Kapitän Fritz kehrt ins Team zurück und will bei Kollegen Blockaden lösen

Reine Kopfsache?

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Frust? Abstiegsangst? Mentale Blockaden? „Wir müssen das abschütteln“, fordert Kapitän Clemens Fritz.

Bremen - Von Carsten Sander. Im immer bedrohlicheren Abstiegskampf tut dem SV Werder Bremen diese Nachricht gut: Der Kapitän ist zurück. Zwei Partien hat Clemens Fritz zuletzt wegen einer Überlastungsreaktion im Sprunggelenk verpasst, eine dritte soll nicht dazukommen. Wenn Werder Bremen morgen (20.00 Uhr) bei Bayer Leverkusen den Überlebenskampf in der Fußball-Bundesliga fortsetzt, wird Fritz wohl wieder dabei sein.

„Bleibt es so, wie es ist, wäre ich zufrieden“, sagte der 35-Jährige gestern über den Zustand seines Sprunggelenks, nachdem er sein Comeback im Teamtraining gegeben hatte. Die 45-minütige Einheit sei für ihn ohne gravierende Probleme verlaufen. Schmerzen? Wenig, auf jeden Fall tolerierbar, sagte Fritz: „Ich hoffe, dass jetzt keine Reaktion auftritt.“ Wenn nicht, dann wird er morgen spielen. Und das dürfte für einige Erleichterung im Team und beim in der Kritik, aber laut Geschäftsführer Thomas Eichin nicht auf der Kippe stehenden Trainer Viktor Skripnik sorgen. Zum einen müsste der Coach bei der Besetzung des defensiven Mittelfelds keine weiteren waghalsigen Personalrochaden mehr vollziehen, zum anderen bekäme das Team einen Führungsspieler zurück. Einen, bei dem nicht nur die Gelenke halten, sondern der auch im Kopf stark ist. Werder braucht das jetzt. Denn die Ausbeute von nur zwei Punkten aus den Schlüsselspielen gegen 1899 Hoffenheim (1:1), FC Ingolstadt (0:1) und Darmstadt 98 (2:2) hat nicht nur in der Tabelle die Situation verschärft – sondern auch im Oberstübchen der Spieler.

„Wir sind blockiert im Kopf“, hatte Zlatko Junuzovic am Samstag ganz deutlich gesagt und damit ein nicht mehr zu leugnendes psychologisches Problem bei Werder angesprochen. Auch Theodor Gebre Selassie räumte mit Blick auf das Wochenende ein: „Es ist nicht einfach für den Kopf, wenn es 1:1 steht, wir spielen und spielen, Chancen haben, aber der Gegner das 2:1 macht.“ Florian Grillitsch rätselte ebenfalls über mentale Blockaden: „Wir wollen unbedingt da unten raus, bekommen aber nicht das auf den Platz, was wir uns vornehmen. Vielleicht verkrampft man da.“

Alles verständlich, alles nachvollziehbar. Und dennoch darf es nicht sein. Clemens Fritz, von dem Skripnik sagt, dass er fast schon „wie ein Trainer“ sei, gibt zu, dass es „nicht immer einfach ist“, nach Rückschlägen die Zuversicht und den Glauben an die eigene Stärke zu bewahren: „Es ist ermüdend, es ist anstrengend, es kostet Kraft. Aber wir müssen die Enttäuschung wieder abschütteln und nach vorne schauen. Und mutig müssen wir sein.“

Von Mut war in drei Halbzeiten gegen die Aufsteiger Ingolstadt (0:1) und Darmstadt jedoch nichts zu sehen gewesen. Einmal war es die per Taktik vom Trainer verordnete Angst, die die Mannschaft gelähmt hatte, dann war es die Angst vor dem nächsten Versagen. Erst in der zweiten Halbzeit gegen Darmstadt habe die Mannschaft „die Mentalität gezeigt, die wir über die gesamte Zeit brauchen“, meint Fritz.

Fritz und Sternberg zurück im Mannschaftstraining

Zuletzt war den Bremern das in Leverkusen gelungen, beim 3:1 im DFB-Pokal-Viertelfinale. Drei Wochen ist das her. Und die Partie damals könnte als gutes Omen für morgen Abend gewertet werden – wenn man denn an schicksalstragende Vorzeichen und anderen Hokuspokus glaubt. Theodor Gebre Selassie macht es nicht. „Es wird ein komplett neues Spiel“, sagte er und führte als Argument die Erlebnisse mit Borussia Mönchengladbach an. Im Pokal hatte Werder dort im Dezember 4:3 gewonnen, sieben Wochen später aber in der Liga 1:5 verloren.

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