De Bruyne kritisiert:

Die Angst der Anderen

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Vielleicht spricht Kevin De Bruyne mit Werder über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Erstmal redet er aber über die Mutlosigkeit der Mannschaft: „Ich habe das Gefühl, dass einige von uns auf dem Platz Angst haben.“ 

Bremen - Kevin De Bruyne ist so etwas wie ein Rettungsanker für Thomas Schaaf, wenn er über die Entwicklung seiner Mannschaft spricht. „Der Junge hat sich bei uns doch prima gemacht“, sagt der Trainer dann, um auch auf einen guten Aspekt verweisen zu können.

Dem ist nicht mal zu widersprechen.De Bruyne, der mit viel Talent gesegnete Mittelfeldspieler aus Belgien, ist fraglos eine fußballerisch positive Erscheinung in einer Mannschaft, die als Kollektiv viel zu selten erfolgreich ist. Das ist letztlich der Hauptgrund, weshalb heute nach der Partie gegen den FC Augsburg ein Countdown beginnt, an dessen Ende die Leihgabe des FC Chelsea mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den SV Werder verlassen wird. Noch zehn Spiele, noch neun, acht, sieben, sechs ... – und tschüß!

Zu schlecht ist es sportlich um den Tabellenzwölften aus Bremen bestellt, als dass der Club zum Fundament für die Karriere des 21-Jährigen werden könnte. „Mit diesem Team, da müssen wir einfach realistisch sein, werden wir den Europacup wohl nicht erreichen“, sagt De Bruyne. Er selbst braucht jedoch die Einsätze auf internationalem Niveau, um sich weiterzuentwickeln. Also wird er sich anderweitig umschauen, wird in der Vorbereitung auf die neue Saison erneut beim FC Chelsea vorspielen, um sich für den Kader des englischen Top-Clubs zu empfehlen. Schafft er das nicht, wird er wieder ausgeliehen. De Bruyne über seine Zukunft: „Ich habe eine kleine Idee, wie es laufen könnte. Aber darüber spreche ich nicht.“

Offiziell heißt es bei ihm, dass auch Werder zu den möglichen Gesprächspartnern gehört. Doch nicht jetzt, macht der belgische Nationalspieler klar: „Es sind noch elf Spiele in der Bundesliga zu absolvieren. Vielleicht können wir sprechen, wenn es noch zwei, drei Partien sind.“ Und die Bremer vielleicht doch noch im Dunstkreis der Europa League stehen.

Allerdings ist das erstens nicht wirklich vorstellbar. Und zweitens haben die bisher acht Monate in Bremen so manche Ernüchterung für Kevin de Bruyne bereit gehalten. Werder, sagt er, ist zu oft ein Team der Mutlosen. „Ich habe das Gefühl, dass einige von uns auf dem Platz Angst haben – speziell in Spielen gegen die Top-Clubs“, erklärt er und spricht mit seinen 21 Lenzen wie einer, der in seiner Karriere schon alles erlebt hat: „Ich verstehe ja, was hier gerade passiert, kenne das auch von meinen früheren Stationen. Ein neues Team wird aufgebaut, da funktioniert nicht alles. Aber ich denke, dass uns manchmal die Spieler fehlen, die auf dem Platz Verantwortung übernehmen. Es wird viel geredet, aber die Reaktion auf dem Platz muss kommen.“

Mehr denn je heute gegen den FC Augsburg. Nach dem 1:6 in München ist Werder gegenüber seinen Fans in der maximalen Bringschuld. Es wird eines dieser laut Kevin de Bruyne typischen Bundesliga-Spiele: „Du kannst gegen jeden gewinnen und gegen jeden verlieren. Wichtig wird sein, dass wir unser Spiel aufziehen. Wir dürfen diese Angst nicht mehr haben, das muss anders werden. Es ist doch viel härter, dem Geschehen nur hinterherzulaufen, als selber zu attackieren.“

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Es liegt auch an ihm, dass es gegen die Augsburger Kämpfer besser läuft als gegen die „Monster-Mannschaft aus München“ (Zitat Geschäftsführer Thomas Eichin). Werder braucht De Bruynes Ideen, braucht seinen Input. Er muss zeigen, dass er mit seiner Selbsteinschätzung nach 23 Spielen, sechs Toren und sieben Assists im grün-weißen Trikot richtig liegt: „Ich habe eigentlich ein ganz gutes Jahr hier bei Werder. Ich spiele insgesamt auf einem guten Level – auch wenn wir einige Spiele verloren haben.“ · csa

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