Allofs, die Zweite: „Avdic ist jetzt richtig wach“

Klaus Allofs verfolgt die Entwicklung seiner Neuzugänge Denni Avdic und Wesley ganz genau.

Von Malte Rehnert - Was wird aus Torsten Frings, was aus Daniel Jensen? Warum haben die Winter-Verpflichtungen bislang nicht weitergeholfen? Im zweiten Teil unseres Interviews spricht Werders Sportchef Klaus Allofs über wichtige Personalien – und erklärt, wie das Gesicht der Mannschaft in der kommenden Saison aussehen könnte.

Die Bundesliga hat Länderspielpause. Nutzen Sie die etwas ruhigere Zeit für Gespräche mit Spielern?

Dass wir schauen, wie wir uns verstärken können, ist klar – auch, dass es in diese Richtung schon Gespräche gibt. Konkrete Verhandlungen sind das aber noch nicht. Solange wir nicht wissen, wo es sportlich hingeht, müssen wir gedanklich zweigleisig fahren. Wir haben nicht so viele Verträge, die auslaufen. Deshalb gibt es da jetzt keinen dringenden Gesprächsbedarf.

Mit Petri Pasanen haben Sie bereits gesprochen. Er wird Werder nach sieben Jahren verlassen. Fällt es Ihnen schwer, sich von so einem Musterprofi zu trennen?

Das sind Entscheidungen, die nicht immer einfach sind. Auf der einen Seite haben wir eine sportliche und finanzielle Notwendigkeit, auf der anderen den menschlichen Aspekt. Man kann nicht immer alles unter einen Hut bringen. Dann hätten wir hier 150 Spieler. Petri ist ein ganz angenehmer Mensch, mit dem man sehr gut zusammenarbeiten kann, der sehr gut zu Werder passt und hier eine tolle Zeit hatte. Aber das ist eben nur eine Komponente.

Auch bei Daniel Jensen stehen die Zeichen auf Abschied. Wie beurteilen Sie seine Lage?

Sein Vertrag läuft aus, er hat wenig gespielt, die gesundheitliche Situation ist unklar – da ist er nicht in der besten Position. Stand jetzt wäre es keine große Überraschung, wenn man sagt: Es wird kein neuer Vertrag. Als wir damals mit ihm verlängert haben, sah das noch ganz anders aus. Da war er mit unser bester Mittelfeldspieler. Danach konnte er das leider – auch aus gesundheitlichen Gründen – nicht unter Beweis stellen. Aber wir müssen diese Entscheidung nicht heute treffen. Wir müssen sehen, wie es bei ihm weitergeht.

Gilt das auch für Torsten Frings, der klar zum Karriereende tendiert?

Da wird es bald noch ein Gespräch geben, damit wir Klarheit haben. Torsten hat gesagt, wohin es gehen könnte – nicht, wohin es geht. Wir wissen, dass er nach seiner Karriere großes Interesse hat, bei Werder zu bleiben und mitzuarbeiten.

Vergangene Woche hat Naldo mit harscher Kritik am Verein für Aufsehen gesorgt. Unter anderem sprach er von mangelndem Respekt. Haben Sie mittlerweile ein klärendes Gespräch geführt?

Ja, wir haben miteinander gesprochen. Ein Spieler, der so lange verletzt ausfällt, ist psychisch nicht in bester Verfassung. Da hat man Tage, wo man schlecht drauf ist und dann vielleicht mal über das Ziel hinausschießt. Ich habe ihm gesagt, dass ich viele Dinge verstehen kann. Aber von mangelndem Respekt seitens Werder Bremen zu sprechen, ist absolut falsch und kann ich so nicht stehen lassen. Naldo wird von allen Mitarbeitern mit größtem Respekt behandelt. Er hat eingesehen, dass diese Äußerungen falsch waren.

Gab’s eine Strafe?

Nein, es gab keine.

Wann rechnen Sie wieder mit ihm?

Von unserer Seite gibt es da überhaupt keine Erwartungen. Ich wäre froh, wenn das mit seiner Verletzung durch die OP jetzt ausgestanden und er bald wieder der alte Naldo wäre. Wir werden aber keinerlei Druck machen und ihn nicht zusätzlich belasten.

Denni Avdic hat bislang kaum gespielt, Samuel war nicht mal im Kader. Sind Ihre Winter-Verpflichtungen Fehlgriffe?

Samuel haben wir für ein überschaubares finanzielles Risiko und ohne Ablöse bekommen, praktisch zu einem verlängerten Probetraining. Es ist ein Experiment. Dass es in einer Phase, wo die Mannschaft nicht so gut funktioniert, schwierig ist, ist klar. Aber er ist ein Linksfuß, kann in der Abwehr innen und außen spielen. Man muss die Risiken und die Chancen sehen: Das Risiko ist hier ganz gering, die Chancen sind aber groß.

Und Avdic – er ist im Sturm noch kein adäquater Ersatz für den verkauften Hugo Almeida .

Erst mal vorweg: Almeida abzugeben, war für mich ein Muss. Er hatte sich ganz klar positioniert, wollte spätestens zum Ende der Saison weg, am liebsten früher. Er hat in seiner Zeit hier die absolute Identifikation mit Werder nicht hinbekommen. Wir haben uns dann für Avdic entschieden. Er hat im November in Schweden sein letztes Spiel gemacht – und es dann leider nicht so begriffen, dass er bereit sein muss, wenn er hierher kommt. Er war körperlich nicht auf der Höhe.

Hat Sie sein Zustand überrascht?

Dass er so lange braucht, hat mich schon gewundert. Wenn man kommt, muss man eine Marke setzen – das hat er versäumt. Allerdings war’s auch schwierig. Wir können in unserer Situation im Abstiegskampf nicht sagen: ,Jetzt lasse ich den mal spielen, damit er sich langsam eingewöhnt.‘ Da geht es eben nur um Punkte. Und in der Zwischenzeit ist dann auch Sandro Wagner an ihm vorbeigezogen.

Was macht Avdic aktuell für einen Eindruck?

Ich glaube, dass er jetzt erst so richtig wach geworden ist. Er macht Fortschritte, muss sich aber noch mehr einbringen.

Kann er Ihrer Mannschaft in dieser Saison überhaupt noch helfen?

Denni könnte noch ein wichtiger Spieler für uns werden – und wenn es im letzten Spiel ist, spätestens aber für die nächste Saison.

Neben Avdic saßen zuletzt häufig Marko Marin und Marko Arnautovic auf der Bank. Liegt’s an der ziemlich defensiven Mittelfeldraute, die Trainer Thomas Schaaf derzeit bevorzugt – oder sind sie nicht gut genug?

Ich sehe sie nicht als Opfer des Systems. Sie haben andere Erwartungen, das weiß ich. Beide haben ein Riesentalent, können den Unterschied machen, haben dieses Star-Potenzial – aber sie müssen bereit sein, weiter zu lernen, sich den Anforderungen anzupassen und ihre Rolle innerhalb der Mannschaft zu erkennen. Auf diesem Weg sind beide ein ganzes Stück weitergekommen.

Wie zufrieden sind Sie mit Wesley?

Er hat noch nicht annähernd das gezeigt, was er kann. Und jetzt muss er sich nach seiner Verletzung wieder eingewöhnen. Wahrscheinlich werden wir den echten Wesley erst in der nächsten Saison sehen.

Wird sich Werder wieder um einen klassischen Spielmacher bemühen?

Aaron Hunt und Marko Marin haben Fähigkeiten, unser Spiel zu entwickeln. Das hat bisher aber noch nicht so funktioniert. Wir werden bemüht sein, das weiter zu fördern. Und wenn das nicht klappt, werden wir sehen, dass wir Spieler bekommen, die Alternativen sein könnten.

Wenn Frings (34), Jensen (31) und Pasanen (30) gehen, wären drei Routiniers weg. Ist das der Anfang vom notwendigen Umbruch?

Die Mannschaft muss sich verändern. In diesem Jahr war sie in dieser Konstellation nicht so erfolgreich, wie wir uns das nach dem guten Start mit der Qualifikation für die Champions League vorgestellt haben. Wir wollen aber vermeiden, dass es einen kompletten Umbruch gibt. Das wären zahlreiche Veränderungen.

Wie sieht Werders Gesicht in der nächsten Saison aus?

Da kann ich noch kein klares Bild aufmalen. Wenn wir davon ausgehen, die Klasse zu halten, aber international nicht dabei zu sein, müssen wir uns mehr in die Richtung begeben, die wir vor sieben, acht Jahren eingeschlagen hatten. Wir müssen Spieler holen, die sich woanders nicht so in den Vordergrund gespielt haben, wo wir aber das Potenzial sehen.

Müssten Sie dann auch Spieler wie Per Mertesacker, der noch einen Vertrag bis 2012 hat, abgeben?

Nicht aufgrund der finanziellen Situation. Aber wir haben das schon oft erlebt: Wenn ein Spieler noch ein Jahr Vertrag hat und wir jetzt nicht verlängern können, heißt das, dass er in einem Jahr ablösefrei ist. Und dann muss man sich entscheiden.

Sie haben gesagt, dass Sie zweigleisig planen. Was ist mit den Verträgen der Spieler – müssen Sie da noch Klauseln für die 2. Liga einbauen?

Nein, das müssen wir nicht. Es gibt keinen Vertrag, der aufgrund eines Abstiegs nicht mehr gültig wäre.

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