Tim Wiese liebäugelt bei Werder mit der Frings-Nachfolge / Schnelle Vertragsverlängerung möglich

„Kapitän? Ich würde es machen“

Nur Platz 29 in einer Rangliste der Bundesliga-Torhüter. Doch dazu fällt Werder-Keeper Tim Wiese nur ein: „Das ist totaler Quatsch.“ ·

Bremen - Ihn nervte es wohl am meisten, dass Werder Bremen in dieser Saison nicht um Titel, sondern gegen den Abstieg spielte: Denn Keeper Tim Wiese flogen die Bälle nur so um die Ohren. Noch so eine Saison will der 29-Jährige nicht erleben. Im Interview spricht der Nationaltorwart über seine Ziele und seine Ambitionen, Werder-Kapitän zu werden.

Herr Wiese, Schalkes Manuel Neuer wurde von den Bundesliga-Spielern im „kicker“ zum besten Torhüter der Saison gewählt. Haben Sie auch für ihn gestimmt?

Wiese:Ich habe da gar nicht mitgemacht. Aber wird er nicht jedes Jahr der Beste? Wenn er die meisten Stimmen hatte, dann wird es wohl auch stimmen.

Also ist Ihr fünfter Platz auch okay.

Wiese:Keine Ahnung, ich gucke mir so etwas nicht an.

Wie sieht‘s denn mit Statistiken aus? In der Wertung für gehaltene Schüsse sind Sie in der Bundesliga nur auf Rang 29 von 39 eingesetzten Torhütern.

Wiese:Ist doch gut, dass ich nicht Letzter bin. Gerade diese Statistik ist doch totaler Quatsch, weil da meistens Torhüter mit wenigen Spielen oben stehen. Deshalb interessiert mich das auch nicht.

Sind Sie denn mit Ihrer Leistung in dieser Saison zufrieden?

Wiese:Das sollen andere bewerten. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Aber der Tabellenstand spricht nicht gerade für eine gute Werder-Saison. Und ich stand da nun einmal im Tor . . .

Werders Rückhalt: Tim Wiese

Werders Rückhalt: Tim Wiese

Bundestrainer Joachim Löw setzt trotzdem auf Sie. Freuen Sie sich auf die Nationalmannschaft oder wären Sie nach der Horror-Saison lieber in den Urlaub gefahren?

Wiese:Die Nationalmannschaft ist das Größte, da habe ich gerne weniger Urlaub.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Manuel Neuer?

Wiese:Ganz normal. Wir kommen gut miteinander aus.

Verfolgen Sie sein Wechseltheater?

Wiese:Das ist nicht mein Thema, ich bin Angestellter von Werder Bremen.

Aber Ihr Name fällt immer wieder, wenn es um einen möglichen Neuer-Nachfolger auf Schalke geht.

Wiese:Ich habe hier bei Werder einen Vertrag, der bis 2012 läuft.

Werden Sie nächste Saison auch hier spielen?

Wiese:Davon gehe ich aus.

Werden Sie Ihren Vertrag auch vorzeitig verlängern?

Wiese:Mit mir hat noch niemand gesprochen, aber es gab ein Treffen von Klaus Allofs mit meinem Berater. Da wurde signalisiert, dass Werder mit mir weitermachen will. Aber es sind ja noch ein paar Tage, bis der Vertrag ausläuft . . .

Sie lassen sich also Zeit?

Wiese:Es kann auch ganz schnell gehen.

Die fetten Jahre bei Werder sind vorbei, ist das nicht ein blöder Zeitpunkt für eine Vertragsverlängerung?

Wiese:Natürlich ist es immer die Ambition eines Profis, einen möglichst guten Vertrag zu bekommen. Ich kenne die finanzielle Lage von Werder nicht. Aber der Verein hat sieben Jahre international gespielt und große Einnahmen gehabt.

Sie haben zuletzt ganz klar gesagt, dass Sie so eine Saison nicht noch einmal erleben wollen und damit indirekt auch Verstärkungen gefordert. Ist die Verpflichtung von Mehmet Ekici ein erstes positives Signal?

Wiese:Ja sicher. Er hat in Nürnberg eine gute Saison gespielt. Ich hoffe, er macht hier so weiter.

In der Abwehr sieht‘s noch düster aus, die komplette Innenverteidigung ist verletzt oder ohne Vertrag. Machen Sie sich Sorgen, den Kasten wieder voll zu kriegen?

Wiese:Nein. Es ist noch genügend Zeit, Klaus Allofs und Thomas Schaaf werden das schon meistern. Außerdem können wir nicht noch einmal so viel Pech haben wie letzte Saison. Naldo und Sebastian Boenisch haben quasi gar nicht gespielt, und Claudio Pizarro hatte fünf Faserrisse, das ist schon komisch gelaufen.

Der Verein plant den Umbruch – eine gute Entscheidung?

Wiese:Ich kann mit dem Begriff Umbruch nicht so viel anfangen. Jedes Jahr kommen und gehen doch Spieler. Für mich zählt nur, dass wir wieder nach oben kommen.

Das müssen Sie ohne Torsten Frings schaffen.

Wiese:Es ist schon traurig, dass er geht. Torsten war ein richtiger Typ, der die Mannschaft zusammengehalten hat. Aber jeder Spieler ist ersetzbar.

Wer wird sein Nachfolger als Kapitän?

Wiese:Es wird sicher ein erfahrener Spieler sein, aber das entscheidet natürlich der Trainer, und das ist auch gut so.

Wie wäre es mit Ihnen?

Wiese:Wenn der Trainer mich auswählt, dann würde ich es machen. Aber ich hätte auch kein Problem damit, wenn er sich für einen anderen entscheiden würde. Die Mannschaft ist wichtiger als der Einzelne.

Ist das auch eine Lehre aus der abgelaufenen Saison?

Wiese:Man hat ja schon in den letzten Spielen gesehen, dass wir als Mannschaft zusammengewachsen sind. Jeder hat kapiert, worum es geht. So muss es weitergehen, wir müssen den Rasen bei jedem Spiel umpflügen, dann werden wir auch wieder Erfolg haben. Ich bin optimistisch. Man sollte nach so vielen erfolgreichen Jahren und nur einer schwachen Saison nicht alles schlechtreden.

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