Keeper Wolf immer stärker in der Kritik

Die Ablösung naht

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Der Blick durch das Tornetz ins Gesicht von Raphael Wolf verrät: Es war wieder kein guter Arbeitstag für den Werder-Torhüter. Fünf Tore kassierte er gegen Wolfsburg, hielt im ganzen Spiel nur einen Ball.

Bremen - Die Nachricht aus Frankfurt war – sagen wir es vorsichtig – zu desem Zeitpunkt nicht ganz im Sinne von Thomas Eichin und Viktor Skripnik. Während die Führungskräfte des SV Werder sehr bemüht sind, die nach einer Pannenserie an Dynamik und Schärfe zunehmende Diskussion um Torwart Raphael Wolf irgendwie einzudämmen, wird das Thema Felix Wiedwald plötzlich brandheiß und liefert der unerwünschten Debatte weitere Nahrung.

Der „kicker“ berichtete, dass sich Wiedwald und Eintracht Frankfurt auf die Streichung einer Klausel im am Saisonende auslaufenden Vertrag des 24-Jährigen geeinigt haben. Demnach wäre der Ersatzkeeper bei 20 absolvierten Saisonspielen (aktuell steht er bei zehn) ein weiteres Jahr an die Hessen gebunden gewesen. Da Wiedwald momentan nur zweiter Mann hinter Kevin Trapp ist, hätte er die Marke wohl ohnehin nicht erreicht. Doch weil der Passus jetzt gelöscht wurde, ist garantiert, dass er im Sommer ablösefrei gehen kann. Einer Rückkehr nach Bremen steht demnach nichts mehr im Wege. Und wenn Wiedwald erstmal für Werder spielt, wird er Wolf als Nummer eins ablösen. Das ist jedenfalls der allgemeine Glaube unter den Fans.

Das ist aber nicht der bestätigte Plan der sportlichen Leitung. Niemand sagt, wie der Stand im Bemühen um Felix Wiedwald ist. Niemand sagt etwas, das Raphael Wolf weiter beschädigen könnte. „Wir fangen nicht schon wieder ein Torwart-Thema an“, erklärte Sportchef Eichin gestern.

Im Januar war er noch forscher gewesen, hatte Wiedwalds Wechsel zurück in die alte Heimat – der Keeper wuchs in Achim auf, wurde bei Werder ausgebildet – öffentlich vorangetrieben. Wenn er nicht schon während der Winter-Transferperiode kommen würde, dann doch spätestens im Sommer, hatte Eichin selbstbewusst gesagt. Jetzt naht der Sommer. Und Felix Wiedwald auch? Es gilt längst als beschlossene Sache, dass er in Bremen andocken wird.

Raphael Wolfs Aktien an der Weser sinken derweil immer weiter. Zuletzt waren es ein Fehler gegen Augsburg und ein dicker Patzer beim 1:1 auf Schalke, die die Diskussion um den 26-Jährigen wieder neu anfachten. Das 3:5 gegen Wolfsburg am Sonntag verbesserte seine Position auch nicht. Wolf hielt im ganzen Spiel nur einen Ball, hatte am ersten Gegentreffer eine Mitschuld. Insgesamt sind bei ihm Paraden eine Seltenheit, seine persönliche Saisonstatistik ist miserabel. Der Bremer Schlussmann kommt auf 43 Gegentore und nur 56,6 Prozent gehaltene Bälle – damit ist er unter den Stammkeepern der Liga das abgeschlagene Schlusslicht. Zum Vergleich: Roman Weidenfeller (Dortmund) und Thomas Kraft (Hertha) kommen als 16. und 17. auf 63 Prozent.

Obwohl die Zahlen und auch der subjektive Eindruck gegen Wolf sprechen, wird aktuell nicht an seinem Status gerüttelt. Er sei zufrieden mit allen Spielern, meinte Skripnik am Sonntag. Auch mit dem Torhüter? Ja, auch mit ihm, sagte der Coach: „Ich will niemanden kritisieren. Ich brauche nur positiv-gestimmte Spieler.“ Eichin sagte unmittelbar nach der Wolfsburg-Pleite: „Ich lasse keine Torhüter-Dikussion zu.“ Dass der bis Saisonende vom VfL Wolfsburg ausgeliehene Koen Casteels kurzfristig übernimmt, scheint nicht gewollt zu sein.

Folglich läuft erstmal alles weiter wie bisher. Wolf bleibt auch im DFB-Pokalspiel morgen bei Arminia Bielefeld im Kasten, Werder hofft auf weniger Fehler und redet den Schlussmann stark – auch die Kollegen. „Wir stehen voll zu Raphael. Er gibt uns Sicherheit und ein gutes Gefühl“, behauptete Verteidiger Jannik Vestergaard ganz im Sinne seiner um Ruhe bemühten Chefs.

csa

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