DeichBlick-Kolumne: Klaus Allofs schreibt für die DeichStube

Ruhe am Deadline Day? „Das ist ein Privileg für Frank Baumann“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf.

Von Klaus Allofs. Wenn es vorbei war und alles geklappt hatte, dann habe ich mich schon ein bisschen erschöpft in meinen Bürostuhl fallen lassen und mich bei meinem Team bedankt.

Das macht man als Manager ja nicht alleine. Diese letzten Tage einer Transferperiode können schon sehr, sehr stressig sein – der Deadline Day sowieso. Das nimmt manchmal schon verrückte Züge an, kann hinten raus schon mal ziemlich knapp werden. Es geht nicht nur um die Verhandlungen, sondern dazu gehört auch jede Menge Papierkram. Einmal haben wir es richtig ausgereizt, erst 20 Minuten vor Transferende war alles wasserdicht, stand der Wechsel von Andre Schürrle vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg fest. Anfang 2015 war das.

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Schwitzen beim Schürrle-Deal auf den letzten Drücker

Dabei darf man auch die menschliche Seite nicht vergessen. Mit Andre waren wir uns längst einig gewesen. Er wollte unbedingt wechseln. Wie so oft bei Winter-Transfers sind diese Spieler unzufrieden, sehnen sich nach einer neuen Chance. Wenn du dem Spieler dann sagen musst, dass es Probleme mit seinem Club gibt, ist das nicht schön. So war das auch mit Andre Schürrle. Chelsea wollte sich partout nicht mehr bewegen – und wir hatten auch unsere Schmerzgrenze.

Da muss man dann hart bleiben, was bei dem Druck nicht einfach ist: Der Spieler ist enttäuscht, die Medien fragen ständig nach, die Erwartung der Fans ist auch spürbar. Ich hätte den Transfer trotzdem platzen lassen, aber dann kam die Bestätigung aus London. Meistens läuft so etwas per Mail, mit Kollegen, die man gut kennt, geht es auch telefonisch. Mit den Engländern ist das immer etwas verrückt, weil sie gerne vergessen, dass wir in Deutschland wegen der Zeitverschiebung eine Stunde eher fertig sein müssen, als sie denken. Da kommt man schon mal ins Schwitzen.

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Die Vertragsverhandlungen mit Diego bzw. dessen Vater waren für Klaus Allofs als Werder-Manager nicht immer einfach.

Frank Baumann bleibt das bei Werder in diesem Winter offenbar erspart – und das ist durchaus ein großes Privileg für ihn. Denn eigentlich machst du in der Transferphase nur etwas, wenn du musst. Also, wenn der Kader doch nicht stark genug ist oder sich noch ein Spieler verletzt hat. Frank konnte sich genüsslich zurücklehnen und warten, ob sich kurzfristig vielleicht noch ein Vorgriff auf die neue Saison ergibt. Darauf ist man immer vorbereitet, das macht Spaß.

Es hat mich immer ganz besonders gereizt, Spieler zu finden, die in ihrem Club gerade nicht so gut funktionieren – und dann denkt man: Bei uns läuft es mit ihnen viel besser. Valerien Ismael ist da ein gutes Beispiel. Den haben wir 2003 von Racing Straßburg ausgeliehen – allerdings im Sommer. Wir haben ihn ganz schnell fest verpflichtet, so gut war er. Wir mussten auch später drei Mal seinen Vertrag nachbessern, weil der zu Beginn doch sehr einfach gehalten war. Da muss man auch fair miteinander umgehen. Wer Leistung bringt, sollte auch entsprechend verdienen.

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Bei Diegos Vater musste Allofs Stopp sagen

So einfach ist das leider nicht immer. Da kommen die Berater ins Spiel, manchmal auch die Väter – wie bei Diego. Der kam immer wieder mit neuen Wünschen um die Ecke. Da habe ich irgendwann gesagt: Stopp, jetzt reicht es! Meine Maxime ist immer: Jeder braucht am Ende Luft zum Atmen. Das haben sie verstanden. Aber inzwischen ist es schon verrückt, wie umfangreich die Verträge geworden sind. Da werden fast alle Eventualitäten mit dem Spieler und dem abgebenden Verein geregelt. Deshalb ist ein kurzfristiger Wechsel am Deadline Day fast unmöglich.

Das Grundgerüst muss vorher schon stehen. Es ruft da keiner mehr um halb sechs an und sagt, ich will Spieler xy haben. Bis 18 Uhr bleibt dafür keine Zeit mehr, es muss ja auch noch der Medizincheck gemacht werden. Dabei erlebt man auch mal Überraschungen – so wie 2012 bei Naldos Wechsel von Werder zu Wolfsburg. Da mussten wir dann vertraglich noch etwas verändern, weil sich die Wolfsburger etwas absichern wollten. Es läuft eben nicht immer alles glatt. Aber das ist Fußball, das ist das Geschäft. Ich mag das!

Klaus Allofs

Zur Person: Erst Profi, dann Manager – Klaus Allofs (62) hat im Fußball fast alles erlebt. Bei Werder war er auf beiden Seiten tätig, beim VfL Wolfsburg arbeitete er bis 2016 als Manager.

Quelle: DeichStube

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