Neuzugang Aymen Abdennour stellt sich der Kritik – aber ein bisschen Geduld „wäre schön“

„Kämpfen, kämpfen, kämpfen“

„Ich habe Fehler gemacht, aber ich kann es besser“, sagt Werders Linksverteidiger Aymen Abdennour.

Werder-Bremen - Von Arne Flügge (Eig. Ber.) · Drei Spiele, drei Niederlagen. Für Werder Bremens neuen Linksverteidiger Aymen Abdennour fiel der Start ins neue Jahr verheerend aus. Im Interview spricht der 20-Jährige über die massive Kritik, die auf ihn einprasselt, seine Liebe zum Club und warum er doch der Richtige sein könnte.

?Herr Abdennour, Sie standen zuletzt stark in der Kritik. Fühlen sie sich als Sündenbock?

!Ich denke, es wäre nicht fair, mich jetzt zum Sündenbock zu machen. Die ganze Mannschaft hatte zuletzt Misserfolge. Da ist es für mich als neuen Spieler natürlich besonders schwer. Hätte wir gewonnen, wäre ich sicher nicht so hart verurteilt worden. So aber wurde ich besonders kritisiert.

?Zu Recht?

!Mit der Kritik muss ich leben. Aber ich denke, dass meine Persönlichkeit stark genug ist, dass ich mich nicht unterkriegen lasse. Ich bin ein Kämpfer.

?Das klingt nach sehr viel Selbstvertrauen.

!Ja, das habe ich. Ich bin aber auch selbstkritisch genug, um zu sagen: Es ist noch nicht so für mich gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Natürlich habe auch ich Fehler gemacht. Doch jeder macht mal Fehler. Gerade in einer Situation, in der es insgesamt nicht so gut läuft, baut man schneller mal Mist. Doch ich werde daran arbeiten, die Dinge abzustellen.

?Wurde von Ihnen zu schnell zu viel erwartet?

!Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass ich sofort richtig überzeuge. Aber man darf auch eines nicht vergessen: Ich bin erst drei Wochen hier. Ich bin in ein anderes Land, ein anderes Klima, eine neue Kultur gekommen, lerne gerade eine neue Mannschaft und neue Menschen kennen. Das sollte man bitte auch berücksichtigen.

?Sie würden sich also mehr Geduld wünschen?

!Sicher, ein wenig Geduld mit mir zu haben, wäre schön. Ich weiß um meine Qualitäten, und ich bin mir sicher, dass ich Werder helfen kann. Sie werden bald den Aymen sehen, den die Vereinsführung beobachtet hat, nicht den, den die Fans zuletzt gesehen haben. Da bin ich mir sicher.

?Nach den letzten Trainingseinheiten zu urteilen droht Ihnen gegen Hertha allerdings erstmals die Bank.

!Es ist noch nichts entschieden. Das hat mir der Trainer gesagt. Natürlich würde ich gegen Berlin gerne spielen. Und ich werde kämpfen, kämpfen, kämpfen, bis ich ihn überzeugt habe. Ich habe großen Respekt vor Thomas Schaaf. Wenn er sich anders entscheidet, werde ich das klaglos akzeptieren. Es ist im Fußball nun mal so, dass ein Spieler auch mal auf der Bank sitzen muss. Gerade bei einem so starken Kader wie wir ihn haben. Und dann werde ich es lernen müssen, auf der Bank zu sitzen, denn es wäre für mich das erste Mal in meiner Karriere. Sollte Petri Pasanen spielen, wünsche ich ihm viel Glück. Wichtig ist doch, dass die Mannschaft gewinnt.

Werders Linksverteidiger Aymen Abdennour (Mitte) im Gespräch mit Kreiszeitungs-Sportredakteur Arne Flügge (li.). Rechts: Abdennour-Berater Mohamed Khammar.

?So etwas hören Fans natürlich gerne. In Tunesien sind sie nicht nur zum besten Abwehrspieler 2009, sondern auch zum beliebtesten Spieler des Landes gewählt worden. Und das sogar von der Anhängerschaft der anderen Clubs. Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung der Fans?

!Sehr wichtig. Die Fans sind mit Herzblut für ihren Club dabei, und auch ich bin mit Herzblut für Werder dabei. Ich hoffe, dass die Fans mich lieben lernen. Das würde mir sehr helfen.

?Man hat den Eindruck, Sie wollen es allen recht und alles perfekt machen.

!Ja, denn Werder ist mein Traumverein. Ich liebe den Club, seit ich ein kleiner Junge war. Dass ich jetzt hier spiele, ist fast schon unglaublich. Es ist wunderbar. Alle helfen mir und unterstützen mich: Klaus Allofs, Thomas Schaaf, die Mitspieler. Und ich will unbedingt etwas davon zurückgeben.

?Setzen Sie sich damit vielleicht auch zu sehr unter Druck?

!Vielleicht tue ich das in der Tat ein wenig. Aber ich will mir unbedingt diesen Traum erfüllen, den ich seit meiner Kindheit träume. Ich will zeigen, dass ich hier hergehöre, dass ich das Zeug habe, für Werder zu spielen. Ich fühle mich hier schon zu Hause.

?Haben Sie kein Heimweh? Schließlich sind Sie mit 20 Jahren noch jung und waren noch nie länger von ihrer Familie getrennt.

!Natürlich habe ich Sehnsucht nach meiner Mutter, meinem Vater und den Geschwistern. Doch Werder tut alles, damit ich mich hier wohl fühle.

?Ein bisschen mehr Sonne wäre vielleicht nicht schlecht. Nur Schnee und Kälte – für Sie ja völlig ungewohnt.

!Stimmt. Ich hatte vorher noch nie Schnee gesehen. Aber ehrlich: Ich mag ihn, ich kann nicht genug davon haben.

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