Kleiner Stolperstein, große Gefahr?

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„Zu viel Weitblick wäre falsch“, sagt Werder-Trainer Thomas Schaaf vor dem Countdown der Liga. Bei den restlichen Aufgaben dürfe der 1. FC Köln nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Bremen - Drei, zwei, eins…meins!? Was als Werbeslogan für ein Internetauktionshaus schon längst ausgedient hat, bekommt für Werder Bremen wieder aktuelle Bedeutung.

Mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln beginnt morgen (18.30 Uhr) in der Liga ein Countdown, der alles hat: Absolute Spannung, totalen Nervenkitzel. Drei Spiele sind es für den Tabellendritten nur noch bis zur Champions-League-Qualifikation. Drei Stolpersteine müssen noch aus dem Weg geräumt werden. Und die Frage ist, ob der vermeintlich kleinste nicht doch der größte werden könnte.

Köln, der Tabellenelfte, macht den Anfang, danach folgen die „Brocken“ Schalke 04 (Zweiter) und Hamburger SV (Siebter). Fast schon logisch, dass sich der Fokus der Fans auf die letzten beiden Partien richtet. Die, in denen sich vermutlich alles entscheiden wird. „Viele denken so“, sagt Werder-Coach Thomas Schaaf, „aber Gott sei Dank nicht alle.“

Er meint sich. Er meint Clubchef Klaus Allofs. Er meint die Mannschaft. Die Gedanken des inneren Zirkels seien andere, sagt Schaaf, und fasst sie in Worte: „Wir dürfen nicht glauben, dass wir dieses Spiel mal eben so mitnehmen n „Die totale n Durchschlagskraft“ können. Gerade gegen Köln geht es darum, die Voraussetzung zu schaffen, dass wir tatsächlich bis zum Ende um die Champions League kämpfen können.“

Schon einmal waren die Bremer mit großen Träumen in eine Begegnung mit dem FC gegangen. In der Hinrunde reiste Werder als Tabellenzweiter nach Köln, spielte nur 0:0 – und erlebte in der Folge einen herben Absturz. Fünf Pleiten in Serie, schwupps war aus Rang zwei Platz sechs geworden.

Per Mertesacker verzieht das Gesicht, wenn er daran denkt: „Wir sind jetzt wieder in der Situation wie damals in der Hinrunde. Aber diesmal müssen wir die Sache durchziehen.“ Und nicht wieder schlapp machen.

Die Voraussetzungen dafür sind gut, nahezu optimal. Glaubt jedenfalls der Nationalverteidiger: „Wir haben in den vergangenen Spielen richtig Schwung bekommen – den müssen wir jetzt in die letzten Partien mitnehmen.“ Und ein Einbruch wie im Winter? Nein, nicht zu erwarten. „In der Hinrunde sind wir zum Beispiel gegen Köln und Schalke angerannt, hatten aber nicht die Durchschlagskraft. Die ist jetzt aber da – total“, meint „Merte“ und verweist auf acht Tore in den vergangenen beiden Partie: „Wir sind zwar aktuell auch nicht fehlerfrei und nicht so stabil in der Defensive wie damals beim 0:0, aber wir machen die Tore.“

Auch gegen Köln? Die Geißböcke gelten speziell in fremden Stadien als Defensivkünstler. Mauern und kontern – so holten die Rheinländer bei einem Torverhältnis von 15:11 satte 23 Auswärtspunkte (bei nur 14 Heimzählern). Die Beutezüge in der Fremde stellen die Grundlage für den seit dem vergangenen Wochenende sicheren Klassenerhalt dar.

Schaaf hat das gegnerische Auswärtsverhalten genauestens studiert, warnt deshalb vor der Gefahr, die Kölner zu unterschätzen und nur noch von Schalke und dem HSV zu sprechen. „Zu viel Weitblick wäre falsch“, sagt er.

Doch dann wagt er selbst einen: „Wenn wir Platz drei erreichen und damit die Qualifikation zur Champions League, wäre das ein großer Erfolg. Und auch eine zusätzliche Motivation für das letzte Spiel der Saison, das Pokalfinale gegen Bayern München.“

Dann geht’s um einen Titel. Im Bundesliga-Endspurt geht’s um das große Geld. Die Königsklasse biete finanziell „tolle Aussichten“, meint Werder-Chef Klaus Allofs. Der Unterschied zur Europa League beträgt in etwa 15 bis 20 Millionen Euro oder mehr. Dennoch, sagt der Geschäftsführer, beeinflusst die Aussicht auf den großen Reibach noch nicht das aktuelle Gebaren auf dem Spielermarkt. „Großartige Veränderungen wird es deshalb in unseren Planungen nicht geben“, erklärt Allofs: „Wir wären als Dritter ja erstmal nur in der Qualifikationsrunde.“

Von Carsten Sander

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