Ex-Bremer fordert zur Entscheidung auf

Klasnic: „Nur meine Nieren kann ich nicht mehr spenden...“

Ivan Klasnic ist immer noch ein Fan-Liebling. Mit seiner Reichweite will er nun beim Thema Organspende für Aufmerksamkeit sorgen.
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Ivan Klasnic ist immer noch ein Fan-Liebling. Mit seiner Reichweite will er nun beim Thema Organspende für Aufmerksamkeit sorgen.

Hamburg - Nachmittags hat er noch selbst in Rotenburg gekickt – für Werder bei einem Spiel mit der Traditionsmannschaft. Danach ging es ins TV-Studio, Ivan Klasnic war Gast in der Talk-Show „Anne Will“ - und hat mit seinem Auftritt nachdenklich gemacht und vielleicht auch den einen oder anderen Zuschauer zum Organspender gemacht.

„Man betet, dass die Medizin etwas erfindet, eine Tablette, die ewig funktioniert. Aber wenn ich eine vierte Niere brauche, da muss ich an eine neue Dialyse oder den Tod denken“, sagt Klasnic. Und er gibt offen zu, dass er Angst vor dem Tod hatte, „und bei mir kribbelt's, wenn ich daran denke“.

2007 war bei dem Werder-Profi eine schwere Nierenerkrankung festgestellt worden. Aus seiner Sicht zu spät. Deswegen hat er die behandelnden Ärzte verklagt. Der Prozess ist noch immer nicht abgeschlossen, geht am 21. September in die nächste Runde.

Dass Klasnic dann noch dabei sein wird, hat er Organspendern zu verdanken. Erst seinen Eltern, zuletzt, im Oktober 2017, einer jungen Frau aus Kroatien, wie er verrät: „Ich weiß, dass die Niere von einer jungen Dame stammt, die leider gestorben ist, aber sie hat fünf Menschen das Leben gerettet.“

Ivan Klasnic spielte am Sonntag mit der Werder-Traditionsmannschaft in Rotenburg.

Genau darum geht es in der Talkshow. Gastgeberin Anne Will hat nicht nur Ex-Profi Ivan Klasnic eingeladen, sondern auch Karl Lauterbach (SPD), Eckart von Hirschhausen (TV-Moderator und Arzt), Wolfgang Huber (evangelischer Bischof), Alexandra Manzei (Gesundheitssoziologin) und Anita Wolf (Netzwerk Spenderfamilien). Alle werben dafür, dass es in Deutschland mehr Organspender geben soll. 10.000 Menschen warten in Deutschland auf ein neues Organ, 2017 gab es aber nur 800 Transplantationen. Das sind so wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr. Gesundheitsminister Jens Spahn will deshalb die gängige Praxis beim Organspendeausweis umkehren. Die Zustimmung geschieht automatisch, wer nicht spenden will, soll sich zukünftig melden müssen.

Klasnic bevorzugt offenbar einen anderen Weg. „Ich habe mich früher auch nie damit beschäftigt, bis es einen selbst trifft. Aber wir müssen uns damit beschäftigen, und jeder muss sich fragen: Will ich Organspender sein oder nicht? Jeder kann frei entscheiden, aber man muss sich informieren." Also kein Automatismus, sondern eher eine Wahl – zu welchem Zeitpunkt auch immer.

Klasnic hat selbst einen Organspendeausweis

Klasnic hatte vor seiner letzten Transplantation keine Wahl mehr. „Während ich an der Dialyse war, ist eine ältere Dame gestorben. Ich konnte und wollte nicht sieben, acht Jahre in Deutschland auf eine Niere warten und bin nach Kroatien gegangen“, berichtete der 38-Jährige. In seiner Heimat ist die Wartezeit kürzer, trotzdem dauerte es noch 18 Monate. Eine lange Zeit an der Dialyse, die ihm damals schwer zu schaffen machte. Wie lange das neue Organ funktionieren wird, weiß er nicht: „Kann sein, dass es wieder zehn Jahre sind, vielleicht ist es weniger – das kann keiner sagen."

So geht es nicht nur ihm. Mit dieser Ungewissheit müssen viele Menschen leben. Auch deshalb ist es so wichtig, dass die Zahl der Organspender steigt. Und Klasnic geht dabei mit gutem Beispiel voran. „Ich habe einen Organspendeausweis“, sagte er und fügte dann noch mit seinem typischen Humor an: „Nur meine Nieren kann ich nicht mehr spenden...“ Das haben andere Menschen für ihn gemacht, und deshalb lebt er noch, kann sogar Fußball mit seinen alten Kollegen spielen.

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Ivan Klasnic im Foto-Story-Interview

 © Fotos: Gumz / Montage: Lenhart
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