Junuzovic will aber nicht klagen und sieht in der China-Reise die Chance für bessere Pokal-Zeiten

„Ein bisschen mehr Erholung“

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Nach dem Training in China ist Zlatko Junuzovic zwar immer schwer gezeichnet, aber noch fit genug, um ein Erinnerungsfoto von den Kollegen zu schießen.

Tianjin - Zlatko Junuzovic sieht müde aus, sehr müde sogar. Trotzdem nimmt sich der Werder-Profi in der Mittagspause im Mannschaftshotel von Tianjin viel Zeit für ein Interview. Der 26-jährige spricht über außergewöhnlich hohen Wasserverlust, außersportlichen Verpflichtungen und seine ungewisse Zukunft bei Werder.

Herr Junuzovic, wie war das Training, es sah bei der schwülen Hitze ziemlich anstrengend aus?

Zlatko Junuzovic: Das war heftig – vom Schwitzen her sowieso. Du verlierst mal eben so zwei, drei Liter Wasser in zehn Minuten. Du musst die ganze Zeit was nachtrinken, sonst geht es gar nicht. Nach einiger Zeit schwinden dann trotzdem alle Kräfte. Es ist einfach so schwül und unangenehm. Du kriegst kaum Luft. Es sind Welten im Vergleich zu uns zu Hause. Aber wir haben es durchgezogen: Sprünge, Sprints – da war alles dabei.

Ist es eine sportliche Herausforderung oder schon zuviel des Guten?

Junuzovic: Nein, es geht schon, du kollabierst ja nicht. Wir werden gut unterstützt mit Getränken. Es ist schon eine Überwindung, aber es ist kein Problem. Die Luft steht richtig. Aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht. Wenn du andere Bedingungen hast, lernst du deinen Körper viel besser kennen. Du lernst, wie du in extremen Situationen reagieren musst. Das kann dir später mal helfen. Die letzten Jahre hatten wir in der ersten Runde im Pokal auch immer so ein Wetter mit 40 Grad – und sind ausgeschieden. Jetzt sind wir hoffentlich besser auf so etwas vorbereitet.

Es ist ja nicht nur das Klima anstrengend, auch die Zeitumstellung und der Reisestress – wie stecken Sie das weg?

Junuzovic: Es geht hier schon Schlag auf Schlag. Wir bräuchten vielleicht ein bisschen mehr Zeit für Erholung. Nach zwei Mal Training sind wir noch zum Gala-Dinner eingeladen, aber das gehört bei so einer Reise dazu, das wissen wir. Und die medizinische Abteilung gibt wirklich alles, arbeitet bis spät in die Nacht, damit wirklich jeder drankommt. Na ja, und vom Schlafen her: Ich schlafe um zwölf, ein Uhr ein und bin um vier Uhr schon wieder wach. Dann bin ich komplett munter – und anderthalb Stunden später schlafe ich wieder für zwei, drei Stunden ein. Damit hat man zu kämpfen. Aber es ist auszuhalten und komischerweise fühlt man sich im Training durchaus fit, man erholt sich während des Trainings zwischen den Übungen komischerweise sehr schnell. Das war auch im Spiel so. Eine interessante Erfahrung. Man geht wahrscheinlich über den Schweinehund drüber.

Hatten Sie sich das so hart vorgestellt?

Junuzovic: Ja, wir wurden vorbereitet. Der Trainer hat uns gesagt, dass es stressig wird. Außerdem ist es nur eine Woche. Deshalb kann man da ganz gut mit umgehen.

Denkt man trotzdem manchmal: Was habt ihr uns mit dieser China-Reise bloß angetan?

Junuzovic: Ja gut, wir wissen ja, wie das Geschäft läuft. Wir müssen das Positive mitnehmen. Für jeden von uns ist es doch interessant, mitzubekommen, wie so eine Reise abläuft. Es ist doch für fast alle das erste Mal – für mich auch. Du erlebst eine total andere Kultur, was du sehen kannst, ist einmalig.

Was ist so anders hier, was ist Ihnen besonders aufgefallen?

Junuzovic: Wenn du siehst, dass du auch am anderen Ende der Welt Fans hast, die mit dir reden und Fotos machen wollen, das ist schon etwas Besonderes. Wenn du durch die Straßen zum Training fährst, siehst du ein ganz anderes Leben. Und den Smog lernst du auch noch kennen… (lacht)

Kann man bei so einer anstrengenden Reise China-Fan werden?

Junuzovic (lacht): Das wird sicher nicht jeder. Aber es ist schön, zu sehen, wie die Städte sind, wie die Menschen leben. Bislang konnten wir das nur vom Bus aus sehen. Aber am Sonntag werden wir hoffentlich etwas Zeit bekommen, um uns einiges anzuschauen. Darauf freuen wir uns wirklich. Denn so eine Reise ist nicht alltäglich für uns, an solche Orte kommst du normalerweise nicht.

Robin Dutt hat gesagt, dass solche Reisen den Teamgeist stärken. Hat es schon geklappt – also quasi gemeinsam durch den Smog?

Junuzovic (lacht): Ja sicher. Wir sitzen alle in einem Boot. Wir wissen, dass es stressig ist. Und deshalb packt zum Beispiel am Flughafen jeder mit an, damit es schneller geht. Das sind diese Kleinigkeiten, die einem Team helfen, es im Spiel genauso zu machen.

Werden Sie das zum Bundesliga-Start noch erleben oder sind Sie dann vielleicht schon weg?

Junuzovic: Ich habe ja noch ein Jahr Vertrag, die Gespräche über eine Verlängerung laufen. Wir haben noch Zeit.

Bei namhaften Werder-Spielern wie Ihnen, die nur noch ein Jahr Vertrag haben, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder es wird mit Ihnen verlängert oder Sie werden verkauft, um noch einmal Kasse zu machen.

Junuzovic: Wir müssen uns für die Gespräche nicht unter Druck setzen. Ich sehe das sehr locker, weil noch viel Zeit ist.

Was muss passieren, damit Sie bei Werder Bremen bleiben?

Junuzovic: Gewisse Punkte müssen passen – für mich, für die Familie. Ich fühle mich sehr wohl, aber es gibt eben auch andere Punkte.

Sind es eher sportliche oder mehr wirtschaftliche Aspekte?

Junuzovic: Wirtschaftliches ist natürlich immer dabei. Aber das ist nicht das Primäre. Ich habe ja immer gesagt, dass ich am liebsten in der Mitte spielen will. Aber das einzufordern, ist schwierig. Das ist doch von so vielen Faktoren abhängig: Welches System spielen wir, ist vielleicht einer verletzt? Am Ende entscheidet das sowieso der Trainer. Ich denke im Moment nicht darüber nach, was in drei, vier, fünf, sechs Wochen ist. Das kommt so oder so auf mich zu. Ich muss jetzt meinen Körper so hinkriegen, dass ich 90 Minuten marschieren kann.

kni

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