Werder reagiert auf Bengalo-Zwischenfall im Nordderby und bestraft Fans

Kein Zaun, aber auch keine Choreographien mehr

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Bremen - Eigentlich hätte Klaus-Dieter Fischer gestern bestens gelaunt sein müssen. Der Landesbetriebssportverband Bremen will Werders Präsidenten und Geschäftsführer wegen seines sozialen Engagements für den Nachwuchs mit dem Kinderoskar auszeichnen. Doch so richtig freuen kann er sich darüber noch nicht.

Zu frustriert und sauer ist der 73-Jährige nach wie vor über den Bengalo-Eklat beim Nordderby gegen den Hamburger SV am vergangenen Samstag. Gestern verkündete Fischer die ersten Maßnahmen des Vereins – und die werden einigen Fans ziemlich wehtun.

Zunächst jedoch zu den Nachrichten, die bei allen Zuschauern in der Ostkurve des Weserstadions für Erleichterung sorgen dürften: Es wird (vorerst) keine Preiserhöhung bei den Eintrittskarten und auch keinen hohen Zaun geben. „Wir wollen nicht alle Fans bestrafen“, erklärt Fischer gegenüber dieser Zeitung. Eine endgültige Entscheidung über den Zaun könne nur gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund und der Polizei getroffen werden. Fischer ist aber „guter Hoffnung, dass es bei der jetzigen Regelung bleibt“. Sollten sich solche Vorfälle wie im Nordderby, als zu Beginn der zweiten Halbzeit im Unterrang der Ostkurve bengalische Feuer gezündet worden waren, wiederholen, „werden wir uns aber nicht mehr dafür einsetzen, dass es keinen Zaun gibt“, betont Fischer. Heißt: Wird erneut gezündelt, wird gebaut.

Der für Fan-Angelegenheiten zuständige Geschäftsführer Fischer sieht in dem Pyrotechnik-Einsatz „einen Missbrauch unseres Vertrauens“ – und: „Dagegen muss man vorgehen.“ Genau das macht Werder nun. Der Verein will die zu erwartende Geldstrafe durch den DFB von den Tätern zurückfordern. Noch immer wird Bildmaterial ausgewertet, um sie einzeln zu identifizieren. Die einschneidendste Veränderung aber: Fortan sind im Weserstadion bis auf weiteres keine Choreographien und keine Blockfahnen mehr erlaubt. Der Verein vermutet die Verursacher des gefährlichen Zwischenfalls in den Reihen derjenigen, die auch für die Choreos verantwortlich sind. Wie lange das Verbot währt, mag Fischer nicht beurteilen: „Das kann ich jetzt nicht beantworten. Es muss erst wieder Vertrauen entstehen.“ Zudem haben die Gruppierungen, denen das Abbrennen der Bengalos eindeutig zuzuordnen sei, vorerst kein Vorrecht mehr auf Tickets für Bremer Auswärtsspiele. Und auch die Auswärtsdauerkarte, vor allem von Ultra-Gruppierungen gewünscht, wird nicht eingeführt.

Am Mittwochabend hatten sich die drei Geschäftsführer Fischer, Klaus Filbry und Thomas Eichin sowie Kapitän Clemens Fritz („Bengalos sind unnötig“) mit dem Fanbeirat getroffen. Dieser besteht aus Vertretern des Fanprojekts Bremen, des Dachverbands Bremer Fanclubs, der Werder-Fanbetreuung sowie der Ultra-Gruppierungen. Fischer: „Wir sind mit viel Augenmaß an die Aufarbeitung herangegangen und werden das auch weiterhin tun. Wir wollen unsere drei ,Ds‘ bewahren: Dialog, Deeskalation und Differenzierung. Wir wollen einen vernünftigen Weg finden.“

Enttäuscht ist Fischer von den Vertretern der betreffenden Fangruppierungen, die an der Runde teilnahmen: „Ich hatte eine Erklärung, eigentlich sogar eine Entschuldigung erwartet. Leider hat sich niemand in diese Richtung geäußert.“ Durch die Sanktionen hofft er auf Besserung. „Wenn man Fan von Werder Bremen ist, müssen diese Maßnahmen Nachdenklichkeit erzeugen“, findet Fischer, schränkt aber ein: „Ich schwanke ein bisschen, ob es tatsächlich so ist.“ · mr

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