Kapitän Fritz mahnt: „Ohne Reibereien kann man als Mannschaft nicht wachsen“

Toller Teamgeist – aber wie lange hält die Harmonie?

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Clemens Fritz hat in Österreich gute Stimmung ausgemacht. „Es muss aber auch mal krachen“, findet der Kapitän.

Zell am Ziller - Am Ende fiel es noch mal, das meistausgesprochene Wort des Trainingslagers. „Unser Teamgeist“, urteilte Trainer Robin Dutt nach dem Abschluss-Spiel gegen Athletic Bilbao (2:2), „ist nahezu perfekt“.

Werder Bremens Coach hatte während der zehn Tage im österreichischen Zillertal einiges getan, um eben diesen Teamgeist weiter zu stärken: Ein Triathlon in Dreiergruppen, Rafting auf Lkw-Reifenschläufen („Tubing“), ein von Sponsor VW organisiertes Fahr-event in Innsbruck. „Es war immer etwas Neues und nichts Ausgelutschtes“, meint Stürmer Nils Petersen.

Man könnte auf den Gedanken kommen, Werder sei ein total zerstittener Haufen – so viel teambildende Maßnahmen standen in Zell am Ziller auf dem Programm. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Und bei der Mannschaft kamen alle nicht-fußballerischen Aktivitäten glänzend an, sie fühlt sich mehr denn je als „eingeschweißte Truppe“, wie Zlatko Junuzovic hervorhebt: „In dieser Hinsicht haben wir einen Schub nach vorne bekommen.“

Seine Mannschaftskollegen sehen es genauso. „Mein erster Eindruck ist überragend, wir haben ein richtig gutes Klima und ein geiles Team“, schwärmt Petersen. Es gebe „keine Stinkstiefel, denen man morgens beim Büffet lieber nicht über den Weg laufen möchte“. Auch Felix Kroos ist angetan von der mannschaftlichen Geschlossenheit: „Der Teamgeist war schon in der vergangenen Saison gut. Ich habe aber das Gefühl, dass wir uns mit gut nicht zufrieden geben, sondern noch ein Stück draufsetzen wollen. Jeder arbeitet für den anderen.“ Das sei in jedem Training zu sehen und „ein wichtiger Grundstein“. Dutt prophezeit sogar: „Der Teamgeist wird in dieser Saison unser großes Plus, unser Faustpfand.“

Bei Werder haben sich momentan alle lieb – so der Eindruck im Zillertal. Doch genau das birgt auch Gefahren, findet Clemens Fritz, der gestern von Dutt als Kapitän bestätigt wurde. Der 33-Jährige warnt vor zu viel Harmonie: „Dann besteht die Gefahr, dass man sich alles schönredet. Da muss man vorsichtig sein. Es muss auch mal ein bisschen krachen und Reibereien geben. Ohne die kann man als Mannschaft nicht wachsen.“

Derzeit befindet sich Werder mitten in der Vorbereitung. Da geht es im Training ordentlich zur Sache, und es gibt „auch mal was auf die Strümpfe“, sagt Sportchef Thomas Eichin. Aber jeder bekommt in den Tests seine Spielanteile. Keiner ist sauer, wenn er mal auf der Bank sitzt. Noch. Denn je näher der Saisonstart rückt, desto härter wird der Kampf um die Plätze. „Die schwierige Zeit kommt noch“, sagt Fritz und meint damit nicht nur die immer intensiver werdende Rangelei um Positionen. Der Kapitän spielt seit 2006 bei Werder und weiß, dass zum Beispiel ein schlechter Start aufs Gemüt schlagen und die gute Stimmung schlagartig killen kann. „Wenn Kritik aufkommt, wird sich zeigen, wie gefestigt wir wirklich sind“, betont Fritz.

Eichin rühmte zwar im Zillertal seine „charakterlich einwandfreie Truppe“ – aber auch der Bremer Sportchef ist gespannt, wie es sein wird, wenn es hart auf hart kommt. Bisher gebe es „keine Anzeichen, dass wir irgendetwas sanktionieren müssen. Aber man muss das beobachten, das ist wichtig“. Teamgeist hin, Teamgeist her. „Letztlich“, unterstreicht Eichin mit Blick auf die Saison, „ist Gewinnen Spaß – und nichts anderes“.

mr

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