Ein Karaoke-Bar-Skandal und andere Nackenschläge

2010: Lee bei seiner einzigen Weltmeisterschaft.

Werder-Bremen - JEONJU · Traurig musste Dong-Gook Lee mitansehen, wie wieder eine Riesenchance dahinging. Anfang November verloren seine Jeonbuk Hyundai Motors aus Südkorea das Finale der asiatischen Champions League gegen Al-Sadd (Katar) – und der Ex-Bremer konnte es nicht verhindern.

Auch bei Werder Bremen hatte Lee meistens nur zugesehen. Der Bundesligist lieh den flinken Angreifer 2001 für ein halbes Jahr von den Pohang Steelers (Südkorea) aus. Immerhin war der damals 21-Jährige der Top-Star beim Asien-Cup 2000 gewesen, hatte sechs Tore erzielt. Neben den vielen Vorschusslorbeeren brachte der heute 32-Jährige eine Menge Journalisten aus der Heimat mit. Positive sportliche Schlagzeilen konnten sie über ihren Landsmann allerdings nicht schreiben. Kein Wunder, bei nur sieben Einwechslungen und insgesamt 128 Bundesliga-Minuten. Dennoch ging Lee nach sechs Monaten nicht im Groll. „Werder war eine interessante Erfahrung. Ich werde Bremen immer in guter Erinnerung behalten“, sagte der Südkoreaner damals zum Abschied.

Wieder bei den Pohang Steelers, kam zwar die Treffsicherheit zurück – doch es folgte auch ein weiterer Nackenschlag. Der damalige Nationalcoach Guus Hiddink nominierte ihn überraschend nicht für die Heim-WM 2002. „Eine riesige Enttäuschung“, meinte Lee, der sich nicht mal im Fernsehen ansah, wie Südkorea erst im Halbfinale von Deutschland gestoppt wurde (0:1) und letztlich sensationell Dritter wurde.

Nach anfänglicher Trauer und Wut gab er in seinen Vereinen – dem Armee-Club Gwangju (46 Spiele, zwölf Tore) und dann erneut den Pohang Steelers (37/14) – Vollgas und eroberte sich auch in der Nationalmannschaft wieder einen Stammplatz. Doch dann das: Zwei Monate vor der WM 2006 in Deutschland riss sein Kreuzband – wieder kein großes Turnier, wieder ein Traum geplatzt.

Und die Achterbahn fuhr weiter. Erst glänzte Lee bei Pohang mit zehn Toren in sieben Spielen, war obenauf. Aber danach ging’s richtig steil bergab. Auch der zweite, anderthalb Jahre währende Europa-Abstecher zum englischen FC Middlesbrough misslang gründlich (kein Tor in 23 Einsätzen). „Der Druck war zu groß“, meinte Lee. Der Tiefpunkt war dann die einjährige Verbannung aus dem Nationalteam 2007: Mit einigen Teamkollegen hatte er während des Asien-Cups bis in die Morgenstunden in einer Karaoke-Bar im indonesischen Jakarta gefeiert, getrunken und sich angeblich mit einer Kellnerin vergnügt.

Lee brauchte eine Weile, bis er wieder auf die Beine kam, spielte eine schwache Saison in Seognam (Südkorea). Aber er kam zurück: Im Januar 2009 wechselte er nach Jeonbuk, traf nach Belieben (49 Tore in 84 Spielen) und durfte endlich zu einer WM. In Südafrika brachte es der 86-malige Nationalspieler 2010 immerhin auf zwei Kurzeinsätze.

In diesem Jahr schoss der 32-Jährige sein Team mit neun Treffern ins Finale der asiatischen „Königsklasse“, war Torschützenkönig des Wettbewerbs. Doch ausgerechnet vor dem Endspiel plagte er sich mit einer Wadenverletzung herum. Lee versuchte es trotzdem, wurde in der 71. Minute eingewechselt. Am Ende stand es 2:2, es gab Elfmeterschießen. Lee trat nicht an, Jeonbuk verlor mit 2:4 – und der große Titel war futsch. · bis

Lesen Sie auch die bisherigen Folgen der Serie:

Serie Teil 8: Marco Reich „In Deutschland bin ich verbrannt“

Serie Teil 6: Tjikuzu – der arbeitslose Abstiegs-Experte Serie Teil 5: Carlos Alberto - Der gescheiterte Wandervogel Serie Teil 4: Aymen Abdennour – auf dem Sprung zu Arsenal?
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