Klemm-Brett

Interview: Werder oder Wolfsburg – wer kommt nach Europa, Herr Labbadia?

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Bruno Labbadia ist seit Februar 2018 Trainer bei den „Wölfen“: er sicherte im letzten Jahr den Klassenerhalt und kämpft mit dem VfL Wolfsburg in dieser Saison sogar um die Qualifikation für den Europapokal.

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 24. Spieltag geht es um den VfL Wolfsburg.

Interview mit Bruno Labbadia 

Bruno Labbadia betreut Wolfsburg seit dem 20. Februar 2018. Der Ex-Profi hat den VfL von einem Abstiegskandidaten zu einem Europa-League-Anwärter geformt. 

Haben Sie sich in Wolfsburg vom Retter zum Gestalter entwickelt?

Diese Facette meines Trainer-Daseins begleitet mich ja schon seit meinen letzten beiden Stationen. Sowohl beim Hamburger SV als auch zuvor beim VfB Stuttgart habe ich die Mannschaft stabilisiert, beziehungsweise im Fall Stuttgart zweimal in den europäischen Wettbewerb geführt. Beim VfL Wolfsburg gibt es Parallelen dazu. Wir haben an einigen Stellschrauben gedreht und einen Um- und Aufbau eingeleitet.

Zuletzt in der Relegation, nun im vorderen Tabellenbereich. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Die intensive Arbeit in der Vorbereitung hat dazu geführt, dass die Mannschaft eine starke Hinrunde hingelegt hat und sich durch gute Spiele wieder Selbstvertrauen erarbeitet hat. Sie glaubt an ihre Stärken und lässt sich von Rückschlägen nicht so leicht aus der Bahn werfen. Ein wichtiges Gut ist darüber hinaus die mannschaftliche Geschlossenheit. 

Sie waren auch mehrfach bei Werder im Gespräch. Bereuen Sie, dass es nicht mit einem Engagement in Bremen geklappt hat?

Nein. Das ist Vergangenheit. Und das ist kein Thema mehr. Was ich aber sagen kann, ist, dass Werder Bremen ein schöner Verein mit einer fantastischen Atmosphäre ist. Gemeinsam mit seinen Fans hat Werder trotz sportlicher Durststrecke eine tolle Entwicklung genommen. Die Stimmung im Stadion ist unglaublich gut, hat die Mannschaft auch in dieser Saison schon zu manchem Erfolg getragen. 

Bremen oder Wolfsburg - wer kommt nach Europa?

Das vermag ich nicht zu beurteilen. Ich beschäftige mich auch ungern mit dem Gegner, sondern schaue eher auf meine Mannschaft. Fakt ist, dass Werder nach wie vor auf Tuchfühlung zu den Europacup-Plätzen ist. Was uns betrifft, so werden wir unseren Weg weitergehen. Dass die Mannschaft dort steht, wo sie sich aktuell befindet, hat sie sich erarbeitet und absolut verdient. Und wenn wir weiterhin eine Möglichkeit haben, uns im oberen Drittel festzusetzen, dann werden wir diese Chance ergreifen.

Wissenswertes zum Werder-Spiel beim VfL Wolfsburg: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Bilanz gegen Werder 

In der Gesamtbilanz in der Bundesliga hat Werder knapp die Nase vorn: 43 Spiele, 18 Werder-Erfolge, 17 VfL-Siege, acht Remis, Tordifferenz 77:75 aus Werder-Sicht. 

Spruch 

„Nein, ich lebe wie Jörg in Wolfsburg.“ 

Geschäftsführer Jörg Schmadtke auf die Frage, ob er sich wegen der exzellenten finanziellen Lage beim VfL wie Gott in Frankreich fühle.

Der Star 

Koen Casteels, zwischenzeitlich 2014/15 mal bei Werder, hat sich zu einem der besten Torhüter in der Bundesliga entwickelt. Der belgische Nationalspieler zählt bei den „Wölfen“ zu den absoluten Stars. Die Reporter vom „Kicker“ stuften ihn in der Rangliste in der Internationalen Klasse ein – Platz 6 im Ranking der besten Keeper. Der 26-Jährige besitzt noch einen Vertrag bis 2021, ohne eine Ausstiegsklausel.

Doch mit seinen durchweg guten Leistungen macht er seit Langem auf sich aufmerksam. Auch bei internationalen Topklubs steht Casteels auf der Liste. Sein Berater Nico Vaesen schürte nun die Spekulationen, dass sein Schützling womöglich den VfL verlassen könnte. Mit diesem Argument: „Der nächste logische Schritt für ihn wäre, dauerhaft international zu spielen.“ Sollte dies in Wolfsburg in der neuen Spielzeit nicht der Fall sein, so könnte im Sommer ein Wechselpoker eröffnet werden. Gerüchteweise sollen Barcelona und Arsenal interessiert sein, verbürgt ist eine Kontaktaufnahme des FC Chelsea im letzten Sommer. 

