Der Keeper fühlt sich als Nummer eins sicher und hat Spaß mit Vander

Wolf freut sich, dass Werder wieder Fußball spielt

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Nach dem ersten Heimsieg der Saison hat Werder-Keeper Raphael Wolf allen Grund dazu, die Fäuste zu ballen und sich in Kämpferpose zu präsentieren.

Bremen - Raphael Wolf ist ganz in schwarz gekleidet, spricht ziemlich leise und gönnt sich nur hin und wieder ein Lächeln. Wer es nicht weiß, glaubt nicht, dass dort ein Sieger steht. Er hätte allen Grund zur Freude: dritter Pflichtspielsieg in Folge mit Werder, erstes Zu-Null-Spiel in dieser Bundesliga-Saison und endlich nicht mehr die Schießbude der Liga. Doch der Keeper bleibt auch im Erfolg seiner Linie treu: bloß am Boden bleiben, auf keinen Fall überdrehen. Nur beim Thema „Werders Nummer eins“ ist es vorbei mit der Zurückhaltung.

„Es lag doch nicht an mir, dass wir so viele Gegentore bekommen haben“, behauptet Wolf. 24 Mal musste er in dieser Saison hinter sich greifen – so viel wie kein anderer Bundesliga-Keeper. Nur beim VfB Stuttgart hat es häufiger geklingelt: 25 Mal – allerdings verteilt auf Sven Ulreich und dessen Nachfolger Thorsten Kirschbaum. Lediglich bei einem Gegentor macht sich Wolf nachträglich einen Vorwurf: „Den ersten Ball gegen Schalke kann ich halten.“ Werder verliert die Partie nach guter erster Halbzeit mit 0:3.

Bei den 23 anderen Gegentoren gilt fast immer: eigentlich machtlos, aber… Gewisse Restzweifel bleiben einfach, ob ein Toptorhüter den Ball vielleicht nicht doch abgewehrt hätte. Das liegt auch daran, weil Wolf nur wenig Glanzparaden zeigt – so wie zum Beispiel am Samstag gegen Stuttgart, als er beim Stand von 1:0 einen Flachschuss von Martin Harnik reaktionsschnell entschärft. Werder gewinnt die Partie mit 2:0. Als Matchwinner wird zwar nicht Wolf gefeiert, sondern Fin Bartels als Kunstschütze zum 2:0, doch der Keeper darf sich durchaus mal als solcher fühlen. „Ich hatte in dieser Saison auch andere gute Szenen“, betont der 26-Jährige und verweist auf Paraden gegen Hertha, Hoffenheim und Leverkusen. Alles Spiele aus der Startphase der Saison. Danach stand er oftmals auf verlorenem Posten – wie sein Team.

Es folgte der Trainerwechsel, aber kein Torwartwechsel zu Richard Strebinger. „Das ist kein Thema, das haben sie mir auch bekräftigt“, berichtet Wolf. Mit „sie“ ist das neue Trainerteam gemeint: Viktor Skripnik, Torsten Frings, Florian Kohfeldt und Christian Vander. Letzterer ist Wolfs neuer Torwarttrainer, sein Dritter bei Werder. Unter Michael Kraft war er nicht an Sebastian Mielitz vorbeigekommen. Unter Marco Langner änderte sich das, Chefcoach Robin Dutt machte ihn am 14. Spieltag zur neuen Nummer eins. „Sie haben mir das Vertrauen gegeben, das habe ich nicht vergessen“, bedankt sich Wolf, fügt allerdings auch selbstbewusst an: „Ich habe mir dieses Vertrauen im Training erarbeitet.“ Und er spürt es nun auch bei Vander – seinem ehemaligen Kollegen. Denn vor zwei Jahren standen sie noch gemeinsam im Werder-Kader, ehe Vander seine Karriere beendete und sich zum Torwarttrainer ausbilden ließ. „Er ist ein guter Typ, ein guter Torwarttrainer, es macht Spaß“, lobt Wolf. Er profitiere davon, dass Vander selbst in der Bundesliga und für Werder im Tor stand: „Er kennt das alles.“

Das sei auch das große Plus bei Skripnik. „Er will, dass wir Fußball spielen. Werder steht doch für guten Fußball. Und jeder Bundesliga-Spieler will doch Fußball spielen – und das sollen wir uns trauen, sagt Viktor“, berichtet der Keeper und hat schon festgestellt: „Wir sind mutiger geworden. Wir halten den Ball länger, versuchen, auch mal hinten herum aufzubauen. Und wenn wir den Ball haben, heißt das, dass der Gegner keine Chancen kreieren kann.“

Werder stellt sich im Abstiegskampf also nicht hinten rein, sondern sucht die spielerische Lösung, um unten rauszukommen – und der Keeper findet es gut: „Das ist der richtige Weg. Das zeigen die Ergebnisse, das zeigt die Tabelle.“ So soll es am 23. November weitergehen. „Dann haben wir die Möglichkeit, uns vom HSV abzusetzen, und die wollen wir nutzen“, blickt der Keeper schon jetzt auf das Nordderby in Hamburg – und erwartet ein ganz spezielles Spiel: „Im Derby geht es immer zur Sache, das ist klar. Aber was der HSV in seinem letzten Heimspiel gegen Leverkusen abgeliefert hat, das war schon grenzwertig.“

Angst vor zu aggressiven Hamburgern hat Wolf natürlich nicht. Er kann nämlich auch ganz anders. Als ihn ein Fotograf nach dem Gespräch um ein exklusives Foto bittet, stellt sich der Keeper vor ein Foto der Osttribüne, ballt die Fäuste – und sieht nun auch wie ein Sieger aus.

kni

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