Werder-Aufsichtsrat Lemke setzt auf Neustart von Schaaf und Allofs / Abschied von arrivierten Spielern

„Jetzt muss der Umbruch erfolgen“

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Die vergangene Werder-Saison hat Willi Lemke keinen Spaß gemacht. Deshalb hat der Aufsichtsratschef auch klare Vorstellungen, wie es weitergeht.

Bremen - Willi Lemke liebt Werder Bremen, doch in dieser Saison hat ihm sein Club keinen Spaß gemacht. Der Aufsichtsratschef des Bundesligisten hat sich nicht nur über das sportliche Abschneiden geärgert, denn auch das Image des Clubs war schon einmal besser. Und Lemke vermisst die alte Werder-Familie. Trotzdem blickt der 64-Jährige optimistisch in die Zukunft, fordert aber: „Jetzt muss der Umbruch erfolgen.“

Herr Lemke, wie erleichtert sind Sie, dass diese Saison vorbei ist?

Lemke:Sehr, denn das war wirklich keine schöne Saison. Das erinnerte mich doch sehr an 1999, als wir dem Abstieg nur ganz knapp entgangen sind. Damals gab’s dann wenigstens mit dem Pokalsieg ein Happy End – und wir hatten Thomas Schaaf als Trainer gewonnen. Aber dieser Saison kann ich so gar nichts abgewinnen. Wir müssen jetzt mit Schwung in die neue Serie gehen, aber das wird nicht einfach.

Was muss sich ändern, damit es aufwärts geht?

Lemke:Jetzt muss der Umbruch erfolgen, anders geht es nicht. Ohne Europapokal haben wir nun mal nicht mehr den finanziellen Spielraum vergangener Jahre. Da werden wir von dem einen oder anderen arrivierten Spieler noch Abschied nehmen.

Wie zum Beispiel Torsten Frings, der offenbar als Spieler nicht mehr benötigt wird und dessen Gehalt gespart werden soll?

Lemke:Das könnte ein Beispiel sein, aber ich möchte mich nicht zu einzelnen Namen äußern. Das ist Sache der sportlichen Leitung und der Geschäftsführung. Und Thomas Schaaf und Klaus Allofs genießen dabei unser vollstes Vertrauen und haben unsere Rückendeckung. Natürlich gibt es die Möglichkeit, fast nur auf das vorhandene Personal zu setzen und deshalb maximal ablösefreie Spieler zu verpflichten. Doch ich gehe eher davon aus, dass wir junge, frische Nachwuchskräfte in ein vorhandenes Korsett von erfahrenen Spielern packen. Das hat auch früher schon gut funktioniert.

Also sollen Thomas Schaaf und Klaus Allofs ihre 1999 begonnene Erfolgsgeschichte nun mit einem Neustart wiederholen?

Lemke:Das ist durchaus vergleichbar. Und wenn es einer kann, dann ist das Thomas Schaaf. Er hat genügend Erfahrung, mit jungen Spielern umzugehen und sie zu formen. Mit Klaus Allofs bildet er ein hervorragendes Team.

Damals benötigten Schaaf und Allofs allerdings ein paar Jahre, um Werder wieder flott zu kriegen. Ist jetzt erst einmal Mittelmaß angesagt?

Lemke:Wir erwarten jedenfalls von Thomas Schaaf und Klaus Allofs nicht, dass wir nächstes Jahr Deutscher Meister werden. Wenn wir um die Plätze fünf, sechs, sieben mitspielen könnten, wäre das nach so einem Umbruch ein großer Erfolg.

Haben Sie keine Angst, dass es noch weiter nach unten geht?

Lemke:Diese Gefahr besteht bei einem Umbruch immer. Aber wir geben alles, dass das nicht passieren wird.

Gehört dazu auch, die Saison noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen?

Lemke:Sicher. Bei unserer nächsten Sitzung im Juni werden wir als Aufsichtsrat die Saison Revue passieren lassen. Aber meine Grundphilosophie lautet, nicht zu sehr nach hinten zu schauen, sondern lieber nach vorne.

Gehört zum Blick in die Zukunft auch die Vertragsverlängerung mit Klaus Allofs, dessen Kontrakt in einem Jahr ausläuft?

Lemke:Durchaus, aber an der Situation hat sich nichts geändert. Wir wollen mit ihm weitermachen und warten auf ein Signal von ihm, um die Verhandlungen aufzunehmen. Wegen des Abstiegskampfes war das zuletzt kein Thema. Und jetzt wird Klaus Allofs sicher erst einmal fleißig seine Arbeit für die neue Saison machen, ehe er sich bei uns meldet.

Hängt von der Personalie Allofs auch die Vertragsverlängerung von Thomas Schaaf ab, dessen Kontrakt ebenfalls in einem Jahr endet?

Lemke:Das ist ja Sache der Geschäftsführung. Aber ich denke, dass das Thema Thomas Schaaf nicht unmittelbar ansteht. Das ist auch nicht dramatisch, in der Vergangenheit wurde das doch ähnlich entspannt gehandhabt.

Für Werder war’s nicht nur sportlich ein schlechtes Jahr. Es gab auch andere negative Schlagzeilen – zum Beispiel über den missmutigen Trainer Thomas Schaaf, über die Eskapaden von Marko Arnautovic oder den Rauswurf von Daniel Jensen. Wie sehr hat darunter das Image von Werder gelitten?

Lemke:Es gab schon ein paar Sachen, die mir nicht gefallen haben. Aber bei uns gibt’s die Regel, dass wir so etwas intern ansprechen und nicht über die Zeitung regeln.

Gestatten Sie trotzdem eine Nachfrage: Gibt es die viel gerühmte Werder-Familie überhaupt noch?

Lemke:Natürlich, aber sie hat sich verändert. Es ist einfach alles professioneller geworden, und das ist nicht nur positiv. Die Werder-Familie aus den Zeiten unseres leider schon verstorbenen Präsidenten Dr. Franz Böhmert gibt es nicht mehr. Die Fluktuation der Spieler ist viel größer geworden und der Einfluss der Spielerberater leider auch. Das ist das Schlimmste, und das kostet uns eine Menge Geld.

Das klingt schon fast etwas nach Resignation.

Lemke:Nein, so schlimm ist es auch nicht. Aber ich bin nun einmal jemand, der sich mit einer Mannschaft identifizieren will. Und das kann ich im Moment am besten mit Thomas Schaaf, der steht für diesen Club. Dann gibt’s da noch einige wenige Spieler, bei denen es ähnlich ist. Ich vermisse einfach Typen wie Dieter Eilts, Marco Bode oder Frank Neubarth, die nicht zum FC Bayern gegangen sind, weil’s dort 100 000 Euro mehr zu verdienen gab. Aber damit das nicht falsch verstanden wird: Das ist kein Werder-spezifisches Problem. Das letzte Beispiel lieferte doch Wolfsburg. Dass ein Spieler die Mannschaft verlässt, weil er nicht aufgestellt wird, ist ein Unding. Das tut unserem Sport nicht gut.

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