Alles gut mit Schaaf

Eichin und Dutt, „das passt sehr gut“

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Werder-Momente im überdimensionalen Format festgehalten. Klaus-Dieter Fischer links jubelnd mit Otto Rehhagel im Meisterjahr 1993 und rechts mit Thomas Schaaf im Double-Jahr 2004.

Bremen - Für das Gespräch hat Klaus-Dieter Fischer in sein Penthouse geladen. Direkt am Osterdeich, vierter Stock, herrlicher Balkon, Blick auf das Weserstadion. An die Fassade des Hauses gegenüber hat jemand „Scheiß HSV“ geschmiert.

„Aber das waren wir nicht“, winken Fischer und seine Frau Annegret lachend ab. Sie haben sich auf die Dekoration der eigenen vier Wände beschränkt. Und, oh Wunder: das Fischersche Wohnzimmer ist nicht grün-weiß, nur ein Teil des Flures und ein kleines Zimmer – Klaus-Dieter Fischer nennt es das Vereinsheim – ist für Werder-Accessoires reserviert.

Bilder, Fotos, Wimpel, Trikots hängen dicht an dicht – und doch ist es nur ein kleiner Teil dessen, was sich in mehr als 40 Jahren angesammelt hat. „Vieles habe ich verschenkt“, sagt Fischer, der Ende 2014 seinen Posten als Geschäftsführer räumen wird und in den Aufsichtsrat aufrücken möchte.

Manche Dinge würde er aber nie hergeben. Wie die riesigen Fotos im Treppenhaus. Sie zeigen Fischer mit dem 2004 verstorbenen Dr. Franz Böhmert, mit den langjährigen Erfolgstrainern Otto Rehhagel und Thomas Schaaf. Menschen, die Fischers Werder-Leben prägten. Ob Robin Dutts Konterfei irgendwann auch dort hängen wird? Dafür dürfte wohl die gemeinsame Rest-Zeit bei Werder nicht reichen. Gleichwohl sieht Klaus-Dieter Fischer in dem Schaaf-Nachfolger einen richtig guten Fang. Und die Garantie, dass sich ein Trainer-Debakel wie in der Nach-Rehhagel-Zeit – Werder verschliss zwischen 1995 und 1999 vier Trainer – nicht wiederholen wird.

Herr Fischer, wie frisch ist noch die Erinnerung an die Zeit, als der damalige Vorstand mit Ihnen als „Vize“ in der Nach-Rehhagel-Ära kein gutes Bild abgegeben hatte bei der Trainerwahl? Und wie groß war die Angst, dass sich die Geschichte nach Schaaf wiederholt?

Klaus-Dieter Fischer: Das wird es nicht wieder geben, da bin ich sicher.

Warum?

Fischer: Weil ich sehe, wie das Trainergespann um Robin Dutt arbeitet. Er hat bisher bestätigt, was wir in ihm gesehen haben.

Das wäre?

Fischer: Wir wollten eine Person, die zu uns, zum Verein passt, und wollten uns nicht an einem vorgegebenen Bild, an festen Kriterien orientieren. Diesen Fehler haben wir 1995 gemacht, als wir einen international erfahrenen Trainer wollten und uns dann mit Aad de Mos falsch entschieden hatten. Über Robin Dutt wussten wir, was er beim SC Freiburg geleistet hatte, warum er in Leverkusen nicht klar gekommen war und dass er beim DFB nicht glücklich war. Das war erstmal alles. Im Gespräch hat sich dann gezeigt, dass wir in ihm jemanden gefunden haben, der Geduld hat, der auf junge Spieler setzt, mit dem man langfristig arbeiten kann. Wir saßen in Stuttgart zusammen, haben fünf Stunden über Fußball gesprochen und dann in 30 Minuten den Vertrag ausgehandelt. Das war für uns Geschäftsführer unfassbar.

Sehen Sie in Robin Dutt den nächsten Langzeit-Trainer bei Werder?

Fischer: So kann man im heutigen Fußball nicht mehr denken. Schauen Sie mal: Nach acht Spieltagen sind in der Bundesliga schon drei Trainer entlassen worden. Und ich erinnere mich gut, wie häufig am Beginn der Ära Schaaf gefordert wurde, er müsse gehen. Selbst im Aufsichtsrat wurde damals heiß diskutiert, ob der erste Vertrag verlängert werden soll. Das zeigt: Man braucht auch mit Trainern Geduld, und ich glaube, dass meine Nachfolger diese notwendige Geduld aufbringen werden.

Gehörte die Entlassung von Thomas Schaaf im vergangenen Mai zu Ihren schwersten Aufgaben in 43 Jahren als Club-Funktionär?

Fischer: Wenn man mit jemandem seit 1971 in verschiedenen Bereichen zusammen gearbeitet hat und das auch noch überwiegend erfolgreich, ist es natürlich eine emotionale Angelegenheit. Aber wir sind besser auseinandergegangen, als es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Tatsächlich? Es hält sich das Gerücht, zwischen Thomas Schaaf und Ihnen hätte es gewaltig gekracht.

Fischer: Beim Leben meiner Kinder: Das war nicht so. Die Trennung war fair und vernünftig. Und das Verhältnis jetzt ist auch nicht zerstört, es hat nicht gelitten. Wir haben uns seit der Trennung mehrfach gesehen – zuletzt am Freitag beim Geburtstag von Thomas Wolter (Sportlicher Leiter des Leistungszentrums, d. Red.). Das Verhältnis ist okay.

Schaaf und Klaus Allofs galten lange als Traumpaar, sehen Sie dieses Potenzial auch bei Dutt und Sportchef Thomas Eichin?

Fischer: Die Kombination Dutt/Eichin passt sehr gut. Robin Dutt ist eher ein diplomatischer Typ, Thomas Eichin ist eher direkt, sehr straight. Das passt sehr gut zusammen, das ergänzt sich wunderbar. Zudem setzen beide ganz stark auf die Karte Nachwuchsarbeit. Robin Dutt hat den Mut, junge Spieler zu bringen. Und so etwas wie mit Max Kruse, Martin Harnik und Dennis Diekmeier (alle drei gingen im Talentealter und wurden Bundesliga-Profis, d. Red.) wird uns jetzt nicht wieder passieren.

Welche Ziele verfolgen Sie noch als Geschäftsführer, bevor Sie das Gremium Ende 2014 verlassen werden?

Fischer: Man mag es kaum glauben: Obwohl wir über vier vereinseigene Hallen verfügen, kommen wir nicht umhin, eine weitere bauen zu müssen oder neue Hallenräume zu entwickeln. Denn wir haben immer mehr aktive Mitglieder – insbesondere im Gesundheitssport.

Und welche Ziele haben Sie noch mit den Profis?

Fischer: Schön wäre es, wenn wir in meiner Amtszeit – ob als Geschäftsführer oder Präsident – in den internationalen Wettbewerb kämen. Das wäre eine schöne Geschichte. Aber da muss man schon Geduld aufbringen. csa

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