautovic – und Markus Rosenberg kommt rein. Oder Marko Marin, dafür kommt dann Mehmet Ekici. Diese Qualität braucht man auch, wenn man oben mitspielen will“, sagt Werder-Sportchef Klaus Allofs: „Solche Möglichkeiten, mit Wechseln so reagieren zu können, hatten wir im letzten Jahr fast gar nicht.“

Positiver Nebeneffekt: Der Konkurrenzkampf wird täglich neu angeheizt, dadurch werden aus jedem Spieler ein paar Prozent mehr rausgekitzelt. Schließlich kann sich (fast) kein Spieler mehr sicher sein, in der Startelf zu stehen. „Wir wollen diesen möglichst hohen Konkurrenzkampf. Es soll mir schwer gemacht werden, wen ich aufstelle“ erklärt Trainer Thomas Schaaf. Der vom Rechtsverteidiger zum Mittelfeldspieler umfunktionierte Clemens Fritz spricht von einer „Luxussituation für den Trainer. Er kann fast aus dem Vollen schöpfen. Der Konkurrenzkamp ist sehr groß, es geht richtig zur Sache. Das ist gut, das belebt das Geschäft.“ Was auch Kapitän Per Mertesacker nur begrüßt: „Wir können viel besser reagieren. Am Ende der letzten Saison sind wir teilweise mit 15 Mann rumgetingelt, das ist jetzt zum Glück komplett anders.“

Der Sturm

In der vergangenen Saison war der Bremer Sturm oftmals nur ein laues Lüftchen. Jetzt fegt schon mal eine kräftige Brise durch die Stadien. Von neun Saisontoren haben die Stürmer sechs erzielt: Rosenberg (3), Arnautovic (2), Pizarro (1). Zweimal wurde Arnautovic für Rosenberg eingewechselt, zuletzt in Hoffenheim war’s umgekehrt. Für Per Mertesacker ist es dabei „ein ganz wichtiger Aspekt“, dass Rosenberg beispielsweise „seine unbefriedigende Situation“ in Hoffenheim als Ersatzspieler mit einem so wichtigen Tor bekämpft hat. Und trotz des beinharten Konkurrenzkampfes scheint die Chemie unter den Torjägern zu stimmen. Nach dem Sieg in Hoffenheim sprang Arnautovic Torschütze Rosenberg ausgelassen auf den Rücken, später scherzte Rosenberg mit Pizarro. Auch Pizarro und Arnautovic flachsen, klatschen sich ab, feuern sich an – und jubeln ausgiebig miteinander. „Man freut sich natürlich auch für die Kollegen, wenn sie treffen“, beschreibt Rosenberg das Bremer Wir-Gefühl, das vor Monaten noch unter einem Berg von persönlichen Eitelkeiten verschüttet lag. „Wir sind im Moment da vorne gut drauf, so kann es ruhig weitergehen“, grinst Arnautovic: „Dass ich in Hoffenheim getroffen habe, freut mich – aber das Tor von Markus war noch wichtiger. Er kam frisch rein und hat dafür gesorgt, dass wir die drei Punkte mitnehmen.“

Das Betriebsklima

Von eitel Sonnenschein zu sprechen, wäre vielleicht etwas zu früh. Dafür sind die Schatten der vergangenen Spielzeit noch zu lang. Doch das Betriebsklima an der Weser ist längst nicht mehr so frostig wie noch vor wenigen Monaten. Trainer Thomas Schaaf hat der Mannschaft wieder Spaß am Job eingehaucht und vermutlich auch die Erkenntnis, dass ein vernüftiger kollegialer Umgang mehr der Sache dient, als ständig die Krallen auszufahren, sich gegenseitig zu zerfleischen und die Schuld immer bei anderen zu suchen. „Wir helfen uns, unterstützen uns. Das ist sehr wichtig, um erfolgreich zu sein“, hat nicht nur Clemens Fritz erkannt, der betont: „Wir haben ein sehr gutes Klima in der Mannschaft.“

Wiese, Ekici und Co. - die Bremer Auswahlspieler

Allerdings ist dieses gute Miteinander auch immer von Siegen abhängig, wie Mertesacker betont. „Erfolge sind einfach durch nichts zu ersetzen“, weiß der 26-Jährige: „Wenn man erfolgreich ist, macht es umso mehr Spaß.“ Allerdings lassen sich die Bremer auch durch einen Rückstand nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen. „Wenn du weißt, dass du Spiele drehen kannst, ist auch diese Leichtigkeit wieder da“, berichtet der Kapitän: „Da sind ganz andere Gefühle im Spiel als in der letzten Saison. Das gibt einem eine gewisse Stärke.“

Die Joker

Sie stechen, was freilich erneut für die Qualität der Bank spricht. Gegen Freiburg kamen Arnautovic und Wesley rein, in Hoffenheim nun Rosenberg. Und alle drei erzielten ein Tor.

