Mit Werder holte Simon Rolfes das Double – glücklich wurde der Mittelfeldspieler aber erst in Leverkusen

Vom kleinen Matrosen zum großen Kapitän

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Simon Rolfes vor fast genau zehn Jahren im Trikot von Werder Bremen.

Werder-Bremen - LEVERKUSEN · Es war der 30. Mai 2004. Auf dem Bremer Rathaus-Balkon sangen, gröhlten und tanzten die Kollegen, feierten mit zigtausend Fans das Double. Drinnen in einer Ecke, fast versteckt, lehnte Simon Rolfes an einer Fensterbank.

Ein Glas Bier in der Hand, aber so gar nicht in Jubelstimmung. „Ich fühle mich nicht als Meister oder Pokalsieger“, sagte der damals 22-jährige Blondschopf: „Ich habe ja nichts zu dem Erfolg beigetragen.“

Zu diesem Zeitpunkt stand sein Wechsel zu Zweitligist Alemannia Aachen bereits fest. Rolfes hatte keine Spielanteile gehabt und sich bei Werder nicht durchsetzen können. Die Konkurrenz war riesig. Der Druck, den er sich selbst gemacht hatte, zu groß. „Ich war zu verbissen und ungeduldig“, sagte er später.

1999 vom TuS Recke (bei Osnabrück) in die Werder-A-Jugend gekommen, gehörte Rolfes bereits zwei Jahre später zum Bremer Profikader – mit 19 Jahren. Er galt als Riesentalent im defensiven Mittelfeld, machte daraus aber zu wenig. Vielleicht waren es aber auch einfach die Umstände gewesen, die ihm nicht genug Zeit ließen, um sich in Bremen weiter zu entwickeln. Schließlich war es der Beginn der goldenen Bremer Jahre unter Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Klaus Allofs gewesen, mit haufenweise starken Spielern, so dass Rolfes nur

Der Werkself seit fast neun Jahren treu

Zuschauer war. „Es ist vielleicht besser so, dass ich jetzt den Umweg über die zweite Liga wähle“, erklärte Rolfes damals im Rathaus: „Ich weiß, was ich kann – und ich werde es schaffen.“

Wenn man heute auf die Karriere von Simon Rolfes zurückblickt, dann hatten seine Worte am 30. Mai 2004 schon etwas Prophetisches. Nach einem Jahr in Aachen wechselte er 2005 zu Bayer Leverkusen. Der Werkself, deren Kapitän er seit 2008 ist, ist er bis heute treu geblieben. Aus dem kleinen, eher schüchternen Jungen von früher, der zwar viel Talent, aber noch viel zu wenig Muckis auf den Knochen hatte, ist in den Jahren ein geachteter, selbstbewusster Profi mit Ecken und Kanten geworden. Nach seinem Debüt am 28. März 2007 in der Nationalmannschaft hat er es auf 25 weitere Länderspiele gebracht. Und Rolfes ist ein Mann, der sagt, was er denkt. Und weiß, was er will.

Damals, im Double-Jahr von Werder, hätte wohl kaum jemand diese Entwicklung von Simon Rolfes erwartet. Doch der Fußballer („Es war im Nachhinein die beste Entscheidung gewesen, Werder damals zu verlassen“) lernte sich durchzubeißen, seinen eigenen Weg zu beschreiten und sich von keinen Störfeuern mehr davon abbringen zu lassen. · flü

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