Der ehemalige Werder-Keeper (hier links) Koen Casteels zählt in dieser Saison zu den stärksten Torhütern der Bundesliga und spielte bereits acht mal „zu Null“.

Geld-Rangliste 

Es erstaunt immer wieder, wie viel Geld in der Liga und speziell in Wolfsburg im Spiel ist. Obwohl die neue Führung um Geschäftsführer Jörg Schmadtke nun Sparkurs fährt, machen sich die Altlasten aus den Vorjahren noch bemerkbar. Erstaunlich: Der VfL nimmt in einer vom „Kicker“ unlängst veröffentlichten Rangliste der Personalkosten unter den europäischen Spitzenklubs den 19. Rang ein. 139 Millionen Euro an Personalkosten werden dort aufgelistet. Außer Wolfsburg sind aus Deutschland noch der FC Bayern mit 276 Mio. auf Platz fünf und Dortmund mit 178 Mio. auf Platz elf vertreten. Spitzenreiter: Real Madrid mit 406 Mio. 

Sturm-Duo 

Ein Blick in die Statistik der Vorsaison hatte Jörg Schmadtke genügt, um das Manko zu markieren. Es krankte im Sturm, zu wenige Chancen, zu wenige Tore: nur 36 in 34 Spielen in 2017/18, lediglich Hamburg, Köln und Freiburg waren in dieser Beziehung noch schlechter. Im einzelnen: Mario Gomez traf einmal, Nebenmann Divock Origi viermal. Also gab Wolfsburg die beiden Stürmer ab. Die Nachfolger sind erfolgreicher. Wout Weghorst und Daniel Ginczek haben sich als Sturm-Duo etabliert. Trainer Bruno Labbadia fand im Laufe der Hinserie sein Erfolgsrezept, indem er zwei Spitzen aufbot und dahinter eine Mittelfeldraute mit Admir Mehmedi als Spielmacher. Der Niederländer Weghorst spielte von Beginn an, der aus Stuttgart geholte Ginczek sicherte sich erst später den Stammplatz. Labbadia stärkte ihm den Rücken: „Ich glaube extrem an ihn.“ 

Das sagt der Altmeister 

Roy Präger (47) absolvierte 154 Bundesliga-Spiele für den VfL, spielte auch beim HSV. Nach dem Ende der Karriere ist er als Jugendleiter beim VfL angestellt. Das sagt der Altmeister zur aktuellen Lage des VfL:

„Mit der Vorrunde sind alle im Club mehr als zufrieden. Nach den zwei Jahren Abstiegskampf hat sich gezeigt, dass wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht. Wir haben wieder Typen, die sich mit dem Club identifizieren, eine Truppe, die durch Kampf und Leidenschaft geprägt ist. Besser konnte es nicht laufen in diesem Übergangsjahr. Wir sind wieder auf einem aufsteigenden Ast und haben möglicherweise, wenn es weiterhin gut läuft, die Chance, um die europäischen Plätze mitzuspielen. Die Arbeit der Führung mit Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer und die Vorgehensweise von Bruno Labbadia haben sich ausgezahlt.“ 

Form 

Zwei Niederlagen zu Beginn der Rückrunde: 1:2 auf Schalke, 0:3 im Heimspiel gegen Leverkusen. Wolfsburgs Höhenflug schien beendet. Doch dann kam die Wende: Drei Siege und ein Remis aus den nächsten Spielen. Zwei Erfolge in der Fremde: 1:0 in Berlin, 3:3 in Freiburg. Es folgten souveräne 3:0-Siege gegen Mainz und in Gladbach. Zwischenstand: Der VfL steht auf Platz fünf mit 38 Zählern, nur drei Punkte hinter einem Champions League-Rang. 

So lief das Hinspiel 

Ein Derby, das umkämpfter war, als es das Resultat ausdrückt. Werders Sieg war nicht unverdient, weil die Kohfeldt-Elf konsequenter agierte als die manchmal nachlässigen Gäste aus Niedersachsen und weil sie vor allem effektiver spielte. Am Ende stand ein schmuckloses 2:0 für Bremen.

Klaassens Volley ins Glück - Eggesteins erstes Bundesliga-Tor

Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg
Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg © gumzmedia
Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg
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Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg
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Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg
Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg © imago
Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg
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Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg
Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg © dpa
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Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg
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Davy Klaassen mit seinem zweiten Saisontor hatte die Führung besorgt, die Entscheidung ergab sich aus einer Zusammenarbeit zwischen jung und alt. Co-Produktion von Youngster und Oldtimer. Tor von Johannes Eggestein, sein Premierentor, Vorarbeit von Claudio Pizarro, dem Altmeister, der spät eingewechselt worden war und zur Trumpfkarte avancierte.

Quelle: DeichStube

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