Das Selbstvertrauen

Aus dem Kaninchen, das vor der Schlange Reißaus nimmt und sich in sein Schicksal fügt, ist eine Mannschaft geworden, die zurückschlägt, auch wenn sie gerade selbst empfindlich gebissen worden ist. Rückstände werden gedreht. „Da setzen wir in dieser Saison neue Maßstäbe“, sagt Mertesacker und verweist auf die Spiele gegen Freiburg und Hoffenheim, in denen sich die Bremer von einem 0:1 nicht groß beeindruckt zeigten. Sehr zur Freude von Torwart Tim Wiese: „Dass wir auch mal ein Spiel drehen, haben wir in der letzten Saison vermissen lassen. Jetzt haben wir endlich kapiert, dass man nicht direkt aufgeben muss.“

Trainer Schaaf weiß, dass „solche Erfolge natürlich Selbstvertrauen und zusätzlich Stärke geben“. Allerdings: Von nichts kommt nichts. Schaaf: „Wir haben in der Sommerpause weniger geredet, dafür mehr gearbeitet. Das zahlt sich jetzt aus. Wir haben schon einiges gefunden, aber die Suche ist noch nicht zu Ende.“ Sprich: Nur nicht müde werden, weiter an sich zu arbeiten. „Wir sind eine gefährliche Mannschaft, müssen uns aber noch extrem weiterentwickeln“, fordert Mertesacker: „Wir haben das Puzzle noch nicht komplett zusammengesetzt.“

Immerhin sind weitere Fortschritte sichtbar. Beim 0:1 in Leverkusen hatten die Bremer noch zu wenig investiert. „Jetzt sind wir ein Stück weiter als vor zwei Wochen. Wir glauben wieder mehr an uns“, behauptet Sportdirektor Klaus Allofs: „Nach dem Rückstand in Hoffenheim haben wir eine Reaktion gezeigt und in der zweiten Halbzeit mutig nach vorne gespielt.“

Dass die Partie dann noch gedreht wurde, ist für Clemens Fritz fast schon die logische Konsequenz, nachdem Werder Willen und Geduld gezeigt hatte. „Wir haben auf unsere Chance gewartet – und die kam. Natürlich steigt das Selbstvertrauen, wenn du solche Spiele gewinnst“, sagt der 30-Jährige – und fügt an: „Wir wollen da oben hin, um die internationalen Plätze mitspielen. Bei jedem ist der Glaube daran da. Aber wir tun gut daran, weiter intensiv zu arbeiten.“

Die Balance

Werder ist auf einem guten Weg, ein Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive hinzubekommen. Freilich, das 5:3 gegen Freiburg spricht da eher für Attacke-Fußball ohne Netz und doppelten Boden. Doch auch hier war eine gewisse Balance zu erkennen, wenngleich Coach Schaaf sicher gerne einen nicht so Nerven aufreibenden Nachmittag gehabt hätte. Besser wurde es da schon in Hoffenheim. „Da haben wir in der zweiten Halbzeit sehr wenig zugelassen, richtig gut gestanden. Wir haben viel ruhiger agiert, den Gegner besser gestellt und es ihm schwergemacht, durchzukommen“, analysiert Schaaf – betont aber auch: „Wir haben versucht, nach vorne zu spielen. Das war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wir haben wieder eine andere Linie in unserem Spiel.“

Das Glück

In der abgelaufenen Spielzeit wurden die Bremer nicht gerade vom Glück geküsst. Es gab viele knifflige Entscheidungen gegen Werder. Andererseits waren die Hanseaten oftmals nicht bereit, sich das Glück auch mit entsprechendem Einsatz zu erzwingen. Das scheint jetzt anders – und wird belohnt. „Man muss sagen, dass wir in Hoffenheim in den ersten 20 Minuten richtig Glück hatten. Da hätte es auch 0:2 stehen können“, räumt Fritz ein. Auch Schaaf muss gestehen: „Wir standen mächtig unter Druck und hatten Riesenglück.“ Für Mertesacker waren es „mehrere kleine Knackpunkte, die uns in die Karten gespielt haben. Wir hatten viel Glück, zum Beispiel bei dem schnellen Ausgleich.“ · flü/mr

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