Izet Hajrovic ist zuversichtlich vor dem Mainz-Spiel, nimmt Dutt in Schutz und lobt Skripnik

„Wir holen uns den ersten Sieg“

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Izet Hajrovic musste sich erst an Werder und die Bundesliga gewöhnen – dieser Prozess ist jetzt abgeschlossen, meint der bosnische Nationalspieler: „Nun sollte es besser werden.“

Bremen - Ein Elfmetertor gegen Illertissen, nun eine Vorlage in Chemnitz: Im DFB-Pokal hat Izet Hajrovic immerhin zwei Scorerpunkte gesammelt – in der Bundesliga dagegen gar keinen. Warum der Neuzugang von Galatasaray Istanbul bei Schlusslicht Werder noch nicht „gezündet“ hat und warum es vielleicht schon heute (15.30 Uhr) im Auswärtsspiel bei Mainz 05 besser wird, verrät der 23-Jährige im Interview.

Und natürlich spricht der bosnische Nationalspieler auch über die Folgen des Bremer Trainerwechsels, seinen Sturmpartner Franco Di Santo – und über ein Wechselgerücht.

Herr Hajrovic, legen wir los mit einem Lob des neuen Trainers. Viktor Skripnik hat gesagt, Sie haben „wohl den begabtesten linken Fuß im Verein“.

Izet Hajrovic: (lächelt) Oh, hat er das gesagt? Das macht mich natürlich stolz. Aber wir haben viele gute Fußballer in unserer Mannschaft. Und die jungen Spieler kommen auch so langsam – wie zum Beispiel Levent Aycicek.

Lobt der neue Trainer einzelne Spieler generell viel?

Hajrovic: Bis jetzt noch nicht, aber wir sind ja auch erst seit ein paar Tagen zusammen. Im Moment steht das Fußballerische und das Taktische im Vordergrund – so, wie es sein muss. Aber es ist auf jeden Fall so, dass er uns starkredet. Er hat uns schon mehrfach gesagt, dass wir Qualität haben, eine gute Mannschaft sind und den Kopf nicht hängen lassen sollen. Und dass wir bis zur Winterpause noch viele Punkte holen können.

Was für einen Eindruck haben Sie bisher von Viktor Skripnik?

Hajrovic: Er ist ein guter Trainer, das kann ich schon sagen. Er war selbst Profi und in seiner Karriere sehr lange bei Werder, versteht die ganze Philosophie des Vereins. Er wird uns enorm weiterhelfen.

Wie ist der Umgang mit Skripnik – was ist er für ein Typ, wenn die Kabinentür zufällt, Mannschaft und Trainer unter sich sind?

Hajrovic: Er ist ein lockerer, ziemlich cooler Typ. Er kennt das von früher, wie man sich in einer Mannschaft verhält. Wenn man zwischendurch mal einen Witz macht oder ein bisschen lacht, versteht er das – trotz der sportlichen Lage. Wir haben bei ihm eine gewisse Lockerheit, aber auch die nötige Konzentration – das ist eine gute Mischung.

Was hat sich seit dem Trainerwechsel sportlich verändert?

Hajrovic: Wir versuchen, den Ball in unseren Reihen zu halten und wieder viel mehr Fußball zu spielen. Der Trainer gibt uns neue Impulse und Ideen. Und im Training haben wir mehr Freude. Das ist wichtig. Die Situation ist natürlich immer noch angespannt, aber nicht mehr so wie vorher. Es ist lockerer, die Stimmung nach dem Sieg im Pokal viel positiver. Man ist mental einfach besser drauf.

Ex-Coach Robin Dutt hat Sie mehrfach ein- oder ausgewechselt, teilweise gar nicht spielen lassen. Hatten Sie nicht sein volles Vertrauen?

Hajrovic: Das kann man so nicht sagen. Er hat mir erzählt, dass ich ein Wunschspieler von ihm war. Ich hatte meine Einsätze bei ihm und habe mich nicht aufgeregt, wenn ich mal nicht zum Zuge kam. Wir hatten viele Einzelgespräche, unsere Beziehung war gut. Ich kann nichts Negatives über ihn sagen. Dass wir so schlecht dastehen, lag nicht nur an Dutt, sondern vor allem an der Mannschaft – aber am Ende ist es meistens so, dass der Trainer dran glauben muss.

Viktor Skripnik hat Sie in Chemnitz von Anfang an gebracht und scheint ein Fan von Ihnen zu sein. Sind Sie jetzt Stammspieler?

Hajrovic: Wir haben gerade erst angefangen, miteinander zu arbeiten. Das kann ich noch nicht beurteilen. Ich bin erst mal froh, dass ich wieder spielen durfte. So kann es weitergehen.

Die Vorlage zum 1:0 von Fin Bartels war Ihr erster Pflichtspiel-Assist im Werder-Trikot. Wie gut tat das?

Hajrovic: Natürlich ist es schön, wenn man etwas für die Statistik tun kann – vor allem für Offensivspieler. Am Ende der Saison werden die Tore und die Vorlagen gezählt – und wenn da eine Null steht, zeigt das, dass man schlecht gespielt hat. Ich stelle mich immer in den Dienst der Mannschaft. Und wenn dann noch ein Tor oder eine Vorlage gelingt, ist es umso schöner.

Im Pokal läuft es in dieser Hinsicht ganz gut, in der Bundesliga sind Sie dagegen noch ohne Torbeteiligung. Wann platzt dort der Knoten?

Hajrovic: Ich hoffe, jetzt in Mainz. Am wichtigsten ist aber, dass wir als ganze Mannschaft so weitermachen und uns in der Tabelle ein bisschen verbessern. Wir wollen in den Medien auch mal etwas Positives lesen, wie nach dem Pokalspiel.

Warum haben Sie bei Werder noch nicht richtig „gezündet“?

Hajrovic: An der Fitness liegt es nicht mehr, da bin ich jetzt auf einem guten Niveau. Die hohen Erwartungen waren aber schon etwas belastend. Ich wurde oft mit Aaron Hunt oder Kevin De Bruyne verglichen. Aber ich bin ich und kein Nachfolger von irgendjemandem. Außerdem musste ich mich an das Niveau der Bundesliga gewöhnen. Das ist höher als in der Türkei. Mittlerweile kenne ich alles – und nun sollte es besser werden. Ich tue alles, um mich weiter zu steigern und hier irgendwann mal Führungsspieler zu werden.

Sie sind gelernter Flügelspieler, wurden bei Werder aber schon auf mehreren anderen Positionen eingesetzt – zuletzt sowohl von Dutt als auch von Skripnik als zweite Spitze. Ein Problem?

Hajrovic: Nein. Ich fühle mich dort ganz wohl. Man hat freie Laufwege. Und ich kann meine Kreativität zeigen.

Franco Di Santo (1,93 Meter) und Sie (1,77), das ist ein ziemlich ungleiches Angriffspaar.

Hajrovic: Aber es passt gut. Gegen Köln und in Chemnitz hatten wir beide unsere Aktionen und haben gut kombiniert. Wenn man zwei so unterschiedliche Typen vorne hat, ist das immer von Vorteil – und schwer für die gegnerische Mannschaft.

Hajrovic und Di Santo – wird das bei Werder ein Sturm-Duo auf Dauer?

Hajrovic: Das kann ich mir vorstellen, der Trainer hat aber einige Möglichkeiten. Franco hat sehr viele Qualitäten, ist kopfballstark und robust. Wenn man ihn in Szene setzt mit Bällen in die Tiefe oder mit Flanken, wird er ganz sicher noch viele Tore machen.

Vier sind es in dieser Bundesliga-Saison bisher, einen Sieg für Werder gab es in neun Spielen trotzdem nicht. Warum klappt es heute in Mainz?

Hajrovic: Nach dem Sieg in Chemnitz ist eine große Last von den Schultern gefallen. Das tat richtig gut. Nun gehen wir mit der gleichen Mentalität ins Spiel, werden unseren Fußball aufziehen. Und dann holen wir uns den ersten Sieg.

Zum Abschluss ein Gerücht aus Ihrer bosnischen Heimat. Medien spekulieren, dass Sie auf der Liste von Juventus Turin stehen – sollte der geplante Transfer von Bayerns Xherdan Shaqiri nicht klappen. Gibt es Interesse von „Juve“?

Hajrovic: Das höre ich zum ersten Mal und kann es mir auch nicht vorstellen. Außerdem habe ich bei Werder einen Vierjahresvertrag und denke überhaupt nicht an einen Wechsel – so schnell will ich hier sicher nicht wieder weg.

mr

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