„Der Schuss kann jetzt nach hinten losgehen“

Jürgen L. Born

Bremen - Zehn Jahre lang, von 1999 bis 2009, arbeitete Jürgen L. Born als Vorsitzender der Geschäftsführung in der Führungsetage bei Werder Bremen mit Klaus Allofs (55) zusammen. Der heute 72-Jährige bedauert den Wechsel des Sportdirektors nach Wolfsburg, der für Werder erhebliche Risiken birgt, wie Born glaubt.

Herr Born, wie schwer wiegt der Verlust von Klaus Allofs?

Jürgen Born: Er trifft Werder heftig, weil Klaus so lange für den Club erfolgreiche Arbeit geleistet hat. Im Duo Allofs und Trainer Thomas Schaaf wird zudem eine harmonierende Einheit aufgebrochen. Das muss man erstmal verarbeiten.

Was bedeutet das nun für den Club?

Born: Es kann das Signal sein, für einen mittelfristigen kreativen und innovativen Aufbruch. Das Ganze birgt aber auch erhebliche Risiken.

Welche sind das?

Born: Wichtig ist, jetzt ruhig zu bleiben. Und man muss sich den ganzen Verein jetzt auch mal anschauen, strukturmäßig alles durchleuchten, das Verhalten der Verantwortlichen überprüfen. Werder braucht den globalen Rundumschlag.

Warum hat bis auf Aufsichtsratsmitglied Hans Schulz niemand um Allofs gekämpft?

Born: Vielleicht hat man sich in den vielen Jahren irgendwie auseinander gelebt. Vielleicht war die Beziehung nicht mehr so intensiv, wie sie mal war.

Ist Klaus Allofs bei Werder überhaupt zu ersetzen?

Born: Das kann man jetzt noch nicht sagen. Aber die Gefahr besteht, dass der Schuss jetzt nach hinten losgeht.

Inwiefern?

Born: Weil zunächst einmal eine riesige Lücke aufgerissen wird, die jetzt geschlossen werden muss. Die Fußstapfen, die Klaus hinterlässt, sind außergewöhnlich groß. Vor allem sein Telefonbuch wird Werder fehlen. Klaus hat im Laufe der Jahre unheimlich viele Verbindungen geknüpft. Das ist ja auch das, was einen Sportdirektor auszeichnet. Wenn er jemanden anruft, dann wird auf der anderen Seite nicht gleich aufgelegt. Wenn sein Nachfolger aber auch so gut vernetzt ist, muss er nicht schlechter sein.

Ex-HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer wird bereits gehandelt.

Born: Es ist keine schlechte Idee, über Beiersdorfer nachzudenken. Und vielleicht liegt der Plan ja auch schon in der Schublade. Intern hat Werder auch gute Kräfte. Ich denke da an Frank Baumann, der das Geschäft von Klaus ja in den letzten Jahren gelernt hat. Er ist sachlich und rennt nicht gleich als Erster zu jedem Mikrofon. Das mag man in Bremen. Wichtig ist: Die ungeduldigen Fans müssen lernen, dass eine Übergangsfrist sein muss. Bitte jetzt nichts übers Knie brechen.

Können Sie Klaus Allofs verstehen?

Born: Ich kann jeden verstehen, der sich verändern will. Das habe ich in meinem Leben fast alle sechs Jahre getan.

Der Zeitpunkt ist allerdings etwas unglücklich. Kommende Woche spielt Werder in Wolfsburg.

Born: Darüber muss man hinwegschauen. Fußballer wollen nur eins: den Ball ins Tor schießen und gewinnen. Da denkt kaum einer darüber nach, wer gerade mit Höchstgeschwindigkeit von A nach B gefahren ist.

Wie sehr bedauern Sie persönlich den Wechsel von Allofs?

Born: Sehr, denn ich habe zehn Jahre mit ihm täglich zusammengearbeitet. Das passte einfach. Klaus ist ein Mann mit hohem Fußballsachverstand. Wir waren oft auf Reisen und haben uns auch über viele Dinge unterhalten, die nichts mit dem Job zu tun hatten. Es war sehr angenehm mit ihm.

Arne Flügge

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