Werder verliert 0:1

Keine Enttäuschung, nur Erkenntnis

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Das darf doch nicht wahr sein! Auch für Florian Hartherz (l.) und Niclas Füllkrug war die Niederlage bei Drittligist Osnabrück gestern zum Haareraufen. ·

Osnabrück - Robin Dutt rief zur Besprechung. Der Trainer von Werder Bremen verspürte gestern Abend nach der ersten Niederlage unter seiner Führung ein dringendes Mitteilungsbedürfnis. Also versammelte er sein Team direkt nach der 0:1 (0:1)-Testspielpleite beim Drittligisten VfL Osnabrück in der Kabine – Tür zu, zuhören. Es gab einiges anzusprechen.

Ein Anschiss sei es nicht gewesen, sagte Dutt anschließend. Eher ein deutliches Aufmerksammachen auf die Missstände auf dem Platz, die zu einem Ergebnis führten, das natürlich den Anstrich einer Blamage hatte. Aber gegen die plakative Bewertung der Niederlage gegen den zwei Klassen tiefer und weitgehend neu zusammengestellten Gegner wollte keiner der Bremer akzeptieren. „Wir können das deutlich besser machen“, sagte Dutt zwar, „aber weder werden wir dieses Spiel jetzt zu hochhängen noch einfach drüber weggehen.“ Sondern? Analysieren, die richtigen Schlüsse ziehen. Und damit begann Dutt direkt nach dem Schlusspfiff.

„Unsere Organisation hat nicht gestimmt“, führte er als obersten Makel dieser vierten Vorbereitungspartie auf: „Der Gegner hat uns mit seinem Pressing gut beschäftigt. Wir konnten uns nur selten befreien. Aber eigentlich wollten wir es umgekehrt haben.“ Das gelang aber speziell in der ersten Halbzeit überhaupt nicht. Gegen aggressive Osnabrücker verlor der Erstligist eine Vielzahl an Zweikämpfen, leistete sich eine Menge Abspielfehler.

Als Erklärung dafür diente zu vorderst der unterschiedliche Fitnessstand beider Teams. Während der VfL am Sonntag beim Chemnitzer FC in die neue Saison startet, befindet sich Werder drei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel noch im körperlichen Aufbaumodus. „Wir sind da, wo wir nach zwei Trainingswochen sein müssen“, meinte Robin Dutt, „aber noch können wir dieses hohe Tempo nicht gehen.“ Auch Sebastian Prödl argumentierte in die vom Trainer vorgegebene Richtung: „Osnabrück war einfach spritziger. Und gewillter.“

Das zeigte sich auch beim Gegentor, als Assani Lukimya in der Mitte gegen den erst kurz vor dem Anpfiff vom VfL verpflichteten Andreas Spann zu spät kam, den Kopfball nicht verhinderte (29.). Werder hatte bis dahin durch Nils Petersen (13.) und Marko Arnautovic (21.) zwei Top-Chancen vergeben. Bis zur Pause ließ Petersen noch eine weitere Gelegenheit aus.

Die drei Chancen waren nach 45 Minuten das einzig Nennenswerte, was die „durcheinandergewürfelte“ (O-Ton Dutt) Mannschaft 10 000 Zuschauern in der osnatel-Arena präsentierte. Kapitän Clemens Fritz und Aaron Hunt hatte der Coach gleich in Bremen gelassen, sie für die kommenden Aufgaben gegen den PEC Zwolle (Mittwoch in Lohne) und Ajax Amsterdam (Freitag in Meppen) geschont. Zudem blieben Cedric Makiadi, Eljero Elia und Luca Caldirola zunächst auf der Bank. Mehmet Ekici kam gar nicht zum Einsatz.

Die Bilder vom Testspiel

Testspielpleite beim Drittligisten

Nach der Pause würfelte Dutt weiter, und setzte auf zwei Spitzen. Erst Petersen und Niclas Füllkrug, dann Füllkrug und Johannes Wurtz. Es muss nicht zwingend an dieser Umstellung gelegen haben, dass die Chancenquote deutlich stieg. Zweimal Arnautovic, zweimal Füllkrug und Aleksandar Stevanovic vergaben jeweils die Möglichkeit zum Ausgleich. Und Osnabrück? Das mit sechs Neuzugängen in der Startelf angetreten Team von Trainer Maik Walpurgis hielt jederzeit dagegen und hätte auch noch höher gewinnen können. Bei einem Distanzschuss von Tom-Christian Merkens bekam Werder-Keeper Sebastian Mielitz noch die Finger an den Ball, bei einem Freistoß von Sebastian Neumann in der Schlussminute rettete der Pfosten. Es war der Knall vor dem kleinen Gewitter in der Kabine. Von einer Enttäuschung über die Leistung wollte Robin Dutt dennoch nicht sprechen: „In dieser Phase der Vorbereitung gibt es keine Enttäuschungen, nur Erkenntnisse.“ Die da wäre: „Wir müssen körperlich und in Sachen Spielorganisation noch viel tun“, so der 48-Jährige.

Werder: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl (46. Pavlovic), Lukimya (73. Caldirola), Hartherz (46. Makiadi) - Ignjovski (73. Röcker), Trybull (46. Elia) - Arnautovic (63. Stevanovic), Kroos (46. Füllkrug), Junuzovic - Petersen (63. Wurtz). · csa

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