Junuzovic und Fritz nicht zusätzlich gesperrt

Von der Klinge gesprungen

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Die Gelb-Schummler sind mit einem blauen Auge davongekommen: Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz pausieren heute und sind kommende Woche gegen Mainz dabei.

Bremen/Frankfurt - Als der um etliche Leistungsträger dezimierte Werder-Kader gestern zum Flug nach München eincheckte, machte Thomas Eichin den Anfang. Ticket abgeben – und dann: Ein zufriedenes Gesicht aufsetzen. Für die Kameras.

Dabei hätte er klagen können. Über den Ausfall von Claudio Pizarro etwa, aus dessen Ein-Tages-Rückkehr zum FC Bayern wegen einer Adduktorenzerrung nun doch nichts wird. Oder über das Fehlen von Fin Bartels, der seine Grippe nicht rechtzeitig auskuriert hat. Gründe genug, sauer-töpfisch in die Gegend zu gucken. Aber Eichin war gut gestimmt. Das milde Urteil für die Gelbsperren-Trickser Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz war der Grund. Beide fehlen Werder nur heute.

Am folgenden Spieltag werden sie gegen Mainz 05 wieder mitwirken können. Und das – so sagte es Eichin – war gestern die wichtigste Nachricht an einem gewiss nicht nachrichtenarmen Tag. Das DFB-Sportgericht hatte am Mittag unter dem Vorsitz von Richter Hans E. Lorenz den Fall der absichtlich eingehandelten Gelben Karten im Spiel gegen Hannover 96 verhandelt. Heraus kam eine Geldstrafe für beide Bremer Profis. Mehr nicht. Junuzovic und Fritz müssen jeweils 20000 Euro zahlen. Damit ist die Sache erledigt. Werder hat dem Urteil zugestimmt – und die Erleichterung war Eichin deutlich anzumerken: „Die Rechtspflegeordnung sieht in solchen Fällen eine Strafe von bis zu zwei Spielen Sperre vor. Deshalb sind wir natürlich zufrieden. Eine Spielsperre hätte ganz gewaltig den Verein betroffen. So sind nur die Spieler be-straft worden.“

Ob die beiden „Sünder“ die Geldbuße selbst zahlen müssen oder ob der Arbeitgeber das übernimmt, ist noch offen. „Darüber werden wir noch sprechen“, meinte Eichin und lachte so, wie es Clemens Fritz vor einer Woche getan hatte, als er Absicht bei seinem gelbwürdigen Foul geleugnet hatte. Dass Werder das Duo nicht hängen lässt, ist zu vermuten. Schließlich haben beide im Sinne des Clubs gehandelt – auch wenn das im Vorfeld offiziell so ja niemals besprochen worden war.

Bei dieser Darstellung blieb es auch gestern vor dem Sportgericht. Junuzovic wiederholte zum Erstaunen vieler sein Geständnis, das er schon direkt nach dem Spiel abgelegt, später aber mit seltsamen Wortwindungen zu widerrufen versucht hatte. Auch Fritz räumte Absicht ein: „Ja, ich habe die Gelbe Karte in Kauf genommen“, sagte er. Und: „Gegen die Bayern auszufallen, tut uns nicht so weh, wie gegen einen direkten Konkurrenten.“

Das Sportgericht wertete das als indirektes Geständnis. Was ein großes Glück war für Werder, wie sich bei der Urteilsbegründung herausstellte. „Die Geständnisse kamen überraschend für uns, dadurch sind die Spieler von der Klinge gesprungen. Die Strafe ist milder ausgefallen, als wenn sie alles bestritten hätten“, sagte Hans E. Lorenz nach der nur 30-minütigen mündlichen Verhandlung.

Er kam damit exakt der Forderung des DFB-Kontrollausschusses nach – und richtete sich nicht nach den Bestrafungs-Richtlinien der Europäischen Fußball-Union. Die Uefa sanktioniert seit 2011 vorsätzlich provozierte und nachgewiesene Gelbstrafen mit Sperren von zwei Spielen. In diese Richtung könnte es auch schon bald beim DFB gehen. „Wir haben zu überlegen, ob wir dem Beispiel der Uefa folgen wollen und den klaren Tatbestand unter Strafe stellen“, merkte Lorenz nach dem „ungewöhnlichen Verfahren“ an. Als Freifahrtschein für künftige „Gelb-Schummler“ wollte der Richter sein Urteil daher keinesfalls verstanden wissen – im Gegenteil: „Wir erhoffen uns eine Signalwirkung und haben nochmal dargestellt, dass eine gezielte Abholung von Gelben Karten unsportlich ist“, sagte der Mainzer und mahnte: „Es gibt keine Garantie, dass im nächsten Fall wieder so entschieden wird.“

Werder sollte seine Lektion gelernt haben. Auch wenn ein Satz von Thomas Eichin stutzen lässt. „Dass man in der heutigen Zeit, wenn es um so viel geht, gewisse Möglichkeiten nutzt, ist nichts Verwerfliches“, sagte er gestern.

csa/sid

Lesen Sie auch einen Kommentar zu dem Thema: Als Strafe getarnter Freispruch - Nur Geld für Gelb

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