Ab in die Kabine nach dem 0:3 gegen Leverkusen

Werders Untergang – und die Bosse sind stocksauer

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Dieses Gesicht sagt alles: Trainer Viktor Skripnik kündigte nach dem enttäuschenden 0:3 gegen Leverkusen eine deftige Aussprache an: „Ich werde unangenehm sein!“

Bremen - Von Björn Knips. Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic war mitten im TV-Interview, als ihn gestern Nachmittag ein Werder-Mitarbeiter wegzog und in die Kabine beorderte. Auf Anweisung von Thomas Eichin.

Der Sportchef war nach der 0:3 (0:1)-Heimpleite gegen Bayer Leverkusen stocksauer und wollte umgehend von den Spielern wissen, „warum sie so ein schlechte zweite Halbzeit gespielt haben. Wir waren gar nicht mehr da. Das ist mir unerklärlich.“Trainer Viktor Skripnik war genauso ratlos und so enttäuscht, dass er noch nicht vor der Mannschaft reden wollte: „Ich muss erst eine Nacht darüber schlafen, damit ich nicht zu viel sage.“ Heute Morgen gibt es dann eine Standpauke, eine, die sich gewaschen hat, wie Skripnik ankündigte: „Ich werde unangenehm sein!“

Nach drei Niederlagen am Stück in einer Woche herrscht dicke Luft an der Weser. Die Angst aus der vergangenen Saison ist zurück. „Wenn wir so weitermachen, sind wir ein Kandidat für den Abstiegskampf“, fauchte Skripnik: „Zum Glück haben wir schon sieben Punkte.“ Deshalb ist Werder noch Tabellen-13., aber der Relegationsplatz nur drei Zähler entfernt. Vor genau einem Jahr hatten die Bremer erst drei Zähler gesammelt.

Werder in der Einzelkritik

Ein schwacher Trost – genauso wie die erste Halbzeit. Die hatten die Gastgeber total offen gestalten können. Nach den bitteren Pleiten gegen die Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt präsentierte sich das Team hochkonzentriert und sehr kampfstark. Vier Umstellungen hatte Skripnik vorgenommen – nur zwei davon freiwillig: Alejandro Galvez und Janek Sternberg mussten nach ihren schwachen Leistungen auf die Bank. Dazu fehlte Fin Bartels gesperrt, und kurzfristig fiel auch noch Aron Johannsson mit Adduktorenproblemen aus. Für ihn stand erstmals Claudio Pizarro in der Startelf und sorgte vor dem Anpfiff für viel Jubel im mit 40005 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Weserstadion. Dieser Vorfreude wurde der 36 Jahre alte Peruaner dann allerdings nicht gerecht. Einige clevere Pässe vor der Pause, das war es auch schon. Nicht viel besser lief es bei Junuzovic, der nach überstandener Erkältung wieder von Beginn an dabei war. Neu im Team waren auch Felix Kroos, der den gesperrten Philipp Bargfrede einmal mehr nicht ersetzen konnte, und Leverkusen-Leihgabe Levin Öztunali, der einmal mehr nicht explodierte.

Training nach dem Leverkusen Spiel

Wie zum Beispiel in der achten Minute: Öztunali kämpfte sich zwar gut in den Strafraum, doch der Abschluss war dann ungefährlich. Im Gegensatz zum Versuch von Anthony Ujah, dessen Geschoss nach feiner Vorarbeit des guten Santiago Garcia an den Pfosten krachte (26.).

Werder war zwar nicht die bessere Mannschaft, hatte aber die besseren Chancen – und verteidigte wirklich geschickt. Aber nur bis zur 31. Minute: Erst verlor Kroos ungeschickt einen Zweikampf, dann Theodor Gebre Selassie unnötig den Ball – und den eher harmlosen Schuss von Admir Mehmedi fälschte Assani Lukimya unglücklich ab – 0:1. Ein saudämliches Tor. Und schon das Ende aller Träume, denn Werder sollte sich davon nie mehr erholen und konnte froh sein, dass der Rückstand zur Pause nicht noch höher war.

Bayer Leverkusen besiegt Werder Bremen mit 3:0

„Wir wollten in der zweiten Halbzeit so richtig loslegen“, erinnerte sich Lukimya nach dem Spiel, ehe auch ihn der Eichin-Appell in die Kabine befahl. So konnte der Innenverteidiger nicht mehr erklären, was sowieso nicht zu erklären war: Werders Untergang. Eingeleitet durch ein zu ungestümes Einsteigen von Lukimya kurz vor dem Strafraum gegen Karim Bellarabi. Den fälligen Freistoß zirkelte Julian Brandt ausgesprochen gefühlvoll unter die Latte (58.). Ausgerechnet Brandt, der aus Bremen stammt, nie für Werder gespielt, aber früher in der Ostkurve die Grün-Weißen angefeuert hat. 19 Jahre jung ist er erst – und schon richtig gut.

Auch Werder setzt auf Talente. Bereits kurz vor dem 0:2 hatte Viktor Skripnik den Weyher Luca-Milan Zander (20) und Marcel Hilßner (20) zum Bundesliga-Debüt verholfen. Es war ein Akt der Verzweiflung, weil die Bank durch die vielen Ausfälle nicht viel mehr hergab. Beide sind aber eben keine Brandts und waren mit ihrer ersten Bundesliga-Aufgabe gegen so einen starken Gegner überfordert. Bei Hilßner deutlich sichtbar, als er den Zweikampf vor dem Strafraum mit Kevin Kampl verlor. Der Leverkusener nutzte die gewonnene Freiheit zum Traumschuss – 3:0 (65.).

Ein Debakel drohte, doch die Gäste, die mit Blick auf die Champions-League-Partie am Dienstag beim FC Barcelona ohnehin viele Stars geschont hatten, ließen Gnade vor Recht ergehen. Das sonst so nachsichtige Bremer Publikum war aber auch so bedient und pfiff. Nicht lange, aber hörbar.

Später pfiff dann Eichin das Team zusammen. Heute Morgen wird es Skripnik tun. Und dann soll die Vorbereitung auf das nächste Spiel beginnen – am Samstag beim Tabellenletzten Hannover 96. Dann muss sich beweisen, ob Skripniks Worte, die er gestern als Mutmacher benutzte, stimmen: „Wir haben die Qualität, um nicht abzusteigen.“

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