Mittelfeldspieler vermisst den Respekt / „Ein Zeichen gegen meine Person“

Jensen verbittert: „Das war ein Schlag ins Gesicht“

Die Enttäuschung ist groß bei Daniel Jensen - nach sieben Jahren hätte er sich einen schöneren Abschied gewünscht.

Von Arne Flügge - Nach sieben Jahren bei Werder Bremen hätte sich Daniel Jensen einen respektvolleren Abschied gewünscht. Dass er im letzten Heimspiel der Saison gegen Dortmund nicht im Kader war, hat den Mittelfeldspieler tief getroffen.

Im Interview macht der 31-jährige Däne aus seinem Herzen keine Mördergrube und sagt: „Das war für mich ein Schlag ins Gesicht.“

Daniel, Sie waren am Samstag tief enttäuscht. Hat sich der Frust ein wenig gelegt?

Jensen: Nein, nicht wirklich. Es wäre mein letztes Heimspiel für Werder gewesen. Nach sieben Jahren in diesem Club hätte ich mir gewünscht, dass man mir diesen Respekt entgegenbringt. Ich habe ja nicht erwartet, 90 oder 70 Minuten zu spielen. Aber ich denke, ich hätte es schon verdient gehabt, im Kader zu sein, zumal ja nur 15 Spieler nominiert worden sind. Der Trainer hätte doch nichts zu verlieren gehabt, wenn er mich mitgenommen hätte, zumal ich seit drei Wochen wieder im Training bin, mich sehr gut fühle.

Wie bewerten Sie diese Nichtberücksichtigung?

Jensen:Für mich war das keine schöne Geste nach sieben Jahren. Und es war für mich auch ein Zeichen gegen meine Person. Aber das kann ich mir nicht erklären, und ich kann es auch nicht verstehen. Ich habe immer alles für Werder gegeben, habe mit Verletzungen gespielt, mich aufgeopfert – und ich habe Werder nie geschadet.

Das klingt sehr verbittert.

Jensen:Ich bin enttäuscht, weil ich mich frage, warum ich diese Chance auf einen persönlichen Abschied nicht verdient habe. Ich weiß auch nicht, ob da persönliche Gründe eine Rolle gespielt haben. Ich wollte doch nur noch einmal vor den eigenen Fans das Trikot im Weserstadion tragen, mittendrin sein, vielleicht einen Pass spielen – mehr nicht. Dass ich diese Chance nicht bekommen habe, war für mich ein Stich ins Herz, es war ein Schlag ins Gesicht.

Haben Sie mit Trainer Thomas Schaaf darüber gesprochen?

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Jensen:
Vor zwei Wochen, vor dem Spiel bei St. Pauli, habe ich ihn gefragt, warum ich nicht dabei bin. Er hat mir geantwortet, dass ich noch nicht richtig fit bin. Das habe ich damals respektiert. Diesmal sehe ich das aber anders, denn ich bin fit. Was also hat dagegen gesprochen? Hat er geglaubt, dass ich immer noch nicht fit genug bin? Ich habe schon in einem weitaus schlechteren Zustand für Werder gespielt, weil es sein musste. Von daher ärgert es mich sehr, dass ich hier so einen Abschied bekommen habe. Ich habe daran schwer zu tragen. Es ist schwer für mich, das anzunehmen.

Glauben Sie, am Samstag im letzten Saisonspiel in Kaiserslautern noch einmal dabei zu sein?

Jensen:Nein, ich denke nicht, dass sich da etwas ändern wird. Ob wir da nun mit zwölf, 13 oder 15 Mann hinfahren – das ist doch das Gleiche. Und ich denke, das gilt auch für die Testspiele nach der Saison. Die Entscheidung, dass ich nicht mehr für Werder spiele, ist im Kopf des Trainers bereits gefallen. Klar wären solche Spiele wichtig für meine Fitness – doch vom moralischen Standpunkt her wäre es doch ein bisschen schlecht, mich für die Liga nicht mehr zu nominieren, dann aber in den Testspielen einzusetzen.

Was werden Sie vermissen?

Jensen:Ich werde schon ein paar von den Jungs hier vermissen, auch unser Leben hier in Bremen, die Lebensweise. Wir haben uns hier ein Haus gebaut, in dem wir uns sehr wohlfühlen. Jetzt stellt sich die Frage: Verkaufen? Vermieten?

Können Sie sich vorstellen, nach dem Ende Ihrer Karriere nach Bremen zurückzukehren und dann auch dort zu leben?

Jensen: Schon. Ich möchte später vielleicht mal als Trainer arbeiten. Und ich habe auch schon viele Dinge im Kopf, wie ich als Trainer arbeiten würde. Und vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, hier in Bremen zu lernen.

Sie plagt also kein Heimweh nach Dänemark?

Jensen:Nein. Ich habe mein halbes Leben im Ausland verbracht. Wir haben zudem Verwandte in der Schweiz und in Italien. Ich kehre immer wieder gern nach Dänemark zurück, aber ich sehe das irgendwie als eine Art Urlaub an.

Wie geht’s sportlich für Sie weiter?

Jensen:Ich möchte gern in der Bundesliga bleiben. Ich finde sie sehr interessant. Mein größter Wunsch ist es, noch einmal im Weserstadion aufzulaufen – jetzt natürlich in einem anderen Trikot. Es gibt einige Anfragen, mein Bruder Niclas kümmert sich darum. Ich hoffe, dass etwas Passendes kommt. Noch gibt es aber nichts Konkretes.

Sie haben immer betont, gerne bei Werder bleiben zu wollen. Wann haben Sie erfahren, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wird?

Jensen:Ich habe mich in den sieben Jahren hier sehr wohlgefühlt, doch in den letzten beiden Jahren ging diese Kurve nach unten. Da ist viel Negatives reingekommen, natürlich auch meine Verletzungen. Im Januar im Trainingslager in der Türkei habe ich am Rande mitbekommen, dass für mich Schluss sein wird. Seitdem war es mir klar, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Ich muss aber auch sagen, dass ich dann nicht mehr unbedingt hierbleiben wollte, da ich nicht mehr das volle Vertrauen gespürt habe. Als Fußballer brauchst du das aber. Und wenn es nicht mehr da ist, dann willst du auch nicht mehr um jeden Preis bleiben.

Was nehmen Sie mit nach sieben Jahren bei Werder?

Jensen:Ich habe viele Erlebnisse gehabt und viele Spieler kennengelernt. Diese Erinnerung kann mir keiner nehmen. Wir waren mit Werder sehr erfolgreich, haben fast regelmäßig in der Champions League gespielt. Für einen Fußballer ist das das Größte.

Was war Ihr schönster Moment?

Jensen:Da gibt es viele. Aber der schönste Moment war unser Sieg in Hamburg am letzten Spieltag der Saison 2005/2006, mit dem wir uns noch für die Champions League qualifiziert haben. Wir hatten damals eine besondere Philosophie, Fußball zu spielen – schnelle Pässe, direktes Spiel, frühes Stören. Das haben wir in den letzten zwei Jahren leider nicht mehr so gezeigt.

Und der schlimmste Moment in den sieben Jahren?

Jensen:Die Achillessehnen-Operation im April 2009. Seitdem habe ich ja kaum noch gespielt. Wenn du zwei Jahre lang nicht oder nur noch wenig spielen kannst, dann ist das ein Alptraum für jeden Fußballer. Ich habe in dieser Zeit jeden Tag gekämpft, um wieder zurückzukommen – dann kam immer wieder etwas Neues hinzu. Das hat mich schon zermürbt. Jetzt bin ich endlich wieder fit, werde aber nicht mehr nominiert. Auch dieser Moment ist sehr, sehr bitter für mich. Aber irgendwie hängt das ja alles zusammen.

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