Ex-Werder-Star will im Mainzer Kader stehen

Klasnic freut sich: „Ich komme in mein altes Wohnzimmer“

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Ein unvergesslicher Moment: Werder wird 2004 in München vorzeitig Meister – und Ivan Klasnic feiert mit Pappschale.

Bremen - Wenn sein Name in Bremen fällt, dann leuchten die Augen der Fans. Ivan Klasnic ist ein ganz besonderer Ex-Spieler dieses Clubs. Mit ihm wurde nach Toren und vor allem nach dem Double 2004 ausgelassen gefeiert, mit ihm wurde aber auch nach seiner Nierenerkrankung extrem gelitten.

Nach sieben Jahren verließ der Stürmer 2008 den SV Werder – nun kehrt er erstmals ins Weserstadion zurück. Als Gegner. Der 32-Jährige wurde Ende August vom FSV Mainz verpflichtet. Warum er für das Werder-Spiel unbedingt fit werden muss, erklärt Ivan Klasnic im Interview.

Herr Klasnic, sehen wir Sie am Sonntag im Weserstadion?

Ivan Klasnic:Natürlich, ich werde ganz bestimmt da sein. Ich weiß allerdings noch nicht, ob ich als Spieler oder nur als Zuschauer dabei bin.

Sie pausieren seit zwei Wochen, werden Sie also doch noch rechtzeitig fit?

Klasnic:Das hoffe ich, dafür werde ich alles tun. Und dann muss sich auch noch der Trainer für mich entscheiden. Aber das warten wir jetzt erst einmal ab. Bis zum Spiel ist noch reichlich Zeit.

Sie haben bislang erst 15 Minuten für Mainz gespielt – aus der Ferne betrachtet scheinen Sie ein Dauerpatient zu sein.

Klasnic:Das ist auch wirklich unglücklich gelaufen. Ich war noch nicht ganz hier, da hatte ich schon eine Lebensmittelvergiftung. Dann habe ich mir die Wade gezerrt. So etwas kann passieren. Danach lief es gut, deshalb habe ich auch gegen Schalke gespielt. Doch kurz danach tat mir plötzlich der Zeh weh – völlig ohne Grund. Und weil ich etwas zu früh wieder angefangen habe, hat sich das jetzt etwas hingezogen. Aber ich hoffe, dass es für Bremen reicht, denn ich freue mich riesig auf dieses Spiel.

Warum?

Klasnic:Was für eine Frage . . . Ich komme in mein altes Wohnzimmer. Es ist schon komisch, wieder dort zu sein, wo ich meine erfolgreichste Zeit hatte. Was hatten wir damals nur für eine große Mannschaft. Und hätte Tim Wiese in Turin nicht den Ball fallen gelassen, wer weiß, vielleicht hätten wir es dann in der Champions League ganz weit gebracht, vielleicht sogar bis ins Finale. Mit der Mannschaft war doch alles möglich. Wir waren jahrelang unter den ersten Drei, haben gegen fast alle Topteams aus Europa gespielt. Und ich werde nie vergessen, wie wir 2004 mit der Meisterschale durch die Stadt gefahren sind. Das erlebt Bremen vielleicht nie wieder.

Sie sind ja kaum zu bremsen.

Klasnic:Daran denke ich auch gerne zurück. Eine tolle Zeit. Man kann schon sagen, dass ich auch ein Bremer bin. Viele wissen das wahrscheinlich gar nicht: Der Hamburger SV wollte mich immer wieder haben, bevor ich zu Werder kam, aber auch, als ich bei Werder war. Wir haben auch mal gesprochen. Doch zum HSV, das konnte ich aus zwei Gründen nicht tun: Ich bin Bremer und St. Paulianer – da geht das nicht.

In Bremen waren Sie Publikumsliebling. Rechnen Sie mit einem besonderen Empfang der Fans?

Klasnic:Das werden wir sehen. Es würde mich auf jeden Fall freuen. Leider habe ich nie die Gelegenheit bekommen, mich richtig von den Werder-Fans zu verabschieden. Da bin ich schon ein bisschen enttäuscht.

Von Werder-Boss Klaus Allofs?

Klasnic:Die Sache ist abgehakt. Wir werden uns am Sonntag begrüßen und sicher auch miteinander sprechen.

Auch mit Dr. Götz Dimanski? Sie machen Werders Mannschaftsarzt für Ihre Niereninsuffizienz mitverantwortlich und haben ihn verklagt – welche Rolle spielt diese Geschichte bei Ihrer Rückkehr nach Bremen?

Klasnic:Keine. Freunde werden Dimanski und ich sicher keine mehr. Aber damit beschäftigen sich die Gerichte – und am Sonntag ist Fußball. Man soll auch nicht immer nur das Negative sehen. Ich bin ein positiver Mensch. Man soll mich in Bremen einfach als lächelnden Jungen in Erinnerung behalten.

Wie lebt es sich mit der Spenderniere?

Klasnic:Sehr gut, ich kann nicht klagen. Die Ärzte wundern sich immer wieder, wie gut ich das alles hinbekommen habe.

Sportlich haben Sie auch viel erlebt: Erst haben Sie in Frankreich beim FC Nantes gespielt, dann in England bei den Bolton Wanderers. War es eine gute Zeit?

Klasnic:Durchaus. Wir waren zwar nicht so erfolgreich wie mit Werder, aber ich kann mit Stolz behaupten, dass ich in drei der fünf besten Ligen Europas gespielt und getroffen habe. Und wer weiß, vielleicht schaffe ich ja auch noch Spanien und Italien, ich bin ja erst 32.

Es gibt aber auch Zweifler, die Ihnen nicht einmal mehr eine gute Rolle in der Bundesliga zutrauen.

Klasnic:Das ist Quatsch. Die Bundesliga wird bald den wahren Ivan Klasnic sehen. Ich habe noch Spaß, und ich habe noch die Qualität. Einge werden sich noch wundern.

Wie gefällt es Ihnen in Mainz?

Klasnic:Sehr gut. Hier macht es richtig Spaß. Und seitdem ich hier bin, läuft es ja auch. Okay, ich habe kaum gespielt. Aber ich bin eine Person, die Spaß reinbringt oder den jungen Stürmern die Ohren langzieht, wenn sie nicht getroffen haben. Aber jetzt wird es langsam Zeit, dass ich der Mannschaft auch auf dem Platz helfen kann.

Neun Spiele, 14 Punkte, Platz sechs – ist Mainz reif für das internationale Geschäft?

Klasnic:Das ist alles noch weit weg. Wir sind erst einmal glücklich, dass wir schon so viele Punkte haben und so guten Fußball spielen.

Werder hat nur elf Punkte und steht fünf Plätze hinter Mainz. Was halten Sie von Ihrer Ex-Mannschaft?

Klasnic:Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass es schwer werden kann für Werder. Dieser radikale Umbruch mit viele jungen Spielern und kaum noch älteren kann gefährlich sein. Aber Thomas Schaaf ist sehr ehrgeizig, und die Mannschaft hat eine Perspektive.

Haben Sie noch Kontakt zu Werder?

Klasnic:Kaum, es sind ja fast keine Spieler mehr aus meiner Zeit da. Mit Aaron Hunt habe ich vor kurzem gesimst. Und ab und zu spreche ich mit Jens Beulke, dem Physiotherapeuten, der mich damals betreut hat.

Wie geht das Spiel am Sonntag aus?

Klasnic:Das ist schwer. Aber ich denke 2:1 für uns, also für Mainz. · kni